Vishay investiert in neue Chipfabrik im Telefunkenpark
Der Halbleiter-Hersteller aus den USA baut im Heilbronner Telefunkenpark eine neue Fertigung für LED-Komponenten. Dafür muss auf dem Industriegelände sogar die Kantine weichen.

Sogar die Kantine muss weichen, sobald im nächsten Jahr die Bauarbeiten beginnen. Exakt an der Stelle, an der momentan noch die Beschäftigten des Telefunkenparks mittags essen, soll von nächstem Jahr an eine neue Wafer-Fertigung des Elektronikteile-Herstellers Vishay errichtet werden.
Das kündigt Klaus Nadarzinski, Geschäftsführer der Sparte Optoelektronik der Vishay Semiconductor GmbH, im Gespräch mit unserer Zeitung an. Die Investitionssumme betrage etwa 20 Millionen Dollar - Vishay ist ein US-Konzern.
In Heilbronn ist das Unternehmen seit 1997 vertreten, als es die Halbleiter-Fabrik der Daimler-Tochter Temic übernahm. Die Produktion von Speicher-Bauelementen wurde an den US-Konzern Atmel weitergereicht, bei Vishay verblieb die Herstellung von sogenannten passiven Bauelementen - Dioden, Sensoren, LEDs und deren Komponenten.
Belegschaft nach der Krise aufgestockt
Heute arbeiten etwa 400 Vishay-Beschäftigte am Standort - nach der Krise 2009 ist die Belegschaft damit wieder um etwa 50 Mitarbeiter aufgestockt worden, berichtet Nadarzinski. Sie sind zum einen in Bereichen beschäftigt, die für den Gesamtkonzern mit seinen 22.000 Mitarbeitern zuständig sind, aber vor allem in den Produktionsabteilungen, die sich in zwei zentralen Flügeln des Gebäudekomplexes an der Theresienstraße befinden: Sie befassen sich mit der Herstellung von Silizium-Wafern sowie der Herstellung von Gallium-Arsenid-Wafern.
Als Wafer werden die hauchdünnen Scheiben bezeichnet, aus denen in weiteren Arbeitsschritten die Chips gesägt werden, um sie dann in Dioden, Schaltungen, Sensoren und andere elektronische Bauteile einzubauen. In Heilbronn steht dabei Optoelektronik im Mittelpunkt, bei der also im fertigen Produkt Licht oder Infrarotstrahlung zum Einsatz kommt.
Produktion benötigt mehr Platz

"Unsere Produktion platzt aus allen Nähten", begründet Nadarzinski die Investition. Vor allem die Gallium-Arsenid-Fabrik, deren Produkte Grundlage für LEDs sind, benötige mehr Platz. Außerdem erstrecke sich die Fertigung derzeit über mehrere Stockwerke im Gebäude, was nicht mehr zeitgemäß sei, erst recht, weil dabei unter Reinraumbedingungen gearbeitet werden muss.
Der Neubau, der vom Grundstückseigner, der Businesspark Heilbronn GmbH, anstelle der Kantine errichtet wird, wird auf einer einzigen Etage eine etwa 1500 Quadratmeter große Fertigung ermöglichen. Vishay investiere dabei auch in neue Fertigungstechnologie und werde dadurch die Kapazität verdoppeln, kündigt der Geschäftsführer an. "Dann kann man auch an einem Standort wie Heilbronn wettbewerbsfähig sein." Derzeit liefen teilweise noch Maschinen, die aus dem Jahr 1974 stammen. Neue Arbeitsplätze würden durch den Neubau allerdings nicht geschaffen, sagt er.
Zeitplan geht bis Ende 2021
Im November soll bereits der Rückbau der Kantine beginnen, erklärt Nadarzsinki. Baubeginn soll im nächsten Jahr sein. Der neue Reinraum und die Anlagen würden dann bis Ende 2020 installiert, damit die Produktion Ende 2021 anlaufen kann. Die bisherige Fertigung werde noch bis etwa 2022 weiterlaufen, erwartet der Geschäftsführer. Anschließend sollen die alten Vishay-Räume vom Unternehmen als Büros genutzt werden.
Die Opto Division, wie sie im Konzern heißt, trägt mit etwa 300 Millionen Dollar in diesem Jahr etwa zehn Prozent zum Konzernumsatz bei. Sie ist dabei das rentabelste der fünf Vishay-Produktsegmente. Neben der Zentrale in Heilbronn betreibt die Sparte Werke in China, Taiwan, Malaysia und auf den Philippinen mit zusammen mehr als 2000 Beschäftigten. Mit einem Marktanteil von neun Prozent zählt sie zu den drei größten Anbietern weltweit.
Der sogenannte Telefunkenpark geht auf das 1960 eingeweihte Halbleiterwerk der Firma Telefunken zurück. Der Gebäudekomplex hat eine wechselvolle Geschichte mit mehrfachen Aufspaltungen, Verkäufen und Insolvenzen hinter sich. Heute sind hier neben Vishay die Firmen AIM, Azur Space, Chassis Brakes, Microchip und TSH ansässig. Zudem hat sich die Handelskette Kaufland eingemietet. Der Komplex wird von der Businesspark Heilbronn GmbH betrieben, hinter der Privatinvestoren stehen. Sie investieren derzeit ebenfalls in den Standort − unter anderem in eine neue Kantine.
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