Wie regionale Autohändler die Unsicherheit beim Diesel erleben

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Die Autohändler aus der Region müssen nach dem Diesel-Skandal mit großen Unsicherheiten leben. Hohe Erwartungen haben sie an die neue Umtauschprämien.

Von Jürgen Paul und Manfred Stockburger
Nicht nur wie hier in Bremerhaven stehen unzählige Neuwagen von Mercedes-Benz und BMW auf Parkplätzen. Die gesamte Autobranche hat derzeit große Probleme beim Verkauf von Neuwagen und Gebrauchten.
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Nicht nur wie hier in Bremerhaven stehen unzählige Neuwagen von Mercedes-Benz und BMW auf Parkplätzen. Die gesamte Autobranche hat derzeit große Probleme beim Verkauf von Neuwagen und Gebrauchten. Foto: dpa  Foto: Ingo Wagner

Die Verunsicherung ist greifbar − spätestens seit Fahrverbote für Diesel-Autos beschlossene Sache sind. Der neue Messzyklus WLTP, der seit September gilt, hat den Automarkt zusätzlich durcheinandergewirbelt. Nicht nur für die Hersteller ist das eine Achterbahnfahrt, sondern auch für den Autohandel.

Stromer brauchen kein Motoröl, doch diese Flüssigkeit ist es, mit der viele Autohäuser auch dann Geld verdienen können, wenn Rabattschlachten die Rendite fressen. Dass zuletzt in der Region eine ganze Reihe mittlerer Autohäuser unter das Dach großer Ketten geschlüpft ist, ist kein Zufall. Der Druck auf die Branche ist hoch.

Verzögerungen, keine Ausfälle

Zu den Gewinnern der Entwicklung zählt die Schwäbisch Haller Auto-Koch-Gruppe, die unter anderem den Öhringer VW-Händler Ochs übernommen hat. Dennoch sind die Zeiten auch dort alles andere als normal. "Im September haben wir praktisch keine Neuwagen ausgeliefert", sagt Geschäftsführer Lutz Härterich. Unter normalen Umständen wäre das eine Katastrophe. Härterich ist dennoch gelassen. "Die Autos stehen ja sicher verwahrt beim Hersteller", sagt er. "Jetzt bekommen wir jede Nacht lastwagenweise Autos geliefert."

Insofern habe es nur Verzögerungen gegeben, keine Ausfälle. "Es ist ja nicht so, dass die Autos nicht umweltfreundlich sind. Ihnen fehlt nur das Zertifikat."

Umweltprämie dürfte nach Händlermeinung ankommen

Zufrieden ist er auch mit der Umweltprämie, auch wenn es dadurch noch einmal zu Verzögerungen kommt. "Wir haben Autos konfiguriert, aber keine Verträge gemacht, weil klar war, dass da etwas kommt." Die jüngste Umweltprämie von VW ist aus seiner Sicht gut gestrickt. "Je nach Modell werden die Fahrzeuge vergoldet. Da muss man sich schon fast aus wirtschaftlichen Gründen ein Auto holen."

Auch in schwierigen Fällen sei VW kulant − etwa wenn es darum geht, lange Lieferzeiten mit Leihwagen oder mit verlängerten Leasing-Verträgen zu überbrücken. Auch Zusagen wie Kundendienstpakete bezahle der Hersteller. Wichtig ist dem Haller VW-Händler, dass die Kosten nicht bei ihm hängenbleiben. Selbst für Leasing-Rückläufer, die auf seinem Hof stehen, gälten diese Konditionen. Im ländlichen Bereich seien Euro-5-Fahrzeuge mit entsprechenden Anreizen gut verkäuflich. VW müsse auch in der eigenen Organisation Vertrauen zurückgewinnen.

Beim Heilbronner Volkswagen-Händler Hagelauer wollte man sich zu diesem Thema nicht äußern. Auch bei ASW, der vor allem Audi und VW-Modelle verkauft, übt man sich in Zurückhaltung. "Ich bin erst seit einigen Tagen im Unternehmen, da wäre es unseriös, etwas zu sagen" , bittet Geschäftsführer Delf Schmidt um Verständnis.

Kunden interessieren sich vermehrt für Benziner

Beim Heilbronner Mercedes-Händler Assenheimer-Mulfinger spürt man "eine höhere Wechselbereitschaft", so Geschäftsführer Marcel Stadtmüller. "Vorwiegend private Nutzer interessieren sich verstärkt für Fahrzeuge mit Benzinmotoren." Gemeinsam mit Daimler wolle man darauf mit attraktiven Angeboten reagieren. Zudem soll die Umtauschprämie die Nachfrage nach Neuwagen "weiter forcieren".

Mercedes-Kunden würden direkt von Daimler darüber informiert, ob und wann ihr Fahrzeug ein Update erhält, berichtet Stadtmüller. "Aktuell sind bei uns einige hundert Kunden informiert und werden nach und nach bearbeitet."

Einen Einbruch bei den Diesel-Verkäufen habe es nicht gegeben. "Die Nachfrage nach gebrauchten Diesel-Pkw ist nach wie vor gut", sagt Stadtmüller. Vor allem Kunden aus ländlichen Gebieten seien daran interessiert. Auch bei neuen Fahrzeugen könne man die Nachfrage innerhalb der üblichen Lieferzeiten bedienen − egal, ob Diesel-Euro-6d-Temp, Benzin- oder Hybridantrieb.

Von Betrugsvorwürfen ist BMW weitgehend verschont geblieben − die Händler müssen sich weniger mit Abgasthemen herumärgern. "Eine gewisse Verunsicherung der Kunden spüren wir natürlich", sagt Gerd Ruff, Geschäftsführer beim größten regionalen BMW-Händler Heermann-Rhein. Man versuche, die Kunden über die komplexe Situation aufzuklären. So verfügten die neuen BMW-Diesel-Modelle über Motoren der Schadstoffklassen 6 oder 6d-Temp. Zumindest letzteren wird von Experten attestiert, auch im Echtbetrieb auf der Straße sauber zu sein.

Ob die von BMW gebotenen Rabatte beim Kauf eines Neuwagens oder jungen Gebrauchten in Höhe von bis zu 6000 Euro von den Kunden angenommen werden, kann Ruff noch nicht beurteilen. "Die Nachfrage läuft jetzt erst an, aber das grundsätzliche Interesse der Kunden ist da", sagt er.

Software-Updates scheinen dagegen kaum ein Thema zu sein. "Wir haben ein bis zwei Kunden am Tag für ein Software-Update da", sagt der Geschäftsführer, der dieses Verfahren eher skeptisch sieht. Ruff: "Es bleibt ja auch nach dem Update ein Euro-5-Diesel."

Umstellung der Flotte auf Euro-6-Norm

Insgesamt scheint Heermann--Rhein weniger unter der Dieselkrise zu leiden als andere Wettbewerber. "Die gewerblichen Kunden setzen nach wie vor auf Diesel-Fahrzeuge", sagt Ruff. Hier komme dem Händler zugute, dass BMW bereits Mitte 2015 begonnen habe, sein Angebot auf Modelle der Euro-6-Norm umzustellen und auch bei der Umstellung auf die WLTP-Norm viel schneller war als Audi. Nur bei Privatkunden sei im unteren Segment sei ein leichter Wandel in Richtung Benziner festzustellen, sagt Ruff.

Klar sei aber, dass Gebrauchtwagen der Schadstoffklasse 5 oder darunter preislich unter Druck geraten seien, was auf die Erlöse drückt. "Für uns ist das aber nicht so gravierend", betont Ruff. Wie seine Kollegen hofft er, dass sich die Kunden für einen Neuwagen oder einen jungen Gebrauchten entscheiden. "Wir sind gut aufgestellt und können alle Modelle und Motoren liefern."

Recht entspannt gibt man sich bei Opel-Neff in Heilbronn, obwohl auch Opel jüngst in den Dieselskandal gezogen wurde und 100.000 Diesel-Pkw zurückgerufen wurden. "Wir spüren davon noch gar nichts", sagt Geschäftsführer Volker Schimpf. Opel habe keine alten Diesel-Fahrzeuge im Angebot und auch keine große Firmenflotten mit Leasingrückläufern. Allerdings merke man schon, dass sich Privatkunden verstärkt nach Benzinern erkundigten, während die Nachfrage nach Diesel-Pkw sinke, sagt Schimpf.

 

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