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Schöntal

Zürn macht die Landwirtschaft digitaler

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Der Landtechnik-Spezialist Zürn aus Schöntal-Westernhausen registriert nach einem Umsatzrekord zurückgehende Nachfrage der Landwirte. Dabei ist die Technik auf dem Acker manchmal schon weiter als auf der Straße.

Rolf Zürn (Dritter von rechts) mit seinem Führungsteam vor der Firmenzentrale in Schöntal-Westernhausen.
Foto: Heiko Fritze
Rolf Zürn (Dritter von rechts) mit seinem Führungsteam vor der Firmenzentrale in Schöntal-Westernhausen. Foto: Heiko Fritze  Foto: Fritze, Heiko

Beim Landtechnik-Unternehmen Zürn zeichnet sich nach einem Rekordjahr ein leichter Rückgang ab. Nach einem Umsatz von 170 Millionen Euro in der gesamten Gruppe werden dieses Jahr etwas mehr als 160 Millionen Euro erreicht, berichtete Geschäftsführer Rolf Zürn am Montag.

Im vergangenen Jahr habe sich die Übernahme von Zürn-Heber-Kröll Landtechnik und der Landtechnik Vertrieb Windsbach in den beiden Vorjahren erstmals voll ausgewirkt, erläuterte er. "Da war aber auch unglaublich viel Rückenwind im Markt. Im Moment ist es ein bisschen ruhiger." Das bereite jedoch keine Sorgen, obwohl für das kommende Jahr ein weiterer Umsatzrückgang auf nur noch etwa 150 Millionen Euro erwartet werde. "Das sind wir gewohnt. Wir haben schon immer ein zyklisches Geschäft in der Landwirtschaft", sagte der Geschäftsführer. Das Unternehmen ist seit 1963 Vertriebspartner des US-Konzerns John Deere, dem größten Landmaschinenhersteller der Welt.

Zwei eigene Zürn-Werke

Die Gruppe hat ihren Sitz in Schöntal-Westernhausen und ist zum einen im Landtechnik-Handel mit inzwischen 16 eigenen Niederlassungen von Unterfranken bis ins Allgäu sowie mit zwölf Partnerbetrieben aktiv. Zum anderen produziert sie in Waldenburg-Hohebuch und in Ravenstein-Merchingen Schneidwerke sowie Maschinen für Feldversuche. In England hat sie zudem 2019 die Firma Garford, einen Hersteller von Geräten für mechanische Unkrautbekämpfung, übernommen.

Entsprechend ist das Unternehmen mit seinen eigenen Produkten weltweit aktiv: Vermarktet werden die Geräte, darunter spezielle Schneidwerke für Mais oder Raps ebenso wie kleine Mähdrescher für Versuchsfelder, von Australien über Japan und Kanada bis Südafrika und Chile. In den USA besteht sogar eine eigene Vertriebs- und Serviceniederlassung. Kunden sind Landwirte mit Spezialkulturen, Hochschulen und Saatzuchtunternehmen. Die Technik werde dabei immer anspruchsvoller: Mittlerweile arbeiteten etwa die Unkrautbekämpfungs-Geräte mit Kameras und Software und werde Pflanzenschutzmittel punktgenau gespritzt, erklärte Bernd Ruttmann, Geschäftsführer der Sparte Landtechnik. Entsprechend müssten die Kunden stetig geschult werden. Dazu wurde eine eigene Zürn-Akademie ins Leben gerufen. Die Bedürfnisse eines Großbetriebs oder Maschinenrings unterschieden sich auch immer mehr von Klein- oder Nebenerwerbsbetrieben.

Fahrerlose Traktoren gibt es schon

Ein Trend sei aber überall zu beobachten: Allgemein halte die Automatisierung immer mehr Einzug in der Feldbewirtschaftung, berichtete Christian Hoffmann. Der eigene Parzellenmähdrescher von Zürn sein inzwischen ein "rollendes Labor", während in den USA bereits erste fahrerlose Traktoren auf den Feldern unterwegs seien. "Das werden wir auch bald bei uns sehen können", sind die Verantwortlichen bei Zürn überzeugt - es werde jedenfalls nicht mehr bis 2030 dauern. Landmaschinen könnten jetzt schon quasi mehr als Automobile.

Ein Beispiel sei die immer bessere Kamera- und Analysetechnik bei der Unkrautbekämpfung. "Wer die Kulturpflanze unterscheiden kann, wird Erfolg am Markt haben", sagte Hoffmann. Diese Technologie sei im Augenblick das zentrale Innovationsfeld in der Landtechnik. "Was sich dort durchsetzen wird, ist aber im Moment noch offen."

67 Auszubildende

Das Familienunternehmen setzt jedenfalls voll auf die Region. Nach wie vor gelinge es, alle Ausbildungsplätze zu besetzen, berichtete Rolf Zürn. "Viele unserer jungen Leute kommen aus der Landwirtschaft." 67 Plätze seien momentan besetzt bei insgesamt 450 Mitarbeitern - und fast allen Nachwuchskräften werde nach bestandener Prüfung auch ein Übernahmeangebot gemacht.

Lange Firmengeschichte

1885 gründete Johann Zürn senior eine Schmiede in Westernhausen. Sein Sohn Johann Zürn begann 1920 mit der Herstellung von Eggen, Ackerwagen und weiteren landwirtschaftlichen Geräten. 1950 stieg das Unternehmen in den Landhandel ein und wurde Vertragshändler des Traktorenherstellers Eicher, 1963 folgte der Wechsel zu John Deere. Das heutige Firmengelände wurde 1965 bezogen. Rolf Zürn ist seit 1994 Geschäftsführer. Unter seiner Führung wurde die Produktion von eigenen Geräten deutlich erweitert - 2007 mit dem Werk Merchingen, 2009 mit Hohebuch.

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