Kleine Brettchen für Schiffe, Schlösser, Schulen

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Die Firma Bembé aus Bad Mergentheim ist Europas größter Produzent von Massivholzparkett und zugleich größter Verlegebetrieb. Das Unternehmen blickt auf 238 Jahre Geschichte und sah seine Produkte schon mal im Ozean untergehen.

Von Heiko Fritze
Im Taubertal ist Bembé seit 1877 ansässig. Die Gebäude gibt es heute noch.
Im Taubertal ist Bembé seit 1877 ansässig. Die Gebäude gibt es heute noch.  Foto: Bembé

Ehrwürdig knarzen die Dielenbretter im ersten Stock. An den Wänden hängen alte Tafelparkett-Elemente, im Konferenzraum ist nahezu schwarzes Parkett verlegt. In Konferenzzimmern stehen Möbel, die es auch locker in ein Museum schaffen würden. Alles atmet hier Geschichte.

Schließlich blickt die Firma Bembé schon auf eine 238-jährige Geschichte zurück. Angefangen hat alles einst als Tapezier- und Dekorationsgeschäft mit Möbelhandel in Mainz. Heute ist das Unternehmen in Bad Mergentheim ansässig – und Europas größter Parkettverlegebetrieb sowie größter Hersteller von Massivparkett.

Auf der Referenzliste: Adelshäuser, Regierungen und sogar die Titanic

Vom Rhein an die Tauber, vom Möbelhändler zum Bodenverleger waren es viele Stationen. Ein Zwischenschritt war der Start der Möbelfabrikation um 1800. 1840 kam auch eine Parkettproduktion in Köln hinzu, die 1860 nach Mainz verlegt wurde. Von dort ging es 1877 mit der Parkettfabrik nach Mergentheim, damals noch ohne "Bad". "Einer der Gründe dürfte die Nähe zum Spessart gewesen sein", sagt Marketingleiter Thilo Duschner: Aus den Eichen des Waldgebiets werden heute noch Hölzer für Parkettböden hergestellt.

Bis zur Krise nach der Inflation in den 1920er Jahren blieb das Unternehmen in Besitz der Gründerfamilie. Mit Möbeln und aufwendigen Intarsienböden wurden Preise auf Ausstellungen gewonnen und hochrangige Kunden beliefert. Adelshäuser, Regierungen und sogar die Titanic stehen auf der Referenzliste – Bembé-Möbel gingen 1912 mit dem Luxusliner unter.

1925 musste die Möbelproduktion aber schließen, während die Parkettfabrik von der Familie Jucker übernommen wurde. Diese hielt ihre Anteile, bis das Werk zur Jahrtausendwende in Schwierigkeiten geriet. Dann übernahm die Creglinger Unternehmerfamilie Wirthwein die Anteile, strukturierte um und machte den Betrieb wieder rentabel.

Massivparkett-Produktion in Polen

Heute wird Massivparkett nicht mehr in Bad Mergentheim, sondern im eigenen Werk in Polen hergestellt.
Heute wird Massivparkett nicht mehr in Bad Mergentheim, sondern im eigenen Werk in Polen hergestellt.  Foto: Bembé

Heute wird Massivparkett nicht mehr in Bad Mergentheim, sondern im eigenen Werk in Polen hergestellt. Nur Sonderfertigungen wie zum Beispiel Intarsien werden noch am Firmensitz gefertigt – und zwar mit moderner Lasertechnik. In den historischen Gebäuden sind heute Verwaltung und Vertrieb sowie ein Kundenstudio angesiedelt, einige Häuser weiter im Gewerbegebiet befinden sich Versand und Produktion. Die Belegschaft am Stammsitz beträgt knapp 130 Mitarbeiter.

Und sie hat derzeit alle Hände voll zu tun, berichtet Thilo Duschner. Bembé betreibt 47 Studios in Deutschland, so auch in Heilbronn, von wo aus die Verlegearbeiten organisiert werden. 330 festangestellte Parkettleger sind für das Unternehmen tätig. "Wir könnten noch wesentlich mehr verkaufen, als wir momentan auf den Boden bekommen", beschreibt der Marketingchef die Geschäftslage. Vergangenes Jahr wuchs der Umsatz auf 70 Millionen Euro, verlegt wurden etwa 1,1 Millionen Quadratmeter Böden.

Indes: Das Unternehmen will trotz der starken Nachfrage vorsichtig bleiben und nicht unüberlegt expandieren. Studios im Ausland gibt es nicht mehr, fast der komplette Umsatz wird in Deutschland erzielt. "Wir bereiten uns lieber für den Fall vor, dass die Nachfrage eines Tages zurückgeht", erklärt Duschner. Daher würden neue Geschäftsfelder neben der eigentlichen Parkettverlegung erschlossen.

Bembé erschließt neue Geschäftsfelder

Unter anderem ist Bembé seit zwei Jahren mit einem Sanierungssystem für elastische Böden auf dem Markt. Dies eigne sich vor allem für öffentliche Gebäude, in denen solche Böden häufig verlegt sind – und die sich wegen des hohen Publikumsverkehrs trotz aller Elastizität mit der Zeit abnutzen. In Krankenhäusern, Behörden, Schulen oder Hallen: "Manchmal müssen wir innerhalb eines Wochenendes das Projekt durchziehen", sagt Duschner.

Sanierungen werden aber auch für Holzböden aller Art angeboten, von der historischen Diele im denkmalgeschützten Fachwerkhaus über Schlösser und Amtssitze bis zu Privatwohnungen. Und für Pflegeprodukte gibt es seit vier Jahren einen Onlineshop. Aber die Fläschchen sind auch vor Ort erhältlich. "Wir haben einige ältere Damen, die regelmäßig in unsere Niederlassungen kommen und ihr bewährtes Mittel kaufen", erzählt Duschner. Ebenfalls seit vier Jahren ist Bembé mit einem Kooperationspartner mit Vinyl-Designbelägen auf dem Markt.

Manchmal aber kehren die alten Zeiten zurück – wenn alte Böden exakt wie früher restauriert werden sollen. "Wir hatten schon den Fall, dass unsere Mitarbeiter da nicht mit der Schleifmaschine arbeiten durften, sondern nur mit dem Abziehmesser", erzählt Duschner. Warum dieser Auftrag ausgerechnet nach Bad Mergentheim ging? "Wir haben das eben vor 200 Jahren auch schon gemacht."

 

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