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DAX erklärt: Bedeutung, Entwicklung und Rolle an der deutschen Börse

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Der DAX ist Deutschlands bekanntester Börsenindex. Er erscheint täglich in Nachrichten und Wirtschaftsberichten. Was er genau misst, wie er funktioniert und wie Anleger ihn nutzen können, erklärt dieser Überblick.


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  • Der DAX bildet die 40 größten deutschen Börsenkonzerne ab – und ist der bekannteste Aktienindex Deutschlands.
  • Wer in ETFs investiert, kann unkompliziert vom DAX profitieren – aber Chancen und Risiken sollte man kennen.
  • DAX und Geldanlage global gedacht: Warum ein einziger Index als Basis nicht ausreicht.

Kaum eine Wirtschaftsnachricht kommt ohne ihn aus: der DAX. Steigen die Kurse, ist von guter Börsenstimmung die Rede. Fallen sie, folgen Berichte über Verunsicherung und Kursverluste. Dabei bleibt oft unklar, was der Index tatsächlich misst – und was er nicht misst.

Hohe Bekanntheit, aber oft fehlendes Verständnis für den DAX

Immerhin kennen ihn fast alle: Laut einer repräsentativen Studie der „Aktion pro Aktie“ aus dem Jahr 2018 konnten neun von zehn Deutschen die Abkürzung DAX korrekt als „Deutscher Aktienindex“ identifizieren. Doch Bekanntheit ist nicht dasselbe wie Verständnis. In derselben Studie unterschätzte die große Mehrheit der Befragten die tatsächliche Wertentwicklung des Index erheblich – obwohl der DAX im untersuchten Fünfjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent gestiegen war. Nur zwölf Prozent wussten das.

Wer die Grundlagen des DAX versteht, liest Wirtschaftsnachrichten mit mehr Klarheit – und legt einen soliden Baustein für eigene Anlageentscheidungen.

Was der DAX abbildet – und was nicht

Der DAX, kurz für Deutscher Aktienindex, bildet die Entwicklung der 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands ab. Grundlage für die Aufnahme sind Marktkapitalisierung und Börsenumsatz. Zusammengestellt und regelmäßig überprüft wird der Index von der Deutschen Börse in Frankfurt. Seit der Erweiterung von 30 auf 40 Unternehmen im Jahr 2021 ist er breiter aufgestellt und umfasst mehr Branchen – darunter Industrie, Automobil, Chemie, Technologie, Energie und Gesundheit.

Ein verbreitetes Missverständnis ist, den DAX mit der deutschen Wirtschaft insgesamt gleichzusetzen. Er bildet jedoch ausschließlich eine Gruppe börsennotierter Großkonzerne ab. Mittelständische Unternehmen, Handwerksbetriebe oder regionale Dienstleister – die eigentlichen Pfeiler weiter Teile der deutschen Wirtschaft – tauchen darin nicht auf. Der DAX zeigt, wie es international aufgestellten Großunternehmen geht, nicht wie es der deutschen Wirtschaft als Ganzes geht.

Die Unternehmen im DAX

Der DAX umfasst aktuell 40 Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Die Zusammensetzung wird von der Deutschen Börse regelmäßig überprüft. Unternehmen, die die festgelegten Kriterien nicht mehr erfüllen, können durch aufstrebende Konzerne ersetzt werden. Die aktuelle Zusammensetzung zeigt die Bandbreite des Index: Von der Automobilindustrie über Chemie und Gesundheit bis hin zu Technologie und Finanzdienstleistungen sind viele Wirtschaftsbereiche vertreten – wenngleich nicht alle gleichgewichtig.

