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Untereisesheim

Wie ein Untereisesheimer Messebauer nach der Corona-Zwangspause durchstartet

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Die Messebauer-Branche hat nach der langen Zwangspause wieder zu tun. Die Firma Nummern9n aus Untereisesheim berichtet, wie sie die Corona-Monate überstanden hat.

Die neue CNC-Maschine verschafft Andreas Kannheiser und seinem Unternehmen Nummern9n ganz neue Möglichkeiten.
Foto: Nummenr9n
Die neue CNC-Maschine verschafft Andreas Kannheiser und seinem Unternehmen Nummern9n ganz neue Möglichkeiten. Foto: Nummenr9n  Foto: Andreas Riske

Ein Gespräch mit Andreas Kannheiser kann momentan nur ein wenig zerstückelt geführt werden. Denn immer wieder klingelt sein Handy, Kunden oder Mitarbeiter sind dran, es geht um die Details bei Messeständen, weitere Aufträge, Terminabsprachen. Man sieht dem Inhaber der Messebau-Firma Nummern9n an, dass er sich über diese Unterbrechungen freut. Denn das zeigt: Das Geschäft läuft wieder. "Vor zwei Wochen hatten wir unsere erste Messe", erzählt er. Die erste seit Anfang März 2020, ein Kongress für Hörakustiker.

Die freien Mitarbeiter fehlen

Die Corona-Zwangspause hat aber viele Kollegen in die Knie gezwungen, hat der Unternehmer festgestellt. "Ich wurde in Hannover begrüßt mit: Schön, dass es wenigstens Sie noch gibt." Kein Wunder, dass sich die Auftragsbücher schneller füllen als gedacht. Denn plötzlich kommen gleich einige neue Kunden auf das Unternehmen mit Sitz in Untereisesheim und einem Lager in Bretzfeld zu: Firmen, denen ihr bisheriger Messebauer wegen Corona weggebrochen ist.

 


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Doch die Probleme reichen noch weiter. "Es sind einige aus unseren Netzwerken verschwunden", hat Kannheiser festgestellt. "Vor allem die vielen freien Mitarbeiter." Zum Beispiel Veranstaltungstechniker, Experten für Video und Ton. "Als die Messen gestoppt wurden, standen sie ohne Aufträge da - und haben sich irgendwann einen Job in Festanstellung gesucht", erklärt sich der Geschäftsführer dies. "Das wird die Branche verändern", erwartet er. "Mittlerweile gibt es Hilferufe von den Messebauern - und viele gehen dennoch leer aus, weil sie niemanden mehr bekommen."

Impfzentren ausgestattet

Sein eigenes Unternehmen hat sich mit den staatlichen Hilfen über Wasser gehalten - aber nicht nur damit: Fast alle eigenen Stellwände hatte der Geschäftsführer an die Impfzentren in Öhringen und Ilsfeld vermietet. In Öhringen wurde schon zu Monatsbeginn abgebaut, in Ilsfeld startet sein Team an diesem Freitag damit. "Und was wir dort abbauen, fahren wir am Montag nach München." Da steht dann schon die nächste Messe an, auf der ein Kunde einen Stand benötigt.

Auf die staatlichen Hilfen lässt Kannheiser übrigens nichts kommen: Alles habe reibungslos und schnell geklappt, erzählt er. "Die L-Bank hat auch auf unseren letzten Antrag mit rasender Geschwindigkeit reagiert." Auch dies habe geholfen, das Überleben der Firma zu sichern. Von seinen gewerblichen Mitarbeitern konnten somit alle an Bord bleiben. Nun sucht er wieder einen Projektplaner und eine Assistenz der Geschäftsführung.

Neue Maschine angeschafft

Während des Stillstands wurde außerdem investiert: Eine neue CNC-Fräse und weitere Maschinen sorgen dafür, dass nun weniger Aufträge nach außen vergeben werden müssen. "Das macht uns flexibler", sagt er. Und es ermöglicht ein weiteres Geschäftsfeld - ein Holzhaus-System, dass der Unternehmer hierzulande aufbauen will. Der eigene Neubau wird aber noch in konventioneller Holzbauweise hochgezogen, aus technischen Gründen. Aber es wird ein Null-Energie-Haus.

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