„Größte Verwunderung“ – Audi-Betriebsratschef kontert Kritik aus Wolfsburg
Angesichts der gewaltigen Herausforderungen ist die Stimmung im VW-Konzern ab und an etwas gereizt. Kurz vor den Betriebsratswahlen am 12. März gibt es nun ausgerechnet Zoff unter den Arbeitnehmervertretern der Konzernmutter VW und der Tochter Audi.
Langweilig wird es im VW-Konzern ja nie. Aber was sich eine Woche vor den Betriebsratswahlen nun abspielt, ist doch bemerkenswert. Bei der VW-Betriebsversammlung am vergangenen Mittwoch (4. März) hat Daniela Cavallo zum Rundumschlag ausgeholt. Die Vorsitzende des Konzernbetriebsrats hat den Vorstand in ihrer Rede vor der Belegschaft aufgefordert, „Audi und Porsche wieder an die kürzere Leine“ zu nehmen.
„Wolfsburg muss wieder stärker Dreh- und Angelpunkt für den gesamten Konzernverbund sein“, sagte die 50-Jährige. „Alleingänge einzelner Marken können wir uns schlicht nicht mehr leisten“, so Cavallo. „Im Moment ist das oft Kraut und Rüben“, kritisierte sie. „Es mangelt an Disziplin.“ Die Konzernspitze um Oliver Blume forderte sie auf, Machtworte zu sprechen, „um Marken-Egoismen einzufangen“. Nur so ließen sich Synergien im Konzern nutzen. „Es braucht gemeinsame Ziele.“ Dafür brauche es klare Vorgaben und den nötigen Durchgriff aus dem Konzernvorstand.

Audi-Betriebsratschef: „Wir brauchen kein Einheitsauto“
Die Antwort der Konzerntochter Audi ließ nicht lange auf sich warten. „Wir haben in Neckarsulm und Ingolstadt mit größter Verwunderung die Äußerungen und Signale, die in den Medien über die Betriebsversammlung im Volkswagen Stammwerk Wolfsburg verbreitet werden, zur Kenntnis genommen“, äußerte sich Jörg Schlagbauer, Gesamtbetriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratschef der Audi AG. „Die Erfahrung lehrt uns, wenn tatsächlich starke Marken wie Audi gemeint sein sollten, die an die „kurze Leine“ genommen werden sollten, dann würde dort nicht strategisch gehandelt werden – sondern unvernünftig.“ Die Forderung nach Synergien unterstütze man ausdrücklich, es dürfe damit aber kein Kurs eingeschlagen werden, der jene Kräfte schwächen würde, auf denen der Konzernerfolg beruhe.
„Wir haben nichts gegen sinnvolle Synergien bei Produktionsplattformen oder in der Entwicklung, aber die Marken müssen technologisch, im Design und digital für die Kunden unterscheidbar und verschieden werthaltig sein“, sagt Schlagbauer „Wir brauchen kein Einheitsauto. Innovation muss auch nicht immer zwingend im Konzernzentrum entstehen, sondern dort, wo Marken Verantwortung tragen, ihr eigenes Image entwickeln, Entscheidungen treffen, sich im weltweiten Markt positionieren und Tempo machen.“ Deswegen sei das Problem nicht unbedingt mangelnde Steuerung, sondern die Gefahr einer immer stärker werdenden bürokratischen und zentralistischen Übersteuerung.
Audi-Betriebsratschef: „Starke Marken brauchen Freiheit – für einen starken Konzern“
„Die Fakten sind eindeutig: Ohne die wirtschaftliche Stärke von Audi und den weiteren Konzerntöchtern wären die Konzernergebnisse der vergangenen Jahre vermutlich deutlich niedriger ausgefallen“, sagt Jörg Schlagbauer. Diese Leistungen waren dem 48-Jährigen zufolge weder „Kraut und Rüben“, noch Zufall – „sie sind das Ergebnis von Autonomie, markennaher Führung und unternehmerischer Freiheit“.
Sollten diese Grundlagen in Frage gestellt werden, gefährde dies möglicherweise das bisherige Erfolgsmodell des Konzerns. „Deshalb: Starke Marken brauchen Freiheit – für einen starken Volkswagen-Konzern“, so Schlagbauer.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare