Brutale Spiele-Apps für Kinder: Stiftung Warentest warnt
Die Stiftung Warentest hat die verheerenden Ergebnisse einer Untersuchung von Spiele-Apps für Kinder vorgestellt. Das Heilbronner Polizeipräsidium gibt Tipps, wie Eltern ihren Nachwuchs schützen können.
Sie zeigen pornografische, rassistische oder brutale Szenen: Stiftung Warentest hat 16 Kinder-Spiele-Apps getestet. 15 davon sind nach Ansicht der Verbraucherorganisation "inakzeptabel". Neben gewaltverherrlichenden Szenen werden Spieler zum Teil mit neonazistischen oder sexualisierten Inhalten konfrontiert. Die Tester stießen bei den Spielen auf Nutzer- oder Gruppennamen wie "HeilAdolf", "Judenkiller88" oder "Fick Krüppel".
"Wir waren erstaunt und beunruhigt", sagt Holger Brackemann von Stiftung Warentest. Die jüngste Untersuchung der Spiele-Apps sei nicht die erste. In den Jahren 2011 und 2019 nahmen die Verbraucherschützer Computer-Spiele für Kinder unter die Lupe. Die Ergebnisse seien schon damals nicht zufriedenstellend gewesen. Besser ist es nicht geworden.
Im jüngsten Versuch testeten die Experten beispielsweise ein Spiel, bei dem eine animierte Spielfigur durch einen virtuellen Raum läuft. Die Figur hält ein Maschinengewehr im Anschlag. Sie schießt auf andere Figuren. Blut spritzt aus den Körpern. Die Szene simuliert offenbar einen Amoklauf. Das Spiel ist ab zwölf Jahren freigegeben.
"Stiftung Warentest" warnt vor Spiele-Apps für Kind: Tester entdecken Hassbotschaften
Manche Apps bieten ein Einfallstor für Hassbotschaften oder für Täter, die versuchen, im Spiel sexuellen Kontakt zu Minderjährigen aufzunehmen. Einige der Spiele seien ab zwölf Jahren freigegeben, erklären die Tester in einer Pressekonferenz. Doch der Zugang sei problemlos möglich, wenn ein Benutzer ein weit jüngeres Alter angebe.
Im Spiel lauerten weitere Gefahren für Kinder. Mit sogenannten In-App-Käufen werden sie dazu animiert, Gegenstände wie Waffen oder Edelsteine zu kaufen. Diese garantierten ein Weiterkommen. Gerade bei Gratis-Angeboten könne nur bis zu einem gewissen Grad gespielt werden. "Am Anfang ist der Spielfluss gut. Dann stoppt es und man kommt nicht weiter", sagt Martin Gobbin von Stiftung Warentest.
"Viele Spiele haben gar kein Ende. Kinder sollen oft und lange spielen", sagt Brackemann. Wer täglich spiele, erhalte Belohnungen. Wer nicht täglich spiele, verliere seinen Rang. Eine weitere Methode, Druck aufzubauen, seien Aufforderungen, sich zu Gruppen zusammenzuschließen. Spieler erhielten Push-Nachrichten auf das Smartphone, wenn Mitglieder im Spiel sind. "Man wird verpflichtet, mitzuhelfen. Wer rausgeht, wird verantwortlich gemacht, wenn die Gruppe das Spiel verliert."
Rat der Polizei zu Spiele-Apps für Kinder: Auf Gefahren hinweisen
Sabine Hönninger vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Heilbronn hält regelmäßig Vorträge vor Schülern. Sie rät Eltern, regelmäßig mit ihren Kindern über die Spiele zu sprechen. "Verbieten bringt nichts. Man muss sich informieren und auf Gefahren hinweisen." Anstatt zu verbieten, rät sie, das Spiel auch mal mit dem Kind durchzuspielen. Sinnvoll können auch Apps sein, die von den Eltern gesteuert werden und die Spielzeit eingrenzen. Ihr Tipp: Mit den Kindern im Gespräch bleiben.
Das raten auch die Verbraucherschützer. Eltern sollten das Kind ernst nehmen. Was die Tester verwunderte: Auf Nachfrage und auf Hinweise habe es von den Spiele-Herstellern nur dürftige, zum großen Teil keine Reaktionen gegeben.

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