Kriminalfall Palmbräu (04.12.08)
Eppingen/Heilbronn - Aus den Turbulenzen um die wirtschaftlich schwer angeschlagene Eppinger Privatbrauerei Palmbräu ist ein Kriminalfall geworden. Nach Hinweisen des vorläufigen Insolvenzverwalters Karl-Heinz Branz an die Staatsanwaltschaft haben am Donnerstag mehr als 40 Kripobeamte Wohn- und Geschäftsräume in Eppingen und im Raum Schwetzingen durchsucht.
Wegen vorsätzlichen Bankrotts, Anstiftung und Beihilfe dazu wird gegen die entlassenen Ex-Geschäftsführer Andreas und Georg Polster, den Welde-Chef Hans Spielmann, den Holzgroßhändler Gerald Moll und den Rechtsanwalt Robert Baumert ermittelt.

Eppingen/Heilbronn - Aus den Turbulenzen um die wirtschaftlich schwer angeschlagene Eppinger Privatbrauerei Palmbräu ist ein Kriminalfall geworden. Nach Hinweisen des vorläufigen Insolvenzverwalters

„Es friert einen“, fasst Insolvenzverwalter Branz am Donnerstag Abend vor der Presse die Erkenntnisse seiner Recherchen zusammen. Er hat herausgefunden, dass sich die Lage der Brauerei bereits Anfang des Jahres dramatisch zuspitzte. Die Lohnauszahlung Ende Februar war in Gefahr. In dieser Situation brachte Hans Spielmann als Chef des Palmbräu-Hauptgesellschafters Welde den Schwetzinger Holzhändler Moll ins Spiel.
Verhökert
Dieser zahlte 350.000 Euro und erwarb damit die Rechte an der Marke, das Mobiliar der Wirte und 36 von 170 Bierlieferverträgen des Unternehmens. Allein Letztere hatten nach einem Gutachten einen Wert von 1,2 Millionen Euro, von dem nach einem Sicherheitsabschlag von 45 Prozent immer noch 698.000 Euro verblieben. Für gerade einmal die Hälfte der Summe wurde die Traditionsmarke aus dem Kraichgau von den Polsters verhökert, um mit dem Geld angehäufte Schulden zu begleichen.
„Man hat das Ding für ein Butterbrot hergegeben“, sagt Branz. Sein Urteil über die Polster-Brüder ist an Klarheit nicht zu überbieten: „Das sind die Bankrotteure.“
Schurkenstück

Kampf um Marke
Die Strategie des Insolvenzverwalters ist klar: Er wird den Deal anfechten, weil es sich um ein für das Unternehmen nachteiliges Rechtsgeschäft gehandelt hat. „Ich will die Marke wieder haben“, betont Branz. Mit ihr sei in Eppingen vielleicht noch etwas zu machen. Doch auch für den Heilbronner Insolvenzverwalter steht fest, dass selbst dann ein großer Teil der schon auf 23 Vollzeit- und neun Teilzeitkräfte reduzierten Belegschaft entlassen werden muss.
Branz hat Spielmann das Angebot unterbreitet, ernsthafte Gespräche über dessen weiteres Engagement zu führen, wenn der Deal zurückgenommen wird. Seine Botschaft: „Lasst uns unterhalten, wie der Standort zu retten ist.“ Der Welde-Chef hat signalisiert, bestenfalls mit zwei Mitarbeitern in der Produktion und fünf im Vertrieb weitermachen zu wollen. Ende Dezember wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Insolvenzverfahren eröffnet.
Spielmanns Reaktion
Anstiftung zum vorsätzlichen Bankrott? Für Welde-Chef Hans Spielmann ist diese Betrachtungsweise „sehr weit hergeholt“. Er wies den Vorwurf durch seinen Pressesprecher Herbert Rabl „klar zurück“. Welde hoffe auf eine sachliche Aufarbeitung der Fakten. Das Tagesgeschäft der Plankstadter Brauerei sei von den Ermittlungen der Kriminalpolizei ausdrücklich nicht betroffen. Diese rankten sich ausschließlich um das Insolvenzverfahren des Palmbräu-Produzenten Zorn Söhne, dessen Hauptgesellschafter Welde ist.
Palmbräu und Weldebräu
Die Eppinger Traditionsbrauerei Palmbräu besteht seit der Umstrukturierung im Sommer aus zwei Unternehmen. Die Palmbräu Eppingen GmbH, 100-Prozent-Tochter der Plankstadter Weldebräu, ist offiziell Nachfolgerin der Traditionsfirma. Geschäftsführer ist Welde-Chef
Zorn Söhne steht zur Palmbräu formal in einer Kunden-Lieferanten-Beziehung. Palmbräu macht Qualitätsvorgaben. Zorn-Söhne braut das Bier, lässt es abfüllen und verkauft es an die Palmbräu GmbH, die sich als Inhaberin der Markenrechte um den Vertrieb kümmert.

Stichwort: Betrügerische Insolvenz
Eine betrügerische Insolvenz liegt vor allem dann vor, wenn die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung eines Unternehmens absichtlich herbeigeführt wurde. In einigen Fällen wurde vorher Geld abgezweigt, so dass das Unternehmen keine flüssigen Mittel mehr für laufende Geschäfte besitzt. Wird eine betrügerische Insolvenz nachgewiesen, können auch vorherige Übertragungen von Vermögenswerten unwirksam werden. In einigen Fällen kann auch das Hab und Gut des Insolvenzbetrügers in Anspruch genommen werden. jüs
Palmbräu-Mitarbeiter erhalten Geld für Oktober (21.11.2008)
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Kommentare
am 29.01.2009 20:30 Uhr
Der 29. Januar war ein guter Tag. Für Eppingen, den Kraichgau und die Region. Es gibt wieder Hoffnung für ein heimisches Aushängeschild. Der mögliche Retter in der Not sitzt vor der Haustür. Gerade mal 39 Kilometer und 35 Autominuten trennen Eppingen und Pforzheim. Und das ist nicht das einzige schlagkräftige Argument, das für die Übernahme des Kraichgau-Stolzes durch das Brauhaus spricht.
Mit der Familie Scheidtweiler und ihrem Unternehmen stiegen erfolgreiche und agile Mittelständler bei Palmbräu ein – und kein Großkonzern, der den Betrieb und die Marke nur schlucken will. Auch die Größenordnungen passen zusammen. Das Haupthaus in Pforzheim stößt in etwa so viel Bier aus wie die geschrumpfte Eppinger Brauerei. Seit Generationen sind die Scheidtweilers in der Branche tätig – eine Parallele zu der 173-jährigen Ära Zorn und Polster in Eppingen. Da würde zusammenwachsen, was zusammenpasst.
Welche Lösung am Ende herausspringt, hängt wesentlich von Welde-Chef Hans Spielmann ab. Es ist zu hoffen, dass er sich mit seinem Pforzheimer Kollegen über die Abgabe der Markenrechte einigt. Wenn es Spielmann ernst meint mit seiner Zusicherung, die Brauerei und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, kann er es durch diesen Schritt beweisen. Der Wert der Marke Palmbräu unter Welde-Regie tendiert im Kraichgau und Unterland gegen null.
In den vergangenen Monaten haben die Plankstädter in dieser Region zu viel Vertrauen verspielt, um als geschätzter Geschäftspartner akzeptiert zu werden. Wenn sie einem neuen Besitzer einen guten Start ermöglichen, verschaffen sie sich wenigstens einen halbwegs ordentlichen Abgang.
am 27.02.2009 01:43 Uhr
Man kann nur hoffen und wünschen,daß die neuen Besitzer nicht gezwungen sind oder werden, (wg Erhalt oder Erwerb der Markenrechte)sich mit diesem, gelinde ausgedrückt "unseriösen Vorstandsmitglied des LionsClub's" und gleichzeitigen "Welde Chefs" auf irgendwelche "Machenschaften" einzulassen.
So, wie die "Angelegenheit Palmbräu" seither gelaufen ist, deutet nähmlich alles darauf hin, daß der mit allen Wassern gewaschen ist, nur mit keinem Sauberen.
Ich, als langjähriger, ehemaliger Mitarbeiter, wünsche sowohl dem Betrieb, sowie all meinen ehemaligen Kollegen,daß die ganze Misere, egal wie auch immer es dazu gekommen ist,ein positives Ende für die ehrlichen "Beteiligten" nehmen möge.
Mein besonderer Dank, gilt vor allem dem Insolvenzverwalter, Herrn R.A.Branz,, der nichts unversucht gelassen und nie aufgehört hat, für die Erhaltung der leider nur noch wenigen Arbeitsplätze zu kämpfen. Wenn er auch mich, bei dieser Gelegenheit, leider um meinen wohlverdienten Rentnerhausdrunk gebracht hat.
Im Kohlenpott würde man jetzt sagen "Glück auf". Ich als Brauereigeschädigter sage: Gott gebe Glück und Segen drein.
Klaus-Peter Leipold.[b][/b]