Neue Besitzer für Mercedes Card
Die Baden-Württembergische Bank (BW-Bank) soll das Kreditkartenportfolio der Mercedes-Benz Bank übernehmen. Name und Logo sollen bleiben.

Tausende Daimler-Fahrer haben auch sie in der Tasche: die Kreditkarte Mercedes Card, die neben den üblichen Bezahlfunktionen auch spezielle Dienstleistungen für Autobesitzer umfasst. Doch künftig werden sie nicht mehr von der Daimler-eigenen Mercedes-Benz Bank betreut: Die Baden-Württembergische Bank (BW-Bank), die Privatkundentochter der Landesbank Baden-Württemberg, soll das Kreditkartenportfolio, sprich den Kundenstamm, übernehmen. Derzeit laufen dazu die Verhandlungen, bestätigt Mercedes-Benz-Bank-Sprecher Harald Bertsch unserer Zeitung. Das Kartellamt habe dem möglichen Geschäft inzwischen zugestimmt.
Begründung Die Autobank des Daimler-Konzerns begründet den geplanten Verkauf mit Kosteneinsparungen: "Einerseits können so Skaleneffekte bei der Kreditkartenabwicklung gehoben werden, andererseits kann der Zugang zu neuen Technologien kostengünstiger realisiert werden", erläutert Bertsch. Mit Skaleneffekten seien dabei sowohl variable als auch Fixkosten gemeint − von Gebühren bis hin zu Lohnkosten.
Für die Besitzer der Karte soll sich aber nur das betreuende Geldinstitut ändern: "Name und Design bleiben unverändert", teilt Bertsch mit. "Zukünftig werden wir gemeinsam über die Maßnahmen zum Ausbau des Kartengeschäfts entscheiden, dabei liegt der Fokus klar auf den Bedürfnissen der Mercedes-Kunden." Ein Ziel der Kooperation sei es, das Know-how der BW Bank im elektronischen Zahlungsverkehr zu nutzen und zukünftig das Angebot an spezifischen Angeboten für Daimler-Kunden auszubauen. Dies sei aber erst in einem zweiten Schritt vorgesehen.
Kundenzahl Von Seiten der BW-Bank gibt man sich derzeit noch zugeknöpft. "Wir sind in Gesprächen mit der Mercedes-Benz Bank über eine Zusammenarbeit im Kreditkartengeschäft", heißt es dort lediglich. Nähere Angaben seien gegen Ende des Monats zu erwarten, wird noch angedeutet.
Fest steht jedenfalls, dass zwei unterschiedlich große Anbieter ihre Kundenstämme zusammenlegen wollen: Derzeit gibt es nach Angaben von Harald Bertsch etwa 227?000 Mercedes Card-Inhaber. Davon haben sich etwa 43?000 für die teurere Goldkarte entschieden, die 69 Euro Jahresgebühr kostet und umfangreichere Leistungen enthält. Die übrigen Inhaber besitzen eine Silberkarte für 29 Euro Jahresgebühr. Bei der BW-Bank stehen dem etwa 810?000 Kreditkarten-Inhaber gegenüber, hinzu kommen nochmals etwa 610?000 Debitkarten, also EC-Karten.
Übrigens ist die Betreuung von Kunden-Kreditkarten durch eine konzernfremde Bank durchaus nicht ungewöhnlich. Unter anderem bietet die Deutsche Kreditbank (DKB) mit Sitz in Berlin neben ihrer Karte auch die Kreditkarten von Lufthansa (Miles & More), Hilton, BMW und Mini an.
Hintergrund
Seit 2002 hat die Mercedes-Benz Bank eine sogenannte Vollbanklizenz. Seitdem darf die hundertprozentige Tochter des Daimler-Konzerns nicht nur Fahrzeugfinanzierungen ermöglichen, sondern auch die normalen Bankgeschäfte wie Geldanlagen, Kredite und Kreditkarten anbieten.
Die Bank hat mehr als eine Million Kunden und eine Bilanzsumme von 18,97 Milliarden Euro und gehört damit zu den führenden Autobanken in Deutschland. Das Angebot umfasst neben dem normalen Bankgeschäft vor allem Leasing, Finanzierung, Kfz-Versicherungen und Flottenmanagement. Nach Schätzungen wird jedes zweite Daimler-Fahrzeug, das in Deutschland zugelassen wird, von der Bank geleast oder finanziert.
Das Geldinstitut beschäftigt mehr als 1900 Mitarbeiter. Neben dem Unternehmenssitz in Stuttgart auf dem Pragsattel werden dazu Service Center in Saarbrücken (Privatkunden) und Berlin (Geschäftskunden) betrieben. Eine Tochterfirma ist für das Management von 700 Pkw-Firmenflotten zuständig, eine Gemeinschaftsfirma für 9000 Nutzfahrzeug-Flotten. frz
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