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Geld investieren in Krisenzeiten: Experten geben Tipps für sichere Anlagen

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Vermögensexperten empfehlen, Erspartes nicht unverzinst auf dem Girokonto liegen zu lassen. Stattdessen raten sie dazu, einen langfristigen und strategischen Anlageplan zu entwickeln.

Von Florian Junker

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Krisen, Krieg und Energiepreisschock – was bedeutet das für mein Erspartes? Bei einer Telefonaktion der Heilbronner Stimme in Kooperation mit der Münchner V-Bank konnten unsere Leserinnen und Leser Fragen zu Geldanlagethemen an vier erfahrene und unabhängige Vermögensverwalter stellen.

Christian Köffler von I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH. Michael Magnus von der Capitell Vermögens-Management AG aus Heilbronn. Detlef Wolfinger von der German Capital Management AG (GECAM) am Standort Heidelberg und Matthias Hink von Lang & Hink FinanzPartner GmbH aus Heilbronn. Das waren die gefragtesten Themen:

Da ich schon etwas älter bin und gerade 50.000 Euro aus einer Versicherung ausbezahlt bekommen habe, würde ich gerne wissen, wie man das rentabel, schnell verfügbar und sicher anlegt?

Benötigen Sie das Geld in absehbarer Zeit, um sich einen schönen Lebensabend leisten zu können, sind Sie bei Tages- und Festgeldangeboten genau richtig. Hier kann ein Vergleich mehrerer Anbieter eventuell noch den einen oder anderen Euro mehr Zinsen bringen. Wer finanziell bereits gut abgesichert ist und die ganze Summe oder einen Teil davon eher für später oder vielleicht auch schon für die nächste Generation investieren will, kann andere Optionen abwägen. Je nach möglicher Anlagedauer könnten dann aktive Mischfonds oder ETFs auf Aktienindices eine Idee sein.

ETFs und Sparpläne: Warum Durchhalten auch in Krisenzeiten entscheidend ist

Ich investiere schon lange in Aktien und ETF-Sparpläne, soll ich das jetzt auch in der Krisenphase weitermachen?

Sparpläne haben einen ganz automatischen Vorteil, wenn sie durchgehalten werden. Wer monatlich eine feste Summe investiert, kauft eher wenige Anteile, wenn die Kurse hoch sind und mehr, wenn sie gefallen sind. Durch diesen Durchschnittskosteneffekt fallen Schwankungen bei einem langfristigen Sparplan immer weniger ins Gewicht. Aber das funktioniert natürlich nur, wenn gerade auch in Krisenphasen weiter gespart wird.

Warum reicht es nicht, das Ersparte auf Festgeldkonten zu sammeln oder in sichere Anleihen zu investieren?

Jeder sollte eine schnell verfügbare finanzielle Reserve zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto haben, wenn unvorhergesehene Ausgaben anfallen. Auch bei Kapital, das zum Beispiel in einem Jahr zur Ablösung eines Kredits oder für eine zeitlich absehbare Renovierung einer Immobilie gebraucht wird, sind diese Parkmöglichkeiten die richtige Wahl. Um langfristig die gerade wieder anziehende Inflation auszugleichen, reichen die Renditen solcher festverzinslichen Angebote in der Regel jedoch nicht aus. Deswegen sollten für einen meist über Jahrzehnte laufenden Vermögensaufbau auch Anlagebausteine mit höheren Renditechancen genutzt werden, damit am Ende nicht nur eine große Zahl auf dem Konto steht, sondern eine hohe reale Kaufkraft vorhanden ist.

Gold als Kriseninvestment? Anlage birgt auch Risiken

Gold gilt doch eigentlich als das Kriseninvestment, warum ist das Edelmetall gerade trotz Irankrieg aber gar nicht so gefragt?

Tatsächlich ist die momentane Bewegung bei diesem Edelmetall historisch ein Stück weit atypisch. Aber daran müssen sich Goldanleger wohl gewöhnen, der Charakter dieses Investments ist schwankungsanfälliger geworden. Das liegt nicht zuletzt auch an der etwas übertriebenen Entwicklung der letzten Monate. Gleichzeitig zieht die Inflation wohl wieder an und die Märkte erwarten in Folge ein eher steigendes Zinsniveau, was unverzinstes Gold als Investment unattraktiver machen könnte. Zudem hat Gold auch ein gewisses Währungsrisiko, da es in US-Dollar gehandelt wird. Es könnte an der Zeit sein, die bei manchen inzwischen oft hohe Gewichtung von Gold zu hinterfragen und eher den unteren Bereich der oft empfohlenen 5-15 Prozent am Gesamtvermögen anzustreben.

Gibt es ETFs die Rüstungswerte komplett ausschließen?

Grundsätzlich gibt es viele ETFs am Markt, die ethische Themen bei der Auswahl miteinbeziehen und hier sind meist auch reine Rüstungswerte involviert. Zum Beispiel bieten einige Anbieter Produkte an, die das Kürzel ESG im Namen tragen. Das steht für Environmental, Social und Governance und es sollen dann nur solche Unternehmen enthalten sein, die gewisse Vorgaben in den Bereichen Umwelt, soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung erfüllen. Noch strenger ist grundsätzlich die Auswahl mit dem Akronym SRI, was für Socially Responsible Investment steht. Ob allerdings die Kriterien für eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Geldanlage genau den eigenen Vorstellungen entsprechen, sollten Anleger im Einzelfall nachprüfen.

Geld für Enkel anlegen: So profitieren Kinder von langfristigen Investments

Wie lege ich Geld für meine Enkel am besten an?

Viele Banken bieten Depots für Kinder und Jugendliche an, darüber können Großeltern wunderbar Sparpläne zum Beispiel auf weltweit gestreute ETFs anlegen. Der Vorteil bei so einem Investment für Enkel ist, dass die angestrebte Anlagedauer in der Regel ein oder mehrere Jahrzehnte beträgt, überwiegen die Renditechancen in der Regel die Schwankungsrisiken deutlich. Denn bei so einem langen Anlagehorizont fallen momentane Kurstäler am Aktienmarkt erfahrungsgemäß kaum ins Gewicht.

ETFs, Fonds, Aktien – lohnt es sich in solch schwierigen Zeiten hier noch etwas zu kaufen?

Jede Anlageklasse hat ihre Vor- und Nachteile und Anleger sollten sich genau ansehen und verstehen, was hinter dem Produktnamen steckt und welche Kosten damit verbunden sind. Grundsätzlich war eine breit gestreute Beteiligung an Aktien von soliden Unternehmen gerade in schwierigen Zeiten eine langfristig eher gute Option. Auch diese Kurse schwanken, wenn schlechte Nachrichten die Märkte erschüttern, aber haben sich bisher stets relativ schnell erholt. Langfristig war so eine Beteiligung am Produktivkapital in aller Regel eine der besten Optionen, um die Kaufkraft von Vermögen auch in schwierigen Zeiten zu erhalten.

Ich habe 50.000 Euro auf dem Girokonto und wollte die jetzt investieren, aber ist das bei der momentanen Krisenstimmung der richtige Zeitpunkt?

Das richtige Timing an der Börse zu erwischen, ist praktisch unmöglich. Niemand hat eine Glaskugel, um den Kursverlauf sicher vorhersagen zu können. Erfahrungsgemäß belasten gerade politische Krisen die Börsen oft nur überraschend kurz. Um zu verhindern, dass sie genau zum verkehrten Zeitpunkt einsteigen, kann es Sinn machen, die Summe aufzuteilen und den Einstieg zeitlich zu staffeln. Also zum Beispiel ein Drittel jetzt, ein Drittel in einem halben Jahr und eines am Jahresende.

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