Kurz vor Weihnachten hat der Konzern einen Großauftrag im Wachstumsgeschäft mit Anlagen für die Batterieproduktion akquiriert. Für den italienischen Batteriehersteller FIB wird der im SDAX notierte Maschinen- und Anlagenbauer ein schlüsselfertiges System zur Elektrodenbeschichtung liefern. Der Auftragswert für das Werk in Teverola bei Neapel liegt im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, teilt Dürr mit „Das Großprojekt hat enorme strategische Bedeutung und unterstreicht die Attraktivität unseres Lösungsangebots für die Fertigung von Elektroden für Batterien im großen Maßstab“, sagt Vorstandsvorsitzender Jochen Weyrauch.
Dürr schafft Rekorde bei Auftragseingang und Umsatz
Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr beweist in einem schwierigem Umfeld seine Widerstandsfähigkeit und legt für 2024 starke Zahlen vor.

Als Pfälzer ist Jochen Weyrauch anpassungsfähig. Und der Vorstandsvorsitzende von Dürr weiß um die Wurzeln des Konzerns. Die vorläufigen Bilanzzahlen des börsennotierten Maschinen- und Anlagenbauers, die Weyrauch am Donnerstag in Bietigheim vorstellt, fasst er typisch schwäbisch zusammen: „Es gibt nichts zu Meckern.“ Mit Blick auf ein politisch und gesamtwirtschaftlich unruhiges Jahr 2024 geht das als Understatement durch.
Dürr erzielte im schwierigem Umfeld auch 2024 Rekorde, Weyrauch und Finanzvorstand Dietmar Heinrich legten erneut Höchstwerte bei Umsatz und Auftragseingang vor. Im Vorjahresvergleich stiegen die Bestellungen um elf Prozent auf 5,14 Milliarden Euro an, auch der Umsatz erreichte mit 4,7 Milliarden einen Rekord. „Wir haben 2024 als Unternehmen Resilienz bewiesen, wir haben vor, dass das auch 2025 so bleibt“, sagte Weyrauch.
Dürr hat gute Verkaufsargumente
Profitiert hat Dürr vor allem von hohen Investitionen der Automobilindustrie in hochautomatisierte und nachhaltige Lackiertechnik, was angesichts der Krise der Autobauer und seiner Zulieferer bemerkenswert ist. Auf der anderen Seite verschlingt der Prozess der Lackierung die Hälfte der Energie, die bei der Autoherstellung anfällt - weshalb die Bietigheimer mit ihren Anlagen sehr gute Verkaufsargumente haben.
„Das ist ein klarer Ausdruck dafür, dass wir die Situation gut meistern.“Dietmar Heinrich
Das schlägt sich in guten Zahlen nieder: Zum fünften Mal in Folge überstieg der Cashflow die Schwelle von 100 Millionen Euro, letztlich landete Dürr im Vorjahr bei satten 157 Millionen. Wobei Finanzvorstand Heinrich erklärte, dass mehrere Kunden ihre Zahlungen, die im Januar und Februar eingeplant waren, bereits Ende 2024 ausgelöst haben. Für den Finanzer sei das trotzdem ein gutes Signal, wie Heinrich betonte. „Wir nutzen die Mittel, um an der Reduzierung unserer Schulden zu arbeiten.“ Diese gingen von 517 auf 396 Millionen Euro zurück. Allerdings sank das Ergebnis nach Steuern um sieben Prozent auf 102,1 Millionen.
Im Holzbau soll Mitte des Jahres der Aufschwung einsetzen
Auch bei der sogenannten Ebit-Marge, der Umsatzrentabilität, bewegte sich Dürr 2024 mit 5,5 Prozent an der oberen Schwelle des vorgegebenen Zielkorridors. „Das ist ein klarer Ausdruck dafür, dass wir die Situation gut meistern“, sagte Heinrich. Zumal im Bereich Holzbau die Lage schwierig war und noch ist. Bei der Konzerntochter Homag schwächelt die Nachfrage seit 2022, im Vorjahr kürzte das Unternehmen 600 Stellen. Der Auftragseingang stabilisierte sich auf 1,36 Milliarden Euro.
Spätestens im zweiten Halbjahr 2025 rechnet Dürr in diesem Geschäftsfeld mit einem Aufschwung, sieht sich in einer guten Ausgangsposition für weiteres Wachstum. Auch wenn das Bauen insgesamt derzeit in der tiefen Krise stecke, „ist zu sehen, dass der Anteil an nachhaltigem Bauen zunimmt“, sagte Weyrauch. Sobald sich der Markt entwickele, werde der Konzern mit fertigen Modulen von dieser Dynamik profitieren.
Zusammenlegung war längst überfällig
Im Zuge der im Vorjahr begonnenen Transformation konzentriert sich Dürr künftig auf drei Geschäftsfelder, zu denen neben dem Holzbau die industrielle Automatisierung und Automotive gehören. Im Bereich Automotive hat der Konzern nun die Bereiche Lackieranlagenbau und Applikationstechnik zusammengeführt. „Die Kunden und Projekte der ehemals getrennten Bereiche sind zu drei Viertel dieselben“, begründete Weyrauch.
Durch die Zusammenlegung „nutzen wir jetzt die Effizienzen in der Abwicklung auf der Baustelle, aber auch in der Entwicklung von Projekten“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Nach einigen Wochen in der neuen Struktur zeichne sich ab, dass dieser Schritt längst überfällig gewesen sei, so spiegele es auch die Mehrheit der Mitarbeiter wider.
Umwelttechnik steht vor dem Verkauf
Vor dem Hintergrund der Fokussierung auf sein Kerngeschäft gehörte auch, dass Dürr sich 2024 für 45 Millionen Euro von Agramkov Befülltechnik getrennt hat. Auch der umsatzstarke Bereich Umwelttechnik stehe kurz vor dem Verkauf. „Wir sehen uns nicht als besten Eigentümer“, sagte Weyrauch. Angesichts der guten Prognosen dürfte es auch für die 1500 Mitarbeiter weltweit weitergehen.
Dürr selbst hat knapp 20.000 Mitarbeiter weltweit, die Hälfte davon in Deutschland. Die profitieren von den guten Geschäften, erhalten wie im Vorjahr einen Bonus von 1500 Euro. Gesteigert hat der Konzern seine Investitionen: um 20 Prozent auf 189 Millionen Euro, vorrangig im Inland. Aller Schwierigkeiten zum Trotz: „Wir stehen zum Standort Deutschland“, sagte Weyrauch. 189 Millionen, sagte er ganz unschwäbisch, seien: ein starkes Zeichen.

Stimme.de
Kommentare