Luft nach oben: Neuer Chef bei KS Huayu Alutech
Jochen Luft soll als neuer Chef den Neckarsulmer Automobilzulieferer KS Huayu Alutech wieder auf Vordermann bringen. Strukturteile bieten ein großes Wachstumspotenzial für die Rheinmetall-Automotive-Sparte.

Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht bezeichnet sich Jochen Luft als "innovative Führungskraft für tiefgreifende Veränderungen". Sein letzter Job bei Rheinmetall Automotive war, als Werkleiter den Standort Niederrhein aufzubauen − für das Vorzeigewerk hatte der Automobilzulieferer zwei alte Pierburg-Werke aufgegeben. Das Werk direkt am Rhein in Neuss ist heute der Vorzeigestandort der Automobilsparte des Rheinmetall-Konzerns.
Seit Jahresbeginn ist Luft jetzt zurück in Neckarsulm, wo seine Karriere 2005 nach der Promotion in Werkstoffkunde begonnen hatte. "Ich bin ein Kolben-Junge", sagt er − auch wenn er nun bei KS Huayu Alutech im Chefbüro sitzt − also bei der früheren KS Atag, die mit dem Gießen von Motorblöcken groß geworden ist und mittlerweile als Gemeinschaftsunternehmen der Neckarsulmer mit ihrem chinesischen Partner betrieben wird.
Strategische Bedeutung des zweiten Standbeins
Als zweites Standbein werden in dem Unternehmen neben Motorblöcken ("Da können wir nicht mehr wachsen") inzwischen in großer Stückzahl auch Strukturbauteile produziert − etwa die Federbeinaufnahme für die neue A6-Familie von Audi. In den nächsten zwei Jahren will KS Huayu Alutech den Umsatzanteil der Stukturbauteile von 15 auf 35 Prozent steigern − das zeigt, welche strategische Bedeutung dieses zweite Standbein inzwischen hat.
Warum Jochen Luft wieder da ist, erschließt sich bei der genaueren Lektüre des Geschäftsberichts für das vergangene Jahr, in dem von Anlaufschwierigkeiten bei Strukturbauteilen die Rede ist. Um das A6-Bauteil kann es sich dabei nicht handeln, weil dieses Produkt erst in die Massenproduktion geht.
Das Sorgenkind ist ein Hinterachsfahrschemel, den die Neckarsulmer für Porsche gießen. Der stellte sich als deutlich komplexer heraus, als es zunächst den Anschein hatte. KS Huayu hatte das Projekt von einem insolventen Wettbewerber übernommen. Inzwischen sind die technischen Schwierigkeiten ausgestanden, sagt Jochen Luft. "Wir hatten die Technologie und den Prozess unterschätzt. Aber jetzt können wir das." Deswegen gehe das Unternehmen gestärkt aus der Situation hervor, ist Jochen Luft überzeugt.
Ein Auftrag als wirtschaftliches Schwergewicht
Mächtig stolz ist der 41-Jährige auch auf das Gehäuse für den neuen E-Golf-Motor, dessen Produktion zur Jahresmitte in China anläuft. Was sich banal anhört, wird durch die integrierte Kühlung sehr komplex: "Das Ding wiegt 25 Kilo." Bei einer Laufzeit von sieben Jahren ist der Auftrag mit 100 Millionen Euro Umsatz aber auch wirtschaftlich ein Schwergewicht. "Wir sind nicht nur Spezialist für Verbrennungsmotoren, sondern für komplexe Gussteile", hatte Rheinmetall-Konzernchef Armin Papperger kürzlich in diesem Zusammenhang festgestellt.
Serienreif entwickelt wurde das Teil in Neckarsulm, und genau da sieht Jochen Luft auch künftig eine wichtige Aufgabe des Standorts: in der Entwicklung neuer Teile. Das Umsatzvolumen von rund 300 Millionen Euro und die Mitarbeiterzahl von etwa 1100 lassen sich nämlich angesichts der Platzverhältnisse kaum noch steigern.
Demnächst wird zwar nochmals eine neue Gießereihalle in Betrieb genommen− Strukturteile für Daimler und Audi werden dort gegossen. Der Platz zwischen dem Audi-Werk und dem Neckar ist aber endlich. Platz für neue Ideen gibt es neben der Produktion aber genügend.
Den ersten Großauftrag für Kolben der neuen Otto-Generation Liteks 4 vermeldet Kolbenschmidt. Über die Lebensdauer des Produkts beträgt das Auftragsvolumen 47 Millionen Euro. Produziert wird im neuen Werk in Chongqing. Auftraggeber ist ein Gemeinschaftsunternehmen eines großen, international tätigen Automobilherstellers mit einer der führenden chinesischen Unternehmensgruppen. Der Produktionsstart ist für Herbst 2021 geplant.
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