Schwarz Digits: Fünfte Sparte der Schwarz-Gruppe deckt IT und Digitalisierung ab
Die digitalen Engagements des Handelsriesen aus Neckarsulm firmieren künftig unter dem Namen Schwarz Digits. Rund 7500 Mitarbeiter arbeiten dann unter einem Dach an den Geschäftsfeldern IT und Digitales.

Nach Lidl, Kaufland, Schwarz Produktion und Prezero gibt es künftig eine fünfte Sparte der Schwarz-Gruppe: Unter Schwarz Digits werden alle IT- und Digital-Aktivitäten des größten europäischen Handelsunternehmens zusammengefasst.
In der neuen Sparte werden rund 7500 Mitarbeiter beschäftigt, die bislang zentralen Unternehmen wie Schwarz IT oder Schwarz Digital angehörten, eigene Angebote wie die Cloud-Lösung Stackit und den IT-Sicherheitsdienstleister XM Cyber betrieben. Hinzu kommen die Onlinekanäle Kaufland E-Commerce und Lidl E-Commerce. Zur neuen Sparte gehören zudem der Retail-Media-Anbieter Schwarz Media, der Kampagnen auch für externe Kunden entwirft, und die Digitalagentur mmmake, früher Camao.
Eigene IT- und Digitalsparte bei der Schwarz-Gruppe: "Können uns optimal am Markt platzieren"
"Es gehört zur DNA der Unternehmen der Schwarz Gruppe, in Geschäftsfelder zu investieren, die unsere Gesellschaft und unser Leben auf lange Sicht beeinflussen", sagt Gerd Chrzanowski, Konzernlenker der Schwarz-Gruppe. "Wir investieren jährlich circa acht Milliarden Euro in strategische Projekte und zukunftsweisende Geschäftsfelder. Zu diesen zählen auch die Digitalisierung und IT. Durch die Ausgründung einer eigenen IT- und Digitalsparte können wir künftig noch schneller skalieren und uns optimal am Markt platzieren." Um möglichst unabhängig von außereuropäischen Anbietern zu sein, hätten die Unternehmen der Schwarz-Gruppe beschlossen, dieses Kernthema selbst zu entwickeln und voranzutreiben.
Schwarz Digits wird von der Doppelspitze Christian Müller und Rolf Schumann geleitet. Beide waren zuvor Vorstandsvorsitzende: Müller für den Bereich IT, Schumann für die Digitalisierung. Beide arbeiten seit jeher eng zusammen. "Mit der Stärke des größten Händlers Europas im Rücken bauen wir selbst souveräne IT-Lösungen und digitale Services", erklärt Müller. "Dabei sind wir selbst unser kritischster Kunde: Nur wenn IT-Lösungen für unsere eigene Infrastruktur stabil funktionieren und einen echten Mehrwert schaffen, bieten wir sie extern an."
Schwarz Digits: Ziel sind "souveräne europäische Produkte und Services"
Mit der Cloud-Lösung Stackit ist Schwarz seit April 2022 auf dem Markt und bietet sie als dem europäischen Datenschutz unterliegende Alternative zu Anbietern aus den USA und China wie Amazon, Google, Microsoft und Alibaba an. Begonnen hatte alles als gemeinsames Projekt von Schwarz, Würth und der EnBW. Die beiden Mitstreiter stiegen aber später wieder aus.
Das IT-Sicherheitsunternehmen XM Cyber hatte Schwarz vor zwei Jahren von seinen israelischen Gründern übernommen und zu einem Sicherheitsanalysten mit wichtigem Sitz auf dem Neckarsulmer Stiftsberg ausgebaut. Unter anderem hat sich XM Cyber auf die Simulation von Hacker-Angriffen spezialisiert. "Mit digitalen Angeboten und Services für den externen Markt haben wir vielversprechende Geschäftsmodelle entwickelt, die insbesondere innerhalb der letzten Jahre an Fahrt aufgenommen haben", sagt Schumann. Ziel ist, souveräne europäische Produkte und Services weltweit wettbewerbsfähig zu machen - vor allem in den Schlüsseltechnologien Cloud, Cyber Sicherheit und Künstliche Intelligenz.
Im März dieses Jahres fand in der Heilbronner Experimenta eine hochrangig besetzte Cyber-Sicherheitskonferenz statt. Die "Heilbronner Stimme" berichtete damals in einer mehrteiligen Serie über die von der Schwarz-Gruppe ausgerichtete Konferenz mit Schwerpunkt Cyberkriminalität und Cybersicherheit.
Umsatz der neuen Schwarz-Sparte ist noch nicht beziffert
Wie groß der Umsatz der neuen Sparte sein wird, wurde nicht mitgeteilt. Bekannt sind aber die Umsätze der Onlineshops von Lidl und Kaufland, die künftig auch zur Sparte gehören. Die Schwarz-Gruppe bezifferte sie in ihrem Bericht zum Geschäftsjahr 2022/23 auf 1,9 Milliarden Euro für alle Länder.
Nach den aktuellen Daten des Kölner EHI Retail Instituts kam lidl.de im Geschäftsjahr 2022, das Ende Februar endete, auf 966 Millionen Euro Umsatz und ist damit siebtgrößter Onlineshop in Deutschland. Kaufland.de landete mit 276,6 Millionen Euro auf Rang 46 und legte um zwölf Millionen Euro zu. Darin sind nicht Umsätze des Online-Marktplatzes enthalten, der 2020 mit real.de übernommen worden war. Für Schwarz IT wird für das Geschäftsjahr 2021 im Handelsregister ein Umsatz von 1,1 Milliarden Euro angegeben.
Zur Person: Christian Müller (45) war bislang Vorstandsvorsitzender der Schwarz IT. Er verantwortet seit 1. Januar 2018 - zunächst als Bereichsvorstand, dann als Vorstand und seit 1. Juli 2021 als Vorstandsvorsitzender - die Geschäfte der Schwarz IT KG. Rolf Schumann (48) war bislang Vorstandsvorsitzender der Schwarz Digital GmbH & Co. KG. Bis 2018 war er beim Walldorfer Softwareriesen SAP als General Manager weltweit für den Geschäftsbereich Plattform & Innovation zuständig. Nach seinem Studium war er neun Jahre für Siemens tätig, ehe er zu SAP wechselte. Er hat einige Bücher zur Digitalisierung verfasst.
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