Im Dreck waten muss keiner mehr

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Wachstum in Nischen: Der Krautheimer Kanalreiniger Türpe expandiert seit Jahren

Von Klaus Thomas Heck
Thomas Kilian muss bei der Kanalreinigung kaum noch in den Untergrund. TV-Übertragungen mit Mini-Kameras sorgen für Durchblick. (Fotos: Heck)
Thomas Kilian muss bei der Kanalreinigung kaum noch in den Untergrund. TV-Übertragungen mit Mini-Kameras sorgen für Durchblick. (Fotos: Heck)  Foto: Von Klaus Apitz

60 Mitarbeiter, sechs Standorte. Zählt man rechtlich selbstständige Unternehmen wie die SBH (Sonderabfallentsorgung und Behandlung Hohenlohe) dazu, die einst aus der Türpe-Gruppe entstanden, sind es 120 Angestellte. Allein in Krautheim erwirtschaftet der Firmenverbund knapp zweistellige Millionenumsätze. In den kommenden Monaten will Türpe (36) sein Zweieinhalb-Hektar-Areal nahe der Jagst um eine Fahrzeughalle erweitern.

Zur Säuberung kommunaler und privater Kanalnetze ist längst die Entsorgung gekommen. Auf dem Krautheimer Betriebsgelände hat Türpe sein eigenes Sonderabfall-Zwischenlager eingerichtet.

Um alte Farben, Lacke oder Ölschlämme kümmert sich die SBH, die nach dem hohen ISO 9000-Standard zertifiziert ist. Es gibt einen Schredder für Druckfarben, eine Spraydosen-Recyclinganlage und ein Speziallager für leicht entflammbare Lösungsmittel. Für chemische Untersuchungen und Bodenproben steht das LUH (Labor für Umweltanalytik Hohenlohe) zu Verfügung. Das gehörte bis 2002 zur Türpe-Gruppe und wurde dann an Manfred Knorr, einen ehemaligen Mitarbeiter, abgegeben.

Im Kanalreinigungsgeschäft spürt Olaf Türpe, der täglich vom Wohnort Lauffen nach Krautheim pendelt, die zunehmende Konkurrenz: "Die Gewinnspannen nehmen permanent ab." 1990 kamen noch 60 Prozent des Auftragsvolumens von Stadtverwaltungen, die ihr Abwassernetz auf Vordermann bringen wollten. Heute beträgt deren Anteil gerade noch fünf Prozent. "Da wird nur noch das Nötigste gemacht." Die Gefahr von Wasserrückstaus, Verstopfungen oder Rattenproblemen steigt. Im Gegenzug werden private Häuslebauer oder Großkunden wie Audi immer wichtiger. Türpe: "Ohne die Industrie gäbe es uns längst nicht mehr."

Im Untergrund hat moderne Technik Einzug gehalten. Mitarbeiter, die in engen, stinkenden Kanälen unterwegs sind, gibt es nicht mehr. Türpe setzt auf Minikameras, die die Kanäle abfahren, wobei die Übertragung im Spezialwagen kontrolliert wird - bis zu 400 Meter entfernt. Der Kunde erhält so Neigungsprotokolle, Kanalprofile und digitale Aufnahmen. Für Notfälle wie Wurzeleinwuchs oder Versetze gibt's Wasser-Hochdruck-Spülverfahren, Kettenfräsen oder Kurzliner, die die Rohre punktuell mit Klebemasse abdichten können.

Wer überleben will, muss wachsen. Allein vier kleinere Rohrreinigungsfirmen hat die Türpe GmbH in den vergangenen Jahren übernommen, Nummer fünf ist in Vorbereitung. Übernahmen? "Wir haben sie unterstützt und überzeugt, dass die Integration in die Türpe-Gruppe besser für sie ist", sagt Olaf Türpe und lächelt. Zuletzt kamen die Nassreinigungs-Kunden der Bretzfelder Altvater GmbH hinzu und 2003 ein Großauftrag zur Überprüfung des Kanalnetzes im Istanbuler Stadtteil Taksim. Türpes Ausblick für 2004 ist optimistisch: "Im ersten Quartal ist unser Umsatz im einstelligen Bereich gestiegen. Bis jetzt sind wir jedes Jahr gewachsen."


Herr der Rohre: Olaf Türpe (36).
Herr der Rohre: Olaf Türpe (36).  Foto: Von Klaus Apitz
 
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