Leingartener Firma Rudolf Rieker erhält nicht alltägliche Auszeichnung
Die Firma Rudolf Rieker GmbH in Leingarten bekommt den Bundesinnovationspreis des Umweltministeriums für die Entwicklung eines stark energiesparenden und ungiftigen Verfahrens. Entwickelt hat es das Karlsruher Ingenieurbüro für Industriekältetechnik Refolution.

Steffi Lemke ist nicht persönlich zur Preisverleihung nach Leingarten gekommen. Aber die Bundesumweltministerin hat die Urkunde unterschrieben, die ihr parlamentarischer Staatssekretär Christian Kühn nebst einem symbolischen Riesenscheck in Höhe von 208 650 Euro am Dienstag dem Geschäftsführer der R. Rieker GmbH, Michael Rieker, überreicht: Die Induktionshärterei hat den Bundesinnovationspreis gewonnen. Wofür?
Neues Verfahren ist eine Sensation
Am besten kann das Thomas Frank erklären. Der Geschäftsführer des Ingenieurbüros für nachhaltige Industriekältetechnik Refolution mit Sitz in Karlsruhe hat auf Auftrag von Rieker eine innovative Kältekammer entwickelt. Frank selbst bezeichnet sie als "Sensation". Denn mit Hilfe einer Kaltluftmaschine und einem Doppelofen könne künftig nicht nur etwa 70 bis 80 Prozent insgesamt an Energie eingespart werden.
Keine Giftunfälle mehr möglich
Dadurch, dass Luft als Kältemittel eingesetzt wird, könne man zudem auf Flüssigstickstoff beim Härten von Stahl verzichten - und damit auch das Risiko vermeiden, bei der Produktion Giftstoffe freizusetzen. So werde die Arbeitssicherheit enorm erhöht, stellt Frank den zweiten Vorteil des neuen Verfahrens neben der enormen Energieersparnis heraus. Zuletzt verstarben nur Tage vor der Preisverleihung Arbeiter einer Hamburger Firma nach einem Stickstoffaustritt.
Der Chemieingenieur ist stolz auf das von seiner Firma entwickelte Verfahren: "Das ist jetzt in wesentlichen Aspekten allem überlegen, was am Markt da ist."
Preis hilft beim Anbau für die neue Technik
Genauso freut sich Michael Rieker über den Fortschritt und die finanzielle Förderung durch den Bundeninnovationspreis: "Wir sind die Ersten, die das jetzt zum Laufen bringen." Für die neuen Anlagen "werden wir ein neues Gebäude erstellen. Dort wird diese Technik angesiedelt", der Geschäftsführer zeigt auf einem Luftbild seiner Firma, wo es entstehen soll.
Nachahmer sind erwünscht
Auch Christian Kühn ist höchst erfreut: "Förderscheckübergaben sind eine dankbare Aufgabe. Nicht nur, weil man in strahlende Gesichter guckt, sondern auch, weil man dabei tolle Einblicke in neue Techniken bekommt." Nicht zuletzt habe es auch mit den Innovationsprozessen in der Industrie zu tun, "dass wir letzten Winter als Gesellschaft so gut durchgekommen sind". Nun hoffe man im Bundesumweltministerium auf Nachahmer und "dass diese Technik sich verbreitet".
Neue Anlage funktioniert wie eine Wärmepumpe
"Während im konventionellen Verfahren auch Energiemengen für Herstellung, Transport und Lagerung der Fernkälte anfallen, ist für das neu entwickelte Verfahren nur noch der Energiebedarf zum Betrieb der Luft-Kältemaschinen vor Ort zu betrachten", beschreibt Michael Rieker kurz die Vorteile der ähnlich einer Wärmepumpe funktionierenden neuen Anlage. Allein durch die Wärmerückgewinnung innerhalb der Wechselkühlkammern könne der Energiebedarf um etwa 30 Prozent Prozent gesenkt werden kann.
"Insgesamt wird eine Energieeinsparung von circa 410 Megawattstunden angestrebt, was ungefähr einer Einsparung von 60 bis 68 Prozent im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren entspricht", so Rieker weiter. Durch die höhere Energieeffizienz nähmen auch die CO2-Emissionen erheblich ab.
Familienunternehmen
Rudolf Rieker gründete das Leingartener Familienunternehmen 1978 und baute es gemeinsam mit seiner Ehefrau auf. Nach eigenen Angaben ist die R. Rieker GmbH eine der größten Induktionshärtereien in Europa. Am Standort sind 110 Mitarbeiter beschäftigt. Betriebsleiter und Prokurist ist der Bruder von Geschäftsführer Michael, Andreas Rieker.
Beim Induktionshärten werden Stahlbauteile an der Oberfläche erhitzt und dann durch schnelles Herunterkühlen oder Tiefkühlen gehärtet. Üblicherweise nutzt man hierfür flüssigen Stickstoff, der in einer Kältekammer versprüht wird.
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