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Neckarsulm

Neue Führungsstruktur der Schwarz-Gruppe

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Erstmals gibt es an der Spitze der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe ein fünfköpfiges Führungsgremium, das gemeinsam über strategische Themen des Handelskonzerns entscheidet. Am Dienstag wurde bekannt, dass sich die Schwarz-Gruppe überraschend von Lidl-Vorstandschef Sven Seidel getrennt hat. Die Struktur aber bleibt.

Von Manfred Stockburger

 

Eilmeldung (Stand 7.2.17, 10 Uhr)

>>Lidl trennt sich von Vorstandschef Sven Seidel   

 

Diese fünf Manager verantworten die Schwarz-Gruppe. Zum Vergrößern auf Bild klicken.
Diese fünf Manager verantworten die Schwarz-Gruppe. Zum Vergrößern auf Bild klicken.

Hier und da ruckelt es noch, aber die neue Führungsstruktur der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe steht jetzt. Eine Struktur, die den viertgrößten Handelskonzern der Welt durch eine zentralere Steuerung regierbar halten und zugleich den Organisationen von Lidl und Kaufland im Tagesgeschäft den Rücken freihalten soll - mit einem Umsatz, der im laufenden Geschäftsjahr 2016/17 erstmals die 90-Milliarden-Euro-Marke überschreiten wird, gibt es dort genügend Aufgaben.

"Wir wissen, dass wir verschiedene Dinge, die wir früher richtigerweise separat gemacht haben, heute zusammenfassen müssen", sagt Klaus Gehrig (68), der Chef der Unternehmensgruppe. Auch in Vorbereitung auf die Zukunft, Gehrig bleibt für die nächsten Jahre Chef der Schwarz-Gruppe. Vorstand würde man das oberste Gremium in den meisten Unternehmen dieser Größenordnung nennen, bei Schwarz sind aber vier der fünf Mitglieder selbst bereits Vorstandsvorsitzende: Jesper Hojer (38) bei Lidl, Patrick Kaudewitz (53) bei Kaufland, Andreas Strähle (48) bei der Schwarz Dienstleistung KG (SDL) und Gerd Chrzanowski (45) bei der Schwarz Zentrale Dienste KG (SZD). Gehrig ist Komplementär der Schwarz Unternehmens-Treuhand (SUT).

Gehrig betont kollegialen Umgang 

Intern heißt das Chef-Kollegium Vorstandsvorsitzendenrunde. Juristisch betrachtet sind die vier Säulen unabhängig voneinander - die Zusammenarbeit ist über Geschäftsbesorgungsverträge geregelt. Strategische Themen werden in dieser Elefantenrunde besprochen - wobei Gehrig betont, dass das Verhältnis untereinander nicht hierarchisch und der Umgang kollegial sei, dass dort aber dennoch keine Demokratie herrsche: "Am Ende muss einer entscheiden." Im Zweifel also er selbst.

In dieser Runde ist etwa die Entscheidung gefallen, dass nicht Lidl, sondern Kaufland nach Australien gehen wird - obwohl auch Lidl den fünften Kontinent gerne in Angriff genommen hätte. Im Gegenzug bekommt Lidl in Serbien den Zuschlag - dort standen beide Sparten in den Startlöchern. "Jetzt, wo wir bei Kaufland einen Vorstandsvorsitzenden haben, der sowohl Lidl als auch Kaufland kennt, geht das viel leichter", erklärt Klaus Gehrig, der betont, dass das Gremium immer die Interessen der gesamten Schwarz-Gruppe im Blick haben muss. "Wir gehen unternehmerisch vor."

Klare Aufgabenteilung

Schwarz Dienstleistung: Dennoch gibt es eine klare Aufgabenteilung. In einem klassisch strukturierten Unternehmen wäre Andreas Strähle vermutlich der Finanzvorstand. Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer stieß vor zwei Jahren von Ernst & Young zu den Neckarsulmern. Als Vorstandsvorsitzender der SDL verantwortet der Stuttgarter unter anderem die Bereiche Steuern, Rechnungslegung, Finanzen, Versicherungen, Recht und Compliance sowie das Controlling und die Gruppenrevision, also die administrativen Dienstleistungsbereiche. Die SDL beschäftigt derzeit etwa 500 Mitarbeiter.

Schwarz Zentrale Dienste: Etwa 100 Mitarbeiter hat Strähle im vergangenen Jahr an SZD abgegeben, die von Chrzanowski geführt wird - vor allem IT-Mitarbeiter. Hier hat die SZD für die gesamte Unternehmensgruppe die Rolle übernommen, die Infrastruktur und Basissoftware wie Windows, das E-Mail-Programm oder auch SAP-Systeme bereitzustellen. "Es macht keinen Sinn, wenn wir bei Kaufland und bei Lidl bei Standardsystemen unterschiedliche Anwendungen zum Einsatz bringen", erklärt der Manager. Für die Mitarbeiter bedeutet das große Veränderungen. "Wir haben sie einbezogen - sie haben die Veränderungen mit viel Verständnis begleitet und mitgetragen", sagt der SZD-Chef.

Zu Chrzanowskis Bereich gehören aber eine ganze Reihe weiterer Dienstleistungen, in einem normalen Unternehmen würde der Chef wohl Verwaltungsvorstand heißen. Der Kraichgauer, der in der Schwarz-Gruppe eine steile Karriere hingelegt hat, ist nämlich auch verantwortlich für die gruppenweite Beschaffung von Investitions- und Verbrauchsgütern, Fahrzeugen und Gabelstaplern und nicht zuletzt für die Gebäude der Unternehmensgruppe in Neckarsulm und in Heilbronn. 2014 wechselte der Manager aus dem Lidl-Vorstand in die Gruppenverwaltung, um dort seinen Bereich aufzubauen.

In die Zuständigkeit der SZD fallen seit einigen Monaten auch die Produktionsbetriebe der Schwarz Gruppe und die Firma Greencycle, die für das Wertstoffmanagement bei Lidl und Kaufland verantwortlich ist, die Restaurantbetriebe und die Mobilität. Weitere Bereiche wie Controlling und auch die Personalarbeit kauft die SZD hingegen bei der SDL ein - so funktioniert das Miteinander. Als operativer Dienstleister der Schwarz-Gruppe beschäftigt die SZD aktuell rund 1000 Mitarbeiter, in den ihr zugeordneten Produktionsbetrieben weitere 2500.

Plan B

Für die Zukunft, die Zeit nach Dieter Schwarz, wie Gehrig es formuliert, gibt es einen Plan B, in den aber nur wenige Menschen eingeweiht sind. "Es ist alles so vorbereitet, dass der Geschäftsbetrieb geordnet weiter geht", erklärt Gehrig. Große Veränderungen würden dann auf die Schwarz-Gruppe zukommen. "Wir wissen, dass das Unternehmen nach Dieter Schwarz anders strukturiert sein muss." Mehr verrät Klaus Gehrig aber nicht. Außer, dass er schon jetzt daran arbeitet, die Top-Führungskräfte aufzubauen, die das Unternehmen in den nächsten Jahren benötigen wird.

 

Viertgrößter Händler der Welt 

Auch in der Ausgabe 2017 des globalen Händler-Rankings, das von der Beratungsfirma Deloitte seit 20 Jahren erstellt wird, steht die Schwarz-Gruppe mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 94,4 Milliarden Dollar auf Platz vier. Das Ranking basiert auf den Umsatzzahlen des Jahres 2015. Mit starkem Wachstum hätten die Neckarsulmer die Schwäche des Euros zum Dollar ausgeglichen, heißt es in der Studie – das Ranking wird in der US-Währung erstellt. Carrefour und Aldi haben jeweils einen Platz eingebüßt, der britische Marktführer Tesco sogar vier Ränge. Damit sind die Neckarsulmer nun der einzige Nicht-Amerikaner unter den sechs größten Handelskonzernen der Welt.

Auf den Plätzen eins bis drei stehen Walmart (482 Milliarden Dollar), Costco (116) und Kroger (109). Die Metro-Gruppe ist aus der globalen Top Ten herausgefallen, an ihrer Stelle steht dort nun Amazon mit einem Umsatz von 79,3 Milliarden Dollar. Mit neuen Formaten wie Amazon fresh ist der Online-Händler weiter auf dem Vormarsch. 

 

 
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