Müller Lila Logistik übernimmt Sigloch

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Das Besigheimer Unternehmen kauft Sigloch Distribution mit großem Verteilzentrum in Blaufelden. Alle 700 Mitarbeiter in Hohenlohe und Tschechien werden übernommen.

Paukenschlag in der regionalen Logistikbranche: Sigloch Distribution mit seinem großen Verteilzentrum in Blaufelden wird von dem Besigheimer Unternehmen Müller – Die Lila Logistik SE (MLL) übernommen. Das teilte der börsennotierte Konzern mit Sitz in Besigheim-Ottmarsheim jetzt mit.

Alle rund 700 Mitarbeiter in Hohenlohe und in Tschechien würden übernommen, heißt es weiter. MLL wächst damit auf insgesamt 2400 Mitarbeiter an. Das Unternehmen mit 21 operativen Standorten erzielte vergangenes Jahr einen Umsatz von 135 Millionen Euro und einen Gewinn von 10,1 Millionen Euro. Sigloch kam zuletzt auf etwa 60 Millionen Euro Umsatz.


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Erweiterung der Geschäfte

Für den Käufer erweitert sich damit das Geschäftsfeld: Bislang war MLL vor allem für die Branchen Automotive, Elektronik und Medizintechnik tätig. Zu den Kunden zählen unter anderem Mercedes-AMG, Porsche, Miele und Alnatura. Sigloch hat sich hingegen auf die Bereiche Buch und E-Commerce spezialisiert – die Wurzeln des Unternehmens liegen schließlich in einer Buchbinderei. Das Logistikcenter in Blaufelden umfasst eine Fläche von 85.000 Quadratmetern und kann um 30 000 Quadratmeter erweitert werden. Am Standort in Tschechien gibt es neben den 17.000 Quadratmetern Fläche 12.000 Quadratmeter als Reserve. Auch dies ist für MLL ein entscheidendes Kriterium „in Zeiten regional rarer Logistikflächenangebote“.

 „Durch den jeweils unterschiedlichen Branchenfokus gibt es bislang nahezu keine Überlappungen bei den Kunden“, heißt es in der Mitteilung von MLL. Dies biete die Chance, die unterschiedlichen Dienstleistungen – bei Sigloch Direktmarketing, E-Fulfillment, E-Shop, Retouren- und Debitorenmanagement sowie bei MLL Montage, Produktionsver- und entsorgung – den jeweils neuen Kunden anbieten zu können. „Ziel der Übernahme ist es, unser Unternehmen fit für die Zukunft zu machen“, so Sigloch-Geschäftsführer Christoph Schaupp. „Da wir von der Zukunftsfähigkeit dieses Schritts überzeugt sind, bleiben die heutigen Gesellschafter noch für längere Zeit an der Finanzierung des Unternehmens beteiligt.“

Rasante Entwicklung

Die Wurzeln von Sigloch liegen in Stuttgart – das Unternehmen begann vor 139 Jahren als Buchbinderei. Wegen Kriegsschäden zog der Betrieb 1944 nach Künzelsau um. Dort entwickelte sich eine Gruppe, die als Verlag, Maschinenbauer, Distributionslogistiker und Weingut tätig war. Den Aufstieg zu einem der größten Arbeitgeber der Region hatte vor allem Helmut Sigloch seit der Übernahme der Firma 1972 vorangetrieben. Als er 2012 rund um seinen 70. Geburtstag die Nachfolge regelte, waren aber die Sparten Maschinenbau und Buchbinderei geschlossen oder verkauft und der Weinkeller deutlich geschrumpft. Damals gehörten auch noch ein Feinkostgeschäft und der Verlag für Koch- und Sachbücher zur Gruppe.

Familienunternehmen sichern

In jenem Jahr holte er mit Christoph Schaupp einen familienfremden Geschäftsführer an Bord und übergab ihm einen Minderheitsanteil am Unternehmen. Damals teilte er mit, dass entsprechende Regelungen eine Weitergabe seiner übrigen Anteile an seine Kinder und den langfristigen Verbleib der Firma in Familienbesitz festlegten. „Es ist mir wichtig“, betonte das Familienoberhaupt, „dass die Gruppe ein Familienunternehmen bleiben wird.“ Helmut Sigloch starb im April 2019.

 

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