Kürzungen belasten Kaco New Energy
Die von der Bundesregierung geplante Kürzung der Ökostromförderung versetzt die Solarbranche in Panik. Solarstromunternehmen Kaco New Energy reagiert mit Kurzarbeit und Stellenabbau auf die Krise.

Rund 50 Unternehmen bundesweit protestierten gestern gegen die Reformpläne von Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD), der die Einspeisevergütung für sauberen Strom senken und den Eigenverbrauch in die Ökostromumlage einbeziehen will.
Tragik
"Wenn diese Regelung kommt, dann stirbt der Markt in Deutschland", sagte Ralf Hofmann, Geschäftsführer des Wechselrichterherstellers Kaco New Energy, am Rande einer Proteskundgebung in Neckarsulm. Schon jetzt befinde sich das Unternehmen in einer "tragischen Situation", sagte Hofmann: "Erstmals müssen wir bei Kaco Personal abbauen." Seit März wird in der Fertigung in den Neckarsulmer Werken kurz gearbeitet, rund 200 Mitarbeiter sind von dieser Maßnahme betroffen. Doch das reicht Hofmann zufolge nicht, um auf die katastrophale Marktsituation in Deutschland zu reagieren. "Wir werden bis zum Sommer bis zu 80 Mitarbeiter freisetzen", sagt er verbittert. Die ersten Kündigungen wurden bereits verschickt.

Im ebenfalls schwierigen Jahr 2013 habe Kaco New Energy im Gegensatz zu vielen Konkurrenten das Versprechen halten können, keine Jobs zu streichen, betont er. Dies sei nun nicht mehr möglich. Der Umsatz am Standort Neckarsulm sei von 185 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 120 Millionen Euro 2013 eingebrochen, berichtet Hofmann. Das Solarstromunternehmen ist zudem in die roten Zahlen gerutscht, Besserung ist nicht in Sicht.
Der Firmenchef betont zwar, dass Kaco nach wie vor ein finanziell gesundes Unternehmen sei. So entwickele sich das Auslandsgeschäft im Gegensatz zum Heimatmarkt sehr gut, vor allem in den USA und in Asien, was zur Stabilisierung beitrage. Dennoch bereitet es Hofmann große Sorgen, wenn das Hauptquartier in Neckarsulm schwächelt, das er als "Gehirn und Nervensystem des Konzerns" bezeichnet. "Hier muss es funktionieren, sonst nützt alles andere nichts."
Vorwürfe
Mit drastischen Worten hatte der Kaco-Chef zuvor den knapp 300 Mitarbeitern erklärt, wer für ihn die Schuldigen der Misere sind: die aus Dilettanten bestehende Bundesregierung, die "offensichtlich von den Energiekonzernen gesteuert wird". Das einst glänzende Image der Branche sei in den letzten Jahren systematisch zerstört worden. "Heute muss man sich schämen, wenn man eine Photovoltaik-Anlage betreibt". Dass Sigmar Gabriel den Eigenverbrauch des Ökostroms in die Umlage einbeziehen will, verglich Hofmann mit einem Apfelbaumbesitzer, der für seinen selbst angebauten Apfel auch noch eine Steuer zahlen müsse. "Da ist was oberfaul!", rief der aufgebrachte Firmenchef seinen Mitarbeitern zu.
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