Kaufland kauft sich einen Onlineshop
Die Schwarz-Gruppe übernimmt real.de und will die Plattform bei ihrer Großflächensparte weiterführen. Dabei hatte Kaufland schon einmal einen Online-Lieferservice und diesen als nicht rentabel beendet. Doch diesmal liegen die Dinge anders.

Die digitale Abstinenz von Kaufland soll bald ein Ende haben: Seit mehr als zwei Jahren ist die Großflächensparte der Schwarz-Gruppe nicht mehr mit einem Onlineshop auf dem Markt. Nun übernimmt Europas größtes Handelsunternehmen den Auftritt der Noch-Metro-Tochter Real - und will ihn, sobald die kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen, unter dem Namen Kaufland weiterführen. Das teilten die Schwarz-Gruppe und der künftige Real-Eigner SCP am Montag mit. Noch - voraussichtlich bis Donnerstag - gehört Real zu Metro, der Verkauf an SCP soll am 25. Juni abgeschlossen sein.
Deutlich weniger Umsatz als lidl.de
In der Riege der größten deutschen Onlineshops ist real.de bislang eher Mittelklasse gewesen: Für 2018 beziffert das EHI Retail Institute den Real-eigenen Umsatz auf 134,7 Millionen Euro, was Rang 55 unter den deutschen Angeboten bedeutet. Zum Vergleich: Der Lidl-Ableger lidl.de kommt mit 757,3 Millionen Euro auf Rang sechs.
Hinzu kommt allerdings der sogenannte Marktplatz, auf dem Händler eigene Waren online anbieten können - ähnlich wie bei Amazon, Ebay, Zalando oder Otto. Hier ist Real mittlerweile unter die Top 5 in Deutschland aufgestiegen. Inklusive dieses Marktplatz-Geschäfts betrug der Umsatz laut den EHI-Daten 2018 sogar 608 Millionen Euro. Zudem ist das Unternehmen seit wenigen Monaten Teil eines Netzwerks mit drei Partnern aus Frankreich, Italien und Rumänien, um gemeinsam Amazon die Stirn bieten zu können - mit insgesamt 30.000 teilnehmenden Händlern und Zugang zu etwa 230 Millionen Kunden.
Das Kartellamt muss noch zustimmen
Entsprechend strategisch wird der Zukauf bei Schwarz eingestuft. "real.de ist ein wesentlicher Baustein unseres künftigen Angebots", lässt sich Rolf Schumann, Vorstand Digitalisierung, zitieren. "Die Kombination aus stationärem Geschäft und Onlinehandel wird uns zusätzliche Möglichkeiten eröffnen." Strategische und operative Details sollen aber erst verkündet werden, wenn die kartellrechtlichen Prüfungen abgeschlossen sind, teilte eine Sprecherin mit.
Lieferservice wurde Ende 2017 eingestellt
Kaufland hat bereits Onlineshop-Erfahrung, hatte aber im Dezember 2017 den Test seines Online-Lieferservices in deutschen Großstädten gestoppt. Die Erfahrungen in Sachen Betriebsabläufe und Kundenfeedback seien zwar positiv gewesen. Jedoch: "Die Pilotphase wurde beendet, da sich der Lieferservice im Lebensmittelbereich auf Sicht nicht kostendeckend betreiben ließ. Durch die Integration des real.de-Online-Marktplatzes bieten sich hier neue Chancen."
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