Neue Strategie, neue Spitze: Bahnkunden brauchen weiter gute Nerven
Der designierten Chefin Evelyn Palla ist zuzutrauen, dass sie die Weichen bei der Deutschen Bahn richtig stellt. Zu erwarten, dass auf der Schiene jetzt alles schnell besser wird, ist illusorisch, meint unser Autor.
Es ist ein bisschen wie bei einem Bundesligatrainer, der einen taumelnden Klub übernimmt. Bloß nicht zu viel versprechen, keine überzogenen Erwartungen schüren – sonst wird die Anhängerschaft schnell unruhig.
„Nichts wird schnell gehen“, sagte Evelyn Palla, die designierte Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, und verlangte damit von den Fahrgästen das, was sie seit Jahren im Übermaß aufbringen: Geduld.
Auf derselben Pressekonferenz kassierte dann noch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) ehrgeizige Pünktlichkeitsziele für den chronisch unzuverlässigen Fernverkehr. Das ist an sich schon ein bemerkenswerter Vorgang, denn üblicherweise mischt sich der Eigentümer Bund nicht ins operative Geschäft ein.
In die Sanierung der Deutschen Bahn fließen Milliarden
Für die geplagte Kundschaft, die jetzt und hier unter Verspätungen, Baustellen und Zugausfällen leidet, klingt das alles ernüchternd. Und doch ist es richtig, realistische Ziele zu setzen anstatt dem Land Sand in die Augen zu streuen.
Die Sanierung des maroden Schienennetzes ist eine Herkulesaufgabe. Das Konzept der Generalsanierung wichtiger Korridore fortzuführen, ist richtig. Die Ausrede, dass nicht genug Mittel da sind, fällt weg. Der Bund flutet die Bahn mit Geld, mehr als 100 Milliarden Euro fließen in die Schiene. Jetzt muss es richtig eingesetzt werden.
Evelyn Palla kennt den Konzern, sie hat bei DB Regio gute Arbeit geleistet. Sie ist selbst Lokführerin. Das kann ihr bei den Eisenbahnern die nötige Glaubwürdigkeit geben. Zum Start fand sie die richtige Ansprache und versicherte den Mitarbeitern, dass sie „wieder stolz“ sein werden auf ihre Bahn.
Neue Konzernspitze bei Deutscher Bahn: „Neustart“-Worten müssen Taten folgen
Mehr Skepsis schlägt Dirk Rompf entgegen, der als Chef der DB InfraGo die Infrastruktur-Misere mit beheben soll. Allerdings war Rompf schon beim Vorgängerunternehmen DB Netz in dieser Funktion, als die Entwicklung genau in die falsche Richtung ging.
Von einem „Neustart“ war immer wieder die Rede. Letztlich werden die Kunden die Verantwortlichen an Taten und am Erfolg messen – das gilt für Konzernchefs wie für Fußballtrainer.
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