Startup kauft Maschinenfabrik

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Eigentlich sollte in wenigen Wochen Schluss sein im ehemaligen Hüller-Hille-Werk im Stadtteil Diedesheim. Nun geht es doch weiter beim traditionsreichen Maschinenbau-Standort, wenn auch unter gänzlich neuen Vorzeichen.

Von Heiko Fritze
Neuer Besitzer, neuer Name mit traditionsreichem Zusatz: Die Maschinenfabrik in Mosbach-Diedeshofen wird nun doch nicht geschlossen. Foto: privat
Neuer Besitzer, neuer Name mit traditionsreichem Zusatz: Die Maschinenfabrik in Mosbach-Diedeshofen wird nun doch nicht geschlossen. Foto: privat  Foto: Zuse Holding

Die taiwanesische Fair Friend Group, kurz FFG, hat den Standort an das Startup Zuse Holding verkauft. Sämtliche etwa 200 Beschäftigte, darunter 15 Auszubildende, sollen übernommen werden, teilte der neue Eigner gestern mit.

Obwohl der Name des Computer-Urvaters im Unternehmen steckt, handelt es sich bei Zuse um eine junge Gründung: Erst im Oktober wurde die Firma mit Sitz in Bad Tölz ins Handelsregister eingetragen und ging gleich mit 500?000 Euro Stammkapital an den Start. Geschäftsführer sind Ralph Christnacht, der als Gründer genannt wird, sowie Ng Geok Luan aus Singapur. Hinter dem Unternehmen sollen asiatische Geldgeber stehen, wird berichtet.

Kernidee von Zuse ist, Werkzeugmaschinen für das digitale Zeitalter zu entwickeln und zusammen mit Partnern zu fertigen. Eine erste Anlage wurde im April präsentiert. "Der langfristige Trend bewegt sich hin zu sehr hochwertigen Werkzeugmaschinen für industrielle Präzisionsarbeit", sagte Christnacht seinerzeit. Das Unternehmen wolle darauf reagieren − mit einer neuartigen Fertigung und mit Anwendungsberatung, die es dem Kunden ermögliche, seine Produkte effizient herzustellen. Hüller-Hille-Entwicklungen fügten sich dabei ideal in das Zuse-Portfolio und in die Reihe seiner Partner und Marken ein, die ebenfalls in Fernost ansässig sind, hieß es nun − unter anderen arbeitet Zuse mit Kiwa Japan und AIO Robotics zusammen.

Anlagen für viele Branchen

Als sich Christnacht am Montag der Belegschaft vorstellte, verdeutlichte er die Entwicklung unter anderem mit dem neuen Transporter, den die Deutsche Popst gerade auf den Markt bringt. "Lokal bauen, vor Ort einsetzen: Transportkosten, Steuern und Zoll werden zukünftig durch lokale Fertigung reduziert", hieß es da. "Das Produkt entscheidet. Maschinen müssen sich nach den hochspezialisierten Anforderungen richten."

Neben Maschinen für Autohersteller und deren Zulieferer sollen nun auch Anlagen für die Branchen Luft- und Raumfahrttechnik, Medizintechnik und Energieversorgung entwickelt werden, kündigte das Unternehmen an. "Die spezialisierten Mitarbeiter von Hüller Hille ermöglichen uns einen enormen Schub an Technologiekompetenz", sagte Christnacht. Zudem verlagert Zuse den Firmensitz von Bayern nach Mosbach und benennt sich um in Zuse Hüller Hille Werkzeugmaschinen GmbH.

Für den Standort geht damit eine 70-jährige Geschichte doch weiter: 1947 als Maschinenfabrik Diedesheim (MFD) gegründet, wurde sie 1983 von Thyssen übernommen und fusionierte 1994 mit Hüller Hille. 2005 verkaufte der Stahlkonzern die Maschinenbauer-Gruppe an Maxcor, der daraus fünf Jahre später die MAG IAS GmbH mit allen deutschen Standorten formte. Im Dezember 2013 verkaufte der US-Konzern dann die Sparte Industrial Equipment an FFG, um sich mehr auf die Automobilindustrie zu konzentrieren. Betroffen waren damals 600 Mitarbeiter, davon etwa 240 in Mosbach, die insgesamt 120 Millionen Euro Umsatz erzielten.

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