Kaufland-Logistikzentrum in Möckmühl: Von hier werden 173 Märkte beliefert
Mitglieder der CDU-Landtagsfraktion informieren sich im Kaufland-Logistikzentrum in Möckmühl über den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Dabei lernen sie allerlei über die Bestell-Taktik kennen – und den Bruchplatz.

KI gehört dazu, Erfahrung und einfach auch das Bauchgefühl: Wenn es darum geht, wie viel Ware ein Supermarkt von Kaufland in den nächsten Tagen benötigt, kommen verschiedene Einflüsse zum Tragen. Zum Beispiel die Lage von Feiertagen und Ferien, der Wetterbericht oder Großveranstaltungen in der Region.
Dass es Restware gibt, ist zwar unvermeidlich. Doch Kaufland hat in seinen Logistikzentren, so auch in Möckmühl, verschiedene Maßnahmen entwickelt, um die Mengen gering zu halten und weiter zu senken. Einen Überblick verschaffte sich jetzt Sabine Kurtz, CDU-Staatssekretärin im Landes-Ernährungsministerium, bei einem Besuch im Rahmen der Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung.
300 Lastwagen werden pro Tag im Kaufland-Logistikzentrum in Möckmühl beladen
Es ist eine imposante Anlage, die seit 2000 unweit der Autobahnabfahrt Möckmühl entstanden ist: 40 Hektar groß, davon 13 Hektar überbaut. Zwei große Hallenkomplexe enthalten ein Fleischwerk, Food- und Nonfood-Logistik. Seit 2017 besteht ein eigenes Frische- und Tiefkühllager auf der anderen Straßenseite.
Beliefert werden 173 Kaufland-Märkte in Baden-Württemberg, dem Saarland sowie Teilen Bayerns, Hessens und von Rheinland Pfalz. 300 Lastwagen werden pro Tag auf die Reise geschickt. Alleine in der Logistik sind in Möckmühl mehr als 1200 Mitarbeiter beschäftigt, erläuterte Niederlassungsleiter Kay Sievers.
Kaufland trifft Maßnahmen gegen Warenverluste
Vier Bausteine sollen dazu beitragen, die Verluste möglichst gering zu halten, erklärte Sievers: ein ausgeklügeltes Warenwirtschaftssystem, ein automatisiertes Kleinteilelager und selbst entwickelte Klapp-Paletten, um jeweils Beschädigungen zu vermeiden, sowie Rettungsarbeiten, sollte doch einmal eine Kiste umgefallen sein.

Dazu gibt es einen sogenannten Bruchplatz: Hier werden alle noch unbeschädigten Flaschen und Dosen gereinigt und wieder versandfertig gemacht. "Rein betriebswirtschaftlich wäre es günstiger, solche Kartons als Ganzes wegzuwerfen", sagte Jochen Kratz, Geschäftsleiter der Kaufland-Region Süd-West. Doch das Unternehmen habe sich zum Ziel gesetzt, die Verluste bis 2030 nochmals zu halbieren. Daher sagte Kratz: "Wir verkaufen Lebensmittel, keine Artikelnummern."
"In vielen Fällen wird weniger bestellt, als ins Regal reinpasst", ergänzte Sievers. "Aber auch Logarithmen sind fehlbar." Restmengen werden auf einzelne Filialen aufgeteilt, die diese dann günstiger anbieten. Ware, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums steht, geht in der Regel an regionale Tafeln. Es gibt auch einen Verkauf an die Mitarbeiter im Logistikzentrum. Und übriges Obst wird zu Obstsalat für die Mitarbeiter-Kantine verarbeitet. "In Summe gibt es fast immer eine Lösung", sagte Kratz. "Da gibt es aber kein Regelbuch. Das ist jedes Mal neu und kreativ."
Erdbeerwetter im September und seine Folgen
Manchmal macht auch schlicht das Wetter einen Strich durch die Kalkulation. Bleibt es im Sommer kalt, lässt sich der vorige Woche bestellte Zug voller Wassermelonen nicht mehr aufhalten. Und zuletzt standen Herbst-Pflanzen wir Erika und Kürbisse bei den Kunden nicht hoch im Kurs. "Wir wussten ja nicht, dass es so warm im September wird. Wir haben ja eher Erdbeerwetter", meinte Kratz.
Staatssekretärin Kurtz lobte den Kurs des Unternehmens, das auch mit der Heilbronner DHBW-Professorin Beate Scheubrein zusammenarbeitet. "Sie sind am Kunden dran. Und diese Kooperation ist keine Selbstverständlichkeit", sagte sie. "Wir müssen mit der Aktionswoche Bürger und Verbraucher erreichen. Doch da brauchen wir Partner, die mitmachen."

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