Kaco New Energy feiert Geburtstagsparty mit Roboter
Der Wechselrichterhersteller aus Neckarsulm ist 25 Jahre alt. In seiner umkämpften Branche ist das keine Selbstverständlichkeit.

Als der riesige Roboter Nox aus dem Tor stampft, ist klar: Dies ist keine gewöhnliche Jubiläumsfeier. Schließlich ist Kaco New Energy auch keine gewöhnliche Firma. Der Wechselrichterhersteller aus Neckarsulm zählt zu den wenigen, die noch in Deutschland produzieren und sich gegen die chinesische Konkurrenz behaupten. Mittlerweile unter dem Dach von Siemens, hatte das Unternehmen Kunden, Lieferanten und Partner zu einer Feier im Heilbronner Parkhotel eingeladen.
Ausgründung aus Traditionsunternehmen
Von Anfang an dabei ist der heutige Technik- und Vertriebs-Geschäftsführer Matthias Haag. Er hatte 1990 zusammen mit Ralf Hofmann angefangen - Haag war damals Werkstudent, Hofmann junger Elektroingenieur. 1999, als die Elektroniksparte der Muttergesellschaft Kaco verkauft wurde, machte sich Hofmann zusammen mit dem Alteigentümer Richard Heinrich selbstständig und gründete die Kaco Gerätetechnik. Wechselrichter hatte das Heilbronner Traditionsunternehmen, gegründet 1914, schließlich seit 1954 im Programm. Hofmann und Haag konzentrierten sich mit einem kleinen Team ganz auf Photovoltaik, ein damals noch kleines Gebiet. "Aus heutiger Sicht war das goldrichtig", meinte der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig bei der Feier. Er selbst kenne das Unternehmen ja noch aus seiner Zeit als Rechtsanwalt - seine Unterschrift stehe auf einigen Dokumenten zwischen Würth Solar und Kaco New Energy, erzählte er.
Gute Entwicklung - aber wegen Sonderfaktoren
Die früheren Gesellschafter Ralf Hofmann, Rainer Heinrich und Gerhard Sturm waren übrigens nicht dabei. Gefeiert wurde vielmehr mit Vertretern von Siemens - der Technikkonzern hatte das Unternehmen 2019 übernommen und in die Sparte Electrification & Automation eingegliedert. Im vergangenen Geschäftsjahr sei die Entwicklung sehr gut gewesen, berichtet Haag. Allerdings sei dies immer noch Teil der Sonderkonjunktur durch Corona-Pandemie, gestörte Lieferketten und Ukraine-Krise gewesen - inzwischen seien diese Bestellungen abgearbeitet, die Lager bei den Kunden seien voll. "Im Projekt- und Anlagengeschäft läuft es aber normal weiter, da haben wir gute Auslastung", berichtete er. Nachgelassen habe das Geschäft mit Geräten für Privatkunden. Im Montagewerk in Neckarsulm sei derzeit Kurzarbeit.
Die jüngste Krise wurde gemeistert
Große Schwankungen sind aber für die Branche fast schon normal. 2009 zählten die Neckarsulmer zu den drei größten Herstellern der Welt. Doch der Wettbewerb schlief nicht. Nach dem Gipfel 2011, als Kaco New Energy mehr als 550 Mitarbeiter in der Region zählte und einen Umsatz von 440 Millionen Euro erreichte, schrumpfte das Geschäft wegen zunehmender Dumping-Konkurrenz aus Fernost drastisch zusammen. Doch auch diese Krise hat das Unternehmen gemeistert. Aktuell sind es 225 Beschäftigte, berichtet Haag. "Es ist eine herausfordernde Situation, aber wir sind gut aufgestellt", sagte er. "Wir sind zuversichtlich, dass wir auch in den nächsten 25 Jahren die Photovoltaik-Industrie bereichern können." Jens-Ole Kück, Vorsitzender der Geschäftsführung, lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Siemens. "Wir haben die Firma wirklich umgestellt. 25 Jahre in diesem Geschäft heißen schon etwas - bei allen Aufs und Abs."
"Die Welt retten - und dabei auch noch Geld verdienen"
Staatssekretär Andre Baumann vom Landes-Umweltministerium fasste den Unternehmenszweck so zusammen: "Die Welt retten - und dabei auch Geld verdienen." Seit er 2021 das Unternehmen erstmals besucht habe, setze sich die Landesregierung für die Branche ein, auch in Brüssel. Und in das geplante Solarpaket I gehöre unbedingt der Resilienzbonus, der heimischen Herstellern einen Vorteil verschaffe. Denn die Abhängigkeit von China sei "geopolitisch fatal". Photovoltaik müsse auf Dächern und Freiflächen einfacher und schneller ausgebaut werden. "Wenn die Module und Wechselrichter dann verbaut werden, müssen sie aus Europa kommen", forderte Baumann. "Wir brauchen günstigen Strom, und den können Sie liefern. Das ist knallharte Industriepolitik."
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