Pursuits-Gründer hat mutig auf ein Anzuggeschäft gesetzt
Gunter Rosewich hat in elf Jahren aus der ersten Pursuits-Filiale in Heilbronn eine kleine Kette gemacht. Dabei hat es ein Herrenausstatter normalerweise nicht leicht. Aber der Firmengründer hat einige Erfolgsrezepte in petto.

Eigentlich möchte man Gunter Rosewich für verrückt erklären werden bei dem, was er vor elf Jahren gemacht hat: Damals hat er einen guten Job als Herrenmodenverkäufer aufgegeben, um ein eigenes Unternehmen zu gründen: Pursuits. Ein Anzuggeschäft. Als Stuttgarter in Heilbronn, wo kurz davor zwei Herrenausstatter aufgegeben hatten. In einer Lage, die damals nicht einfach war - noch war die benachbarte Hafenmarktpassage kein Geheimtipp für trendbewusste Kunden.
Aber Gunter Rosewich hat es mit seinem Geschäftspartner nicht nur geschafft, Business-Angel-Investoren für sich zu gewinnen, sondern auch Kunden - obwohl die der stationären Konkurrenz in Scharen davonlaufen.
Elf Jahre nach der Eröffnung des ersten Ladens in der Sülmerstraße gibt es mittlerweile vier weitere Filialen - in Stuttgart, Frankfurt, Freiburg und zuletzt Mannheim. "Wir wachsen kontinuierlich", sagt Rosewich, ohne genaue Zahlen zu nennen - obwohl ein Online-Shop erst nächstes Jahr ans Netz gehen soll. Momentan besteht das digitale Geschäft vor allem aus einem Newsletter, der an 13.000 Abonnenten geht. Auch auf Instagram gibt es modische Bilder.
Online-Kunden werden in die Filiale bestellt
Die letzte veröffentlichte Bilanz weist auf alle Fälle schwarze Zahlen aus. Wie das geht? Pursuits macht vieles anders. Das wird auch mit dem Online-Shop nicht anders sein. "Wenn da jemand einen Anzug in der Größe 24, 25, 26 und 27 bestellt, dann werden wir ihm sagen, dass er doch bitte in die Filiale kommen soll", sagt der Geschäftsführer. Warum?
Nicht nur, weil er daraus schließen kann, dass er drei der vier Teile wieder zurückbekommen wird, sondern auch, weil der Kunde damit nicht glücklich sein wird. Eine perfekte Passform haben schließlich die wenigsten Kunden, weshalb die meisten Anzüge individuell angepasst werden.
Neinsagen ist wichtig
"Neinsagen gehört auch dazu", sagt Rosewich, der seinen Erfolg nicht nur in Umsatz und Absatz misst. Auch wenn die natürlich auch stimmen müssen. Dass es Pursuits weiterhin gibt und weiter expandiert, macht deutlich, dass das der Fall ist. "Manchmal wachsen wir nur wenig, aber dann auch mal 20 Prozent", sagt er. "Unser Erfolg kommt daher, dass wir am Mann sind."
Das geht nur mit guten Mitarbeitern. Dass sie regelmäßig auch mal in den anderen Filialen eingesetzt werden, ist Teil des Konzepts. Und die Ware? Marken sucht man bei Pursuits vergebens. Rosewich und sein Team designen Anzüge, Hemden, Schuhe und bald auch Socken selbst, kaufen die Stoffe ein und lassen sie von einem Schneider in Tschechien produzieren. Damit hat er nicht nur die Kontrolle über Qualität und Design, sondern spart auch Kosten. Viele der Geschäftspartner sind schon seit elf Jahren dabei.
Wertschätzung und Nachhaltigkit
Immer wieder spricht Gunter Rosewich von Wertschätzung, gegenüber den Kunden, den Mitarbeitern, den Produkten. Und von Nachhaltigkeit - wenn Ware tausendfach geschreddert wird, ist das schließlich auch wirtschaftlich wenig sinnvoll. Nachhaltigkeit heißt für ihn aber auch, dass er bei der Auswahl der Materialien weiter denkt: "In Stretch-Material ist Microplastik drin. Aber man kann den Effekt auch mit gestricktem Stoff erreichen." Dann zeigt er auf die Stange mit den reduzierten Sakkos. "Das soll es nächstes Jahr nicht mehr geben", sagt er.
Das richtige Maß - nicht nur beim Anzug ist das wichtig, sondern auch in der Betriebswirtschaft. Natürlich könnte Rosewich sein Konzept schneller ausrollen und in weiteren Städten Filialen eröffnen. "Aber ich will doch gar nicht jede Woche nach Leipzig oder Hamburg fahren", sagt er. Die anderen Geschäfte sind ohnehin keine starren Kopien. "In Frankfurt muss man für die Banker den roten Teppich ausrollen", sagt er. Und Heilbronn? Sei genau richtig für Pursuits: "Für große Konzepte ist die Stadt zu klein." Rosewich ist mit den Zahlen der ersten Filiale nach wie vor höchst zufrieden. Und mit der Vermieterin. An einem Standort ist er bei einem Fonds gelandet. "Das mache ich nicht noch einmal", sagt er. Er handelt lieber mit Menschen. Egal, ob es es Vermieter sind, Lieferanten, Mitarbeiter oder vor allem Kunden.
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