Wenn Dietmar Hopp Anteile verschenkt
Kleine Ursache, juristische Folgen: Warum sich das Bundeskartellamt mit einer kleinen Übertragung innerhalb der Familie des SAP-Gründers befassen muss.

Es geht um vier Euro. So viel sind − nominell − die Anteile wert, deren schenkungsweise Übertragung allerlei juristische Formalitäten ausgelöst hat. Abseits von aller Prominenz und mutmaßlicher Vermögen ist es vor allem eines: ein Beispiel für die juristischen Fallstricke, die es unter Unternehmenseignern bei Anteilsverschiebungen zu beachten gilt.
Der Schenker ist Dietmar Hopp, SAP-Mitbegründer, Sportmäzen, Milliardär und Biotech-Investor. Die Empfänger gehören seiner Familie an: sein Sohn Daniel, dessen Söhne David und Jonas sowie die Daniel Hopp Familienstiftung.
An jeden geht genau ein Anteil an der Firma Hopp LT Vermögensverwaltungs GmbH. Und dies hat das Bundeskartellamt seit dem 26. Oktober kritisch geprüft − und erst drei Wochen später, am 15. November, seine Freigabe erteilt. So nachzulesen auf der Homepage der Behörde unter dem Stichwort Fusionskontrolle in der Liste der laufenden Verfahren.
Formal hat er die Kontrolle über die Firma verloren
Dass diese Schenkung ein Fall für die Kartellwächter wurde, hat mit den Nachkommastellen zu tun: An besagter Firma Hopp LT hielt Dietmar Hopp bislang exakt 50,004 Prozent der 27.004 Anteile. Nach der Schenkung sind es nur noch 49,898 Prozent − und somit hat er die Kontrolle über die Firma, jedenfalls rein formal, verloren. Dies falle unter den "Tatbestand gemeinsame Kontrolle", erläutert Behördensprecher Kay Weidner, und sei daher anmeldepflichtig, zumal alle dahinterstehenden Verflechtungen, also auch Hopps Anteile am Softwaregiganten SAP, berücksichtigt werden müssen.
Theoretisch könnte sein Sohn, zumal er auch als Vertreter der Stiftung und seiner minderjährigen Jungs fungiert, seinen Vater künftig überstimmen. In der Praxis schließt das der aktuelle Gesellschaftsvertrag, der unserer Zeitung vorliegt, allerdings aus: Demnach bedürfen alle Beschlüsse der Zustimmung von Dietmar Hopp, so lange er Gesellschafter ist.
Hochprofitabler Konzern
Womit aber beschäftigt sich diese Firma? Auskünfte sind von den Beteiligten hierzu nicht erhältlich, Indizien liefert nur die Anmeldung beim Kartellamt. Gegenstand der Firma − oder wohl eher jener Firma, die sie kontrolliert − sind demnach orale Wirkstoff-Filme und therapeutische Wirkstoffpflaster. Und da findet sich tatsächlich in Hopps Biotech-Unternehmenssammlung eine entsprechende Beteiligung: Seit 2013 hält er über Investmentgesellschaften alle Anteile an LTS Lohmann, dem Weltmarktführer für Nikotin- und Schmerzpflaster aus Andernach am Rhein.
Das Unternehmen kam 2016 nach eigenen Angaben auf 330 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt mehr als 1200 Mitarbeiter. Im Gegensatz zu manch anderen Biotech-Investment Hopps ist der Konzern hochprofitabel, so dass − zuletzt im Frühjahr − Gerüchte die Runde machten, er wolle die Anteile gewinnbringend verkaufen. Sollte Hopp LT tatsächlich über LTS Lohmann herrschen, ist nach der jüngsten Schenkung davon aber offenbar keine Rede mehr − es bleibt eher in der Familie.
Übertragungen wie in diesem Fall bei Hopp LT haben im zu Ende gehenden Jahr für mehr Arbeit beim Bundeskartellamt gesorgt. Wie Behördensprecher Kay Weidner gegenüber unserer Zeitung berichtete, seien bis Jahresende etwa 1300 bis 1400 Kontrollverfahren zu erwarten. Vergangenes Jahr waren es 1229 Fälle, im Vorjahr 1211. "Viele Vorgänge werden aber von den Beteiligten auch vorsorglich angemeldet, obwohl gar keine Notwendigkeit bestünde", erklärt er. frz
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare