Die Grunderwerbsteuer ist für die Bundesländer eine wichtige Einnahmequelle, 2023 lag ihr Aufkommen bei 25,2 Milliarden Euro, teilt das IW in Köln mit. Zwar wäre eine Senkung des Steuersatzes um 50 Prozent mit einer zusätzlichen Bautätigkeit verbunden, würde über alle Bundesländer hinweg aber zu Einnahmereduzierungen von drei Milliarden Euro führen. Auf der anderen Seite: Müsste der Staat die dringend benötigten Wohnungen bauen, würde ihn das zehn Milliarden Euro kosten.
Wohnungsbau liegt am Boden – Bauwirtschaft nennt Wege aus der Krise
Um den Wohnungsbau aus seiner Krise zu holen, hat die Bauwirtschaft eine Reihe von Maßnahmen skizziert. Noch sei der Trend umkehrbar. Aber zwei Punkte müssten sich dringend ändern.
Der Wohnungsbau liegt am Boden. Und der zunehmende Mangel an Wohnraum droht immer mehr zum sozialen Sprengstoff zu werden. Vor diesem Hintergrund schlägt die Baubranche, die das Thema im aktuellen Wahlkampf vermisst, Alarm. „Die Bauwirtschaft ist das Fundament unserer Gesellschaft – und sie gerät ins Wanken“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der drei führenden Bauverbände im Südwesten.
Wohnungsbau als sozialer Sprengstoff – Bauwirtschaft in Baden-Württemberg auf Lösungssuche
Zusammen vertreten die Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz sowie der Arbeitgeberverband der Bauwirtschaft des Saarlandes 3700 Unternehmen aus Bauindustrie und Baugewerbe. Sie machen deutlich: Der stagnierende Wohnungsbau, die verkommende Infrastruktur und die ausbleibenden Investitionen gefährden nicht nur die Baubranche. „Sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Regierung von Olaf Scholz verfehlt ihr Ziel beim Wohnungsbau: Langfristige Schäden drohen
400.000 neue Wohnungen jährlich hatte die Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz als Ziel ausgegeben - ihre Ziele aber jedes Jahr deutlich verfehlt. 2024, so das Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen, dürften es kaum mehr als 250.000 neu gebaute Wohnungen gewesen sein.
„Die Genehmigungszahlen sinken dramatisch, während die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum unvermindert steigt“, sagt Thomas Möller. Der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg ist Initiator des gemeinsamen Schreibens der Südwest-Verbände.
Vereinfachung von Standards und gezielte Förderung für Wohnungsbau gefordert
Für 2025 sind dem Frühjahrsgutachten nach nur 210.000 neu gebaute Wohnungen prognostiziert, 2027 lediglich 165.000. „Diesen Trend kann man noch brechen“, sagt Möller auf Nachfrage der Heilbronner Stimme. Aber ohne entschlossenes politisches Handeln drohten langfristige Schäden für Unternehmen, Regionen, gesellschaftliche Strukturen und Lebensqualität.
Die Bauwirtschaft selber sei bereit, ihren Beitrag zu leisten, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zugleich nachhaltige Baukonzepte voranzutreiben, sagt Thomas Möller. „Es geht uns auch nicht um Schuldzuweisung. Wir wollen wachrütteln und Wege aufzeigen.“ Dafür zeigen die Initiatoren der gemeinsamen Erklärung eine Reihe von Maßnahmen auf, „um schnell wieder ins Bauen“ zu kommen.
„Wir wollen wachrütteln und Wege aufzeigen.“
Thomas Möller
Wohnungsbau muss günstiger werden – Bauverbände in Baden-Württemberg üben Kritik
Zwei Punkte seien dabei essenziell: die Vereinfachung von Baustandards und eine intelligente Förderung. „Wenn ein Bauherr in Deutschland ein Haus bestellt, muss der Bauträger die Mercedes S-Klasse liefern“, kritisiert Thomas Möller die hohen Vorgaben. Dabei sei das längst nicht immer notwendig, es reiche oft ein einfacheres Modell mit abgespeckter Ausstattung.
Der Gebäudetyp E, mit dem die scheidende Ampel-Regierung die Standards senken will, sei zwar nicht ausgefeilt, um der Baubranche ein gutes Werkzeug an die Hand zu geben. „Aber es läuft in die richtige Richtung“, findet der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Bauen müsse insgesamt günstiger werden.
Förderung für Effizienzhaus-Standard 40 läuft ins Leere
Dazu gehöre auch eine praxisnahe Förderpolitik. Zuletzt wurde nur noch der Effizienzhaus-Standard 40 gefördert. Also Bauten, die im Vergleich zu ungedämmten Gebäuden nur noch 40 Prozent Energie verbrauchen. Zuvor galt die Förderung auch für den Standard 55, zudem es neben einem günstigen Darlehen auch noch einen Zuschuss gegeben hätte.
Das Problem: Die Kosten für den höheren Standard seien so hoch, dass die Förderung völlig ins Leere gelaufen sei. „Wir brauchen Energie-Standards, die umsetzbar und bezahlbar sind“, sagt Möller. Wichtiger, als auf „Teufel komme raus“ zu dämmen und viel Material zu verbauen, sei in diesen Bereichen die Art der Energie an sich. „Die Reise geht doch dahin, Energie erneuerbar zu erzeugen.“ Also: Dämmung ein Stück runter und mit regenerativer Energie kompensieren.
Absenkung der Gewerbesteuer: Eine Option für Wiederanlauf des Wohnungsbaus
Eine zusätzliche Möglichkeit, das Bauen wieder ins Rollen zu bringen, sieht die Bauwirtschaft in der Absenkung der Gewerbesteuer. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zeigt, dass ein niedrigerer Satz die Zahl der Baugenehmigungen deutlich erhöht. „Eine Reduzierung der Grunderwerbsteuersätze um 50 Prozent würde die Zahl der Baugenehmigungen um neun Prozent steigern“, teilt das IW mit.

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