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Neckarsulm/Ettlingen

Noch gehen die Früchte im Supermarkt nicht aus

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Trotz verschärfter Corona-Einreisebedingungen läuft der Import aus Spanien vorerst weiter. Bei Kaufland und Lidl sind die Regale weiterhin gefüllt - und einer der größten Importeure hat dafür eine einfache Begründung.

Der Deutsche Fruchthandelsverband befürchtet Lücken im Obst- und Gemüseregal. Unternehmen der Branche geben aber Entwarnung.
Foto: JackF/stock.adobe.com
Der Deutsche Fruchthandelsverband befürchtet Lücken im Obst- und Gemüseregal. Unternehmen der Branche geben aber Entwarnung. Foto: JackF/stock.adobe.com  Foto: JackF/stock.adobe.com

Drohen Orangen, Zitronen und Avocados zu einer Seltenheit im Obst- und Gemüseregal zu werden? Die Warnung des Deutschen Fruchthandelsverbands vom Sonntag sorgte zunächst einmal für Verunsicherung. Wegen der verschärften Einreisebedingungen könne es zu Lücken in den Regalen kommen, teilte Verbandsgeschäftsführer Andreas Brügger mit.

Spanien und Portugal sind Hochrisikogebiete

Ursache ist, dass Spanien und Portugal nun als Hochrisikogebiete in Sachen Corona gelten: Dadurch wurden die Einreisebedingungen auch für die Fahrer von Lebensmitteltransporten so verschärft, dass es kaum noch möglich sei, Obst und Gemüse zum Beispiel aus Spanien nach Deutschland zu importieren, sagte Brugger. Die Fahrer müssten seit Sonntag bei Grenzübertritt einen negativen PCR-Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden sei. In der Praxis sei das kaum machbar. "Spanien ist zurzeit mit einem Anteil von rund 30 Prozent eines der Hauptlieferländer für Obst und Gemüse", erläuterte Brügger.

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San Lucar verweist auf kurzen Aufenthalt der Fahrer

Allerdings - ganz so dramatisch scheint die Situation doch nicht zu sein. So berichtet Sprecherin Jennifer Heer für den Obst- und Gemüsekonzern San Lucar: "Spanien wurde als Hochinzidenzgebiet eingestuft, das bedeutet, dass Transporteure eine Anmeldepflicht haben. Wenn sie nicht länger als 72 Stunden in Deutschland sind, liegt jedoch keine Testpflicht vor.

Unsere Fahrer befinden sich meist zwischen 24 und 48 Stunden in Deutschland." Momentan transportiert das Unternehmen aus Spanien Zitrusfrüchte, Gemüse und Beeren nach Deutschland. Seinen Sitz hat der Konzern in Valencia, die Deutschland-Niederlassung befindet sich in Ettlingen. San Lucar, gegründet 1993 vom Münchener Stephan Rötzer, gilt als einer der größten Obst- und Gemüseanbieter Europas mit 2800 Mitarbeitern und zuletzt 440 Millionen Euro Umsatz.

Kaufland und Lidl: Versorgung derzeit gesichert

Auch bei Kaufland, der Großflächensparte der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe, sind noch keine Einbrüche bei den Importen spürbar. "Nach aktuellem Stand ist die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse gesichert. Wir sehen derzeit keine Versorgungsengpässe", teilt eine Sprecherin mit. "Dennoch ist die Lage sehr dynamisch, so dass wir natürlich nicht ausschließen können, dass der Warenfluss durch neue Bestimmungen beeinträchtigt wird." Das Unternehmen stehe daher ständig im engen Austausch mit allen Beteiligten und prüfe parallel mögliche Alternativen, wenn die Importe stocken sollten.

"Aktuell können wir keine Lieferengpässe bei unserem Obst und Gemüse verzeichnen", teilt die Discount-Schwester Lidl mit. Zum einen bezögen die Neckarsulmer ihr Angebot an Obst und Gemüse zum Teil auch von regionalen Erzeugern. Zum anderen schaffe man es schon während der gesamten Pandemie, zusammen mit den Lieferpartnern durch zügig angepasste Maßnahmen kontinuierlich die Verfügbarkeit von Obst und Gemüse in allen Filialen sicherzustellen.

Entwarnung bei den anderen Handelsketten

Auch andere große Handelsketten gaben Entwarnung. Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka betonte: "Die Belieferung der Edeka-Märkte ist gesichert." Ein Rewe-Sprecher erklärte: "Keiner muss sich Sorgen um Paprika und andere Produkte machen." Und Aldi betonte, der Lieferverkehr zu den Lagern des Discounters sei bislang von der neuen Verordnung nicht betroffen, Nachschub für die Filialen sei "nach wie vor gesichert".

"Die Belieferung der Lebensmittelgeschäfte mit frischem Obst und Gemüse ist nach unseren Erkenntnissen gesichert. Versorgungsengpässe sehen wir momentan nicht", sagte auch ein Sprecher des Handelsverbandes Lebensmittel (BVLH) in Berlin.

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