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Oberstenfeld

Möbel restaurieren mit Liebe zum Detail

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Der Malermeister Ulrich Brixner hat sich auf die Instandsetzung alter Schränke spezialisiert. Ein Besuch in seiner Werkstatt offenbart, wie er dabei vorgeht, und welche historischen Möbel wohl keinen Abnehmer finden werden.

von Anna-Lena Sieber
Auf einem großen Tisch mischt Ulrich Brixner die Farben für die antiken Möbelstücke zusammen. Foto: Kunz
Auf einem großen Tisch mischt Ulrich Brixner die Farben für die antiken Möbelstücke zusammen. Foto: Kunz  Foto: Kunz, Christiana

Pinsel, Farbtöpfe und Leitern in allen Größen und mit allen Farbtönen gesprenkelt stehen in Ulrich Brixners Werkstatt in Oberstenfeld. Auch die Wand hat einige Farbproben abbekommen. Eine Schale voller alter Schrankschlüssel steht immer bereit. "Falls an einem Schrank mal einer fehlt, finde ich hier einen passenden", sagt Brixner. Und was nicht passt, das wird passend gemacht. "Wenn man ein bisschen feilt, dann geht das auf jeden Fall", sagt er mit Blick auf einen der Schlüssel.

Jede Schraube wird aufbewahrt

Mit den Schrauben ist es ähnlich: "Ich lege großen Wert darauf, dass in die alten Schränke auch nur alte Schrauben kommen." Daher hebt er jede Schraube auf, die er in den ausrangierten Schränken findet. Und jedes Holzbrett, das man noch verwenden kann. Neben den vielen Ersatzteilen und frisch restaurierten Schränken, die Brixner in seiner Werkstatt stehen hat, findet man auch die eine oder andere Möbelruine.

"Das ist ein Barockschrank", sagt Brixner und zeigt auf einen zum Teil zerlegten, zum Teil auseinandergebrochenen Schrank in der Ecke, auf dem, leicht verblasst, noch Malerei zu sehen ist. In diesem Fall sei er sich nicht sicher, ob es sich lohne, den Schrank nochmal zu restaurieren. "Ich brauche halt auch jemanden, der ihn dann kauft", so der gelernte Maler.

Ausstellungsraum im Heilbronner Wollhaus

Die Palette der antiken Möbelstücke, die durch Brixners Finger gegangen sind, ist breit. Ein Küchenbuffet von 1930 mit rosa und blauen Schubladen steht ebenso in seinem Ausstellungsraum im Untergeschoss des Wollhauses wie ein Biedermeier-Schrank von 1835 oder ein naturbelassener Vitrinenschrank von 1860.

Diese Art der Bemalung ist heute nicht mehr gefragt. Für den gelernten Maler ist das ein Hobby.
Foto: Christiana Kunz
Diese Art der Bemalung ist heute nicht mehr gefragt. Für den gelernten Maler ist das ein Hobby. Foto: Christiana Kunz  Foto: Kunz, Christiana

Seit zwei Jahren hat der Malermeister den Ausstellungsraum. Anfangs sei das Geschäft eher schleppend gelaufen. Inzwischen verkauft er aber durchschnittlich drei bis vier Möbelstücke im Monat. Bis Corona und damit der Einbruch kam. Um den Kunden einen Anreiz zu geben, verkauft er nun alle Möbelstücke mit 30 Prozent Nachlass.

Vieles stammt aus Haushaltsauflösungen

Den Malerbetrieb hat der 71-Jährige 1976 von seinem Vater übernommen. Anfangs war die Möbelrestauration nur als zweites Standbein gedacht. Aber dann kamen immer mehr Restaurierungsaufträge. Neben den eingehenden Aufträgen für private Möbel bekommt Brixner die Möbel, die er verkauft, aus Haushaltsauflösungen. Außerdem komme man durch die Malerei in viele alte, renovierungsbedürftige Häuser. Auf den Dachböden stehen dann oft antike Unikate.

Das ist es auch, was Brixner an seinem Beruf mag: "Das sind alles Einzelstücke. Möbel, die die Zeitgeschichte miterlebt haben. Sowas muss man mit Liebe restaurieren." Allein des Geldes wegen könne man den Beruf nicht machen. Aber wie genau wird aus einem zerfallenen alten Schrank wieder ein antikes Schmuckstück? Zuerst bringt Brixner seine Möbel zum Ablaugen und Entwurmen zu einer externen Firma. Dort wird das vorher zerlegte und von allen Metallteilen befreite Möbelstück ein bis zwei Tage in einem Zuber in Lauge eingelegt. Durch diesen Vorgang werden alle Farben und Beschichtungen gelöst und das Originalholz kommt wieder zum Vorschein. Auch die Holzwurmbehandlung übernimmt in den meisten Fällen die externe Firma.

Auf die Türen einer Kommode hat Ulrich Brixner Albrecht Dürers „Die vier Apostel“ gemalt. Foto: Kunz
Auf die Türen einer Kommode hat Ulrich Brixner Albrecht Dürers „Die vier Apostel“ gemalt. Foto: Kunz  Foto: Kunz, Christiana

Danach, wieder in der Oberstenfelder Werkstatt, kommt das "A und O", wie Brixner betont. Das Schleifen. Vier Rollen Schleifpapier mit unterschiedlichen Korngrößen hängen dafür in der Werkstatt an der Wand. "Man muss beim Schleifen behutsam und sorgfältig vorgehen, sonst kann es sein, dass das ganze Möbelstück am Ende verschandelt ist." Danach werden die einzelnen Teile geölt oder gewachst, dann der Schrank wieder zusammengebaut.

Weiß lasierte Möbel sind im Trend

Oder er wird bemalt. "Aber das ist wieder eine Sache für sich selbst." Gerade seien weiß lasierte Möbel im Trend. Viele der bemalten Stücke werden danach patiniert. "Das ist eine Art künstliche Alterung für die Möbel. Eine ganz dünne Lasur, damit der Schrank aussieht, als wäre er vor 50 oder 60 Jahren gestrichen worden."

In seiner Abstellkammer hat er eine Kommode stehen, auf deren Schranktüren er Albrechts Dürers Werk "Die vier Apostel" gemalt hat. "Sowas mach ich aber nur als Hobby, das ist heute nicht mehr gefragt", so Brixner.

 
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