  • Adidas
  • Airbus
  • Allianz
  • BASF
  • Bayer
  • Beiersdorf
  • BMW
  • Brenntag
  • Continental
  • Covestro
  • Daimler Truck
  • Deutsche Bank
  • Deutsche Börse
  • Deutsche Post
  • Deutsche Telekom
  • E.ON
  • Fresenius
  • Fresenius Medical Care
  • Hannover Rück
  • Heidelberg Materials
  • Henkel
  • Infineon
  • Mercedes-Benz Group
  • Merck
  • MTU Aero Engines
  • Münchener Rück
  • Porsche AG
  • Porsche Automobil Holding
  • Qiagen
  • Rheinmetall
  • RWE
  • SAP
  • Sartorius
  • Siemens
  • Siemens Energy
  • Siemens Healthineers
  • Symrise
  • Volkswagen
  • Vonovia
  • Zalando

Was die Deutschen über den DAX wissen – und was nicht

Der DAX genießt in Deutschland eine außergewöhnlich hohe Bekanntheit. Laut der repräsentativen Studie „DAX-Geburtstag 2018“, für die im Auftrag der „Aktion pro Aktie“ rund 1.000 Deutsche befragt wurden, kannten zum damaligen Zeitpunkt mehr als 90 Prozent der Bevölkerung den Index und konnten die Abkürzung korrekt zuordnen. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubte sogar, der DAX existiere bereits seit mindestens 50 Jahren – tatsächlich wurde er erst 1988 eingeführt.

Das Image des Index hat sich über die Jahre gewandelt. Während kurz nach der Finanzkrise Skepsis und Risikowahrnehmung dominierten, verbanden zum Zeitpunkt der Befragung 31 Prozent der Deutschen den DAX vorrangig mit einer guten Anlagemöglichkeit – gegenüber 22 Prozent, die ihn mit hohen Risiken assoziierten.

Auffällig bleibt jedoch die Lücke zwischen Bekanntheit und tatsächlichem Wissen. Obwohl zwei Drittel der Befragten davon ausgingen, dass der Index in den vorangegangenen fünf Jahren gestiegen sei, schätzte die Mehrheit den Zuwachs auf lediglich zehn bis zwanzig Prozent. Die tatsächliche Wertsteigerung von über 50 Prozent kannte nur jeder Achte. Das zeigt: Der DAX ist präsent – sein volles Potenzial als Anlageinstrument aber wird von vielen noch unterschätzt.

Ein Rechenmodell mit Besonderheit

Der DAX ist ein sogenannter Performanceindex. Das bedeutet: Dividenden, die die enthaltenen Unternehmen ausschütten, werden rechnerisch sofort wieder in den Index reinvestiert. Langfristig summiert sich dieser Effekt zu einem erheblichen Teil der Gesamtrendite – was den DAX im internationalen Vergleich oft besser aussehen lässt, als ein fairer Vergleich mit reinen Kursindizes wie dem Dow Jones oder dem britischen FTSE 100 zeigen würde.

Innerhalb des Index werden Unternehmen nach ihrer Größe gewichtet. Konzerne mit hoher Marktkapitalisierung wie SAP oder Siemens beeinflussen die Indexentwicklung stärker als kleinere Mitglieder. Ein einzelner schlechter Quartalsbericht eines Schwergewichts kann den Gesamtindex spürbar bewegen, auch wenn die übrigen Unternehmen stabile Zahlen liefern.

Warum der DAX täglich schwankt

Die Kursbewegungen im DAX haben verschiedene Ursachen. Unternehmensnachrichten wie Quartalszahlen, Gewinnwarnungen oder Managementwechsel wirken sich direkt auf einzelne Aktien und damit auf den Gesamtindex aus. Hinzu kommen gesamtwirtschaftliche Daten wie Konjunkturberichte, Inflationszahlen oder Arbeitsmarktdaten.

Besonders stark wirkt die Geldpolitik. Entscheidungen der Europäischen Zentralbank über Zinssätze verändern die relative Attraktivität von Aktien gegenüber anderen Anlageformen. Steigende Zinsen machen festverzinsliche Anlagen interessanter – was Druck auf Aktienkurse ausüben kann. Niedrige Zinsen wirken umgekehrt. Da viele DAX-Konzerne stark vom Export abhängen, reagiert der Index außerdem empfindlich auf internationale Entwicklungen: Handelskonflikte, Rohstoffpreise oder politische Unsicherheiten in wichtigen Absatzmärkten können den Index ebenso bewegen wie inländische Nachrichten.

Wie man in den DAX investieren kann

Den DAX direkt kaufen ist nicht möglich. Wer an seiner Entwicklung teilhaben möchte, nutzt sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds) – börsengehandelte Fonds, die den Index möglichst exakt nachbilden, indem sie Anteile aller enthaltenen Unternehmen kaufen. Bekannte Anbieter sind iShares, Xtrackers, Deka und Amundi. Die jährlichen Kosten, ausgedrückt als Gesamtkostenquote (TER), liegen typischerweise zwischen 0,08 und 0,16 Prozent – deutlich niedriger als bei aktiv verwalteten Fonds.

Viele Banken und Online-Broker ermöglichen es, bereits ab kleinen monatlichen Beträgen per Sparplan in DAX-ETFs zu investieren. Das macht diese Form der Geldanlage auch für Einsteiger zugänglich. Wer bei der Auswahl zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs unterscheiden möchte: Thesaurierende Varianten legen Dividenden automatisch wieder an, ausschüttende zahlen sie regelmäßig auf das Konto aus. Welche Variante besser passt, hängt von der persönlichen Steuersituation und den eigenen Anlagezielen ab.

In DAX-ETFs investieren: Chancen und Risiken

Über lange Zeiträume hat der DAX positive Renditen geliefert. Die einberechneten Dividenden haben dabei einen stabilisierenden Beitrag geleistet. Viele der enthaltenen Unternehmen sind international aufgestellt und erzielen einen großen Teil ihrer Umsätze im Ausland – sie profitieren daher oft stärker vom globalen Wirtschaftswachstum als von der Entwicklung der deutschen Binnenwirtschaft.

Gleichzeitig ist der DAX vergleichsweise konzentriert: 40 Unternehmen, ein Land, eine Währung. Auch wenn sich der Index zuletzt robust zeigt, steht insbesondere die exportorientierte Industrie strukturell unter Druck – was sich grundsätzlich auf die Entwicklung auswirken kann. Zudem haben einzelne Schwergewichte einen überproportionalen Einfluss auf den Index. Finanzexperten empfehlen daher, DAX-ETFs eher als Ergänzung zu einem breiter gestreuten Portfolio zu nutzen – nicht als alleinige Anlage.

Der DAX im internationalen Vergleich

Gemessen an globalen Indizes ist der DAX vergleichsweise eng gefasst. Der MSCI World umfasst rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern, während der S&P 500 die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA bündelt. Der DAX hingegen konzentriert sich auf 40 Konzerne aus einem einzigen Land.

Diese Fokussierung sorgt für Übersichtlichkeit und Transparenz, bringt jedoch auch eine stärkere Abhängigkeit von einzelnen Branchen und der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes mit sich. Im Vergleich zu breit gestreuten internationalen Indizes werden dadurch weniger Regionen und Wirtschaftsbereiche abgedeckt. Wer ausschließlich auf den DAX setzt, lässt weite Teile der Weltwirtschaft unberücksichtigt.

Fazit

Der DAX ist ein klar definiertes Instrument: Er misst die Entwicklung von 40 deutschen Großkonzernen und eignet sich als verständlicher Einstieg in die Welt der Börse. Über ETFs ist er unkompliziert und kostengünstig zugänglich.

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte jedoch seine Grenzen kennen. Ein breit gestreutes, international ausgerichtetes Portfolio bietet in der Regel mehr Stabilität als ein reines Engagement in einem einzigen nationalen Index. Der DAX kann darin einen sinnvollen Platz einnehmen – als einer von mehreren Bausteinen, nicht als alleinige Grundlage.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungen unterliegen hohen Kursschwankungen. Bitte konsultieren Sie bei konkreten Anlageentscheidungen einen unabhängigen Finanzberater.

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