Gegensätze und Einigkeit
Von unserem Redakteur Jürgen Paul Das Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall lebt immer auch von seinen Gegensätzen. Da trifft Old Economy auf New Economy, da trifft der schwäbische Mittelständler auf den silicon-valley-beseelten Gründer.

Von unserem Redakteur Jürgen Paul
Das Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall lebt immer auch von seinen Gegensätzen. Da trifft Old Economy auf New Economy, da trifft der schwäbische Mittelständler auf den silicon-valley-beseelten Gründer. Die Diskussion der 500 Teilnehmer über die Geschäftsmodelle, der lebhafte Austausch zwischen den Programmpunkten nehmen an den drei Kongresstagen breiten Raum ein in der Bausparkasse Schwäbisch Hall.
Sorgen Zwei Themen dominierten die mittlerweile siebte Auflage des von Walter Döring ins Leben gerufenen Weltmarktführertreffens, das gestern zu Ende ging: Die Politik des US-Präsidenten Donald Trump und der Megatrend Digitalisierung. Die Sorge über Trumps Kurs war überall spürbar: Bei den Referenten, die mal mehr, mal weniger deutlich dazu aufriefen, Haltung gegenüber Trumps protektionistischer Politik zu zeigen. Auch an den Stehtischen im Foyer fand kaum ein Gespräch ohne das Thema Trump statt. Ein Kuschelkurs gegenüber den USA, so die verbreitete Meinung, sei kein geeignetes Mittel − vielmehr müsse Europa selbstbewusst auftreten, um die eigenen Standpunkte und Interessen deutlich zu machen.
Bei den Vorträgen wurde sichtbar, dass die Digitalisierung alle Wirtschaftsbereiche verändern wird − die spannende Frage ist nur, wie schnell. Hohes Tempo ist für Alexander Lakemeyer ein entscheidender Erfolgsfaktor. "Früher hieß es, die Großen fressen die Kleinen. Heute fressen die schnellen Unternehmen die langsamen", sagt Lakemeyer. Der Betriebswirt ist ein klassischer Start-up-Gründer, der schