E-Mobilität in Deutschland – So ist die Lage bei Audi, BMW & Co. zum IAA-Start
Zum Start der Messe IAA gibt es bei BMW durchaus Zweifel am Verbrenner-Aus. Audi entwickelt ab 2026 keine Autos mehr mit Verbrennungsmotoren. Die deutschen Autobauer spüren den Druck der Konkurrenz aus China.

Der Passat gehört seit 50 Jahren unumstößlich zu Volkswagen. Aber die neue Generation, die Europas größter Autobauer in diesen Tagen bei der Messe IAA Mobility in München präsentiert, sticht vor allem deshalb aus der Masse, weil der Kombi eine der wenigen Neuheiten mit Verbrennungsmotor ist. Wer sich an den Ständen in der Innenstadt oder auf dem Messgelände am ehemaligen Flughafen Riem umschaut, der stellt fest, dass das Motto scheinbar „Hauptsache elektrisch“ lautet.
Höhere Reichweiten und schnelleres Laden
BMW macht da bei seinem Heimspiel in der Bayerischen Landeshauptstadt keine Ausnahme und hat seine „Neue Klasse“ vorgestellt – eine Studie, die zweigen soll, wie sich der Hersteller seine künftigen Elektroautos vorstellt. Nicht nur optisch bricht der Wagen mit allem, was bislang da war. Technisch verspricht BMW deutlich höhere Reichweiten und viel schnelleres Laden im vergleich zu heute. Die ersten Autos sollen 2025 auf die Straße rollen.
„Politische Vorgabe zum Verbrenner-Aus fahrlässig“
Doch kaum ist die Weltpremiere vorbei, übt ausgerechnet BMW-Chef Oliver Zipse scharfe Kritik an der deutschen Industriepolitik. „Ich halte die politische Vorgabe zum Verbrenner-Aus für fahrlässig“, sagte Zipse im Interview mit dem „Handelsblatt“. Der BMW-Chef fürchtet, dass es bis 2035 europaweit keine flächendeckende Infrastruktur für E-Autos geben werde. Zudem fehlten laut Zipse in Europa Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und seltene Erden für den massenhaften Bau von Stromautos. „Nach außen wird Europa politisch erpressbar, weil wir auf die Rohstofflieferungen angewiesen sind“, sagt er.

Zipse hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder betont, noch längere Zeit mehrgleisig fahren und auch deutlich länger neue Modelle mit Verbrennungsmotor auf den Markt bringen zu wollen. Auch das Thema Wasserstoff verfolgen die Bayern weiter. Das Ende des Verbrenners? Offen.
Audi mit klarem Plan für E-Autos
Ein konkretes Ausstiegsdatum hat hingegen Audi vor Augen: Die Marke mit den vier Ringen den will ab 2026 keine neuen Autos mit Verbrennungsmotoren mehr entwickeln. Ebenso beschlossen: das Aus für Hybridfahrzeuge. Alle Modelle mit Benzin- und Dieselmotoren, die bis einschließlich 2026 auf den Markt kommen, sollen dann noch bis 2033 laufen. Danach will Audi nur noch in China Verbrenner-Autos bauen. Mit Q6 E-Tron und A6 E-Tron bedient Audi im neuen Jahr vor allem die Oberklasse, aber auch kleinere elektrifizierte Modelle sollen folgen. Wohl ab 2026, spätestens 2027 startet der A4 E-Tron in der gehobenen Mittelklasse. „Mit einem Auto in Größe des heutigen A3 bringen wir in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts ein Einstiegsmodell in die vollelektrische Welt von Audi“, sagt Audis Technik-Vorstand Oliver Hoffmann im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.
BYD drängt nach Europa
In Europa, insbesondere in Deutschland, hat der Markt für E-Autos zuletzt geschwächelt, was vor allem an sinkenden staatlichen Förderungen liegt. Zudem fehlt es an bezahlbaren Stromern für die breite Masse. Wesentlich mehr Kopfschmerzen bereitet den deutschen Autobauern die Konkurrenz aus China. Immer mehr Hersteller aus dem Reich der Mitte bieten ihre Fahrzeuge in Europa an. An Kapital und Selbstbewusstsein mangelt es den meisten nicht. Allein BYD zeigt bei der IAA sechs neue E-Autos und kündigt im selben Atemzug an, sein Händlernetz auf dem europäischen Kontinent massiv ausbauen zu wollen.
VW-Konzern will in China an der Spitze bleiben
Aber auch der chinesische Markt an sich bereitet den Managern von Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen große Sorgen. Audi, lange Marktführer im Premiumsegment im Reich der Mitte, hatte 2022 und zu Beginn des laufenden Jahres mit Einbußen zu kämpfen. Seit März hat sich der Absatz wieder stabilisiert. Im ersten Halbjahr lief es für die Marke mit den vier Ringen unter dem Strich versöhnlich: Fast 330.000 Fahrzeuge in China sind ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Künftig wolle man weiterhin „der erfolgreichste internationale Autohersteller“ in China sein, gibt Oliver Blume die Richtung vor.
„Heute haben wir dort 15 Prozent Marktanteil, und dabei wollen wir bleiben“, sagt der Chef VW-Konzerns, der zugleich auch an der Spitze von Porsche steht. Zwischenzeitlich hatte BYD den deutschen Konkurrenten in China überholt. Um die Position wieder zu festigen, so Blume, werde man künftig noch stärker als zuvor Fahrzeuge in China entwickeln, die den Bedürfnissen der Kunden entsprechen. Audi zieht im chinesischen Changchun gerade das erste Werk hoch, in dem ausschließlich E-Autos gefertigt werden. Der Standort soll eine Kapazität von mindestens 150.000 Fahrzeugen jährlich haben, die ersten Modelle werden der Q6 E-Tron und der A6 E-Tron sein. Der Start der Fertigung soll Ende 2024, Anfang 2025 erfolgen.
Autobranche startet IAA auf dem Münchner Messegelände mit Pressetag
Vor der offiziellen Eröffnung der Internationalen Automesse IAA Mobility in München präsentieren die Autobauer und Zulieferer an diesem Montag ihre Neuheiten auf Dutzenden Premierenshows und Pressekonferenzen. Nach den deutschen Autokonzernen VW, BMW und Mercedes-Benz, die schon am Wochenende ihre ersten Auftritte hatten, könnten jetzt die chinesischen Autobauer stärker ins Rampenlicht rücken. Sie sind erstmals in größerer Zahl dabei und zeigen auch viele höherpreisige Modelle, mit denen sie den deutschen Premiumherstellern und Tesla Käufer abjagen wollen.
Für das breite Publikum öffnen sich die Tore der IAA erst am Dienstag. Vor allem die kostenlos zugänglichen Ausstellungsflächen in der Münchner Innenstadt, wo die Autobauer ihre Fahrzeuge zeigen und auch Testfahrten anbieten, dürften in den kommenden Tagen wieder Hunderttausende Besucher anziehen. dpa
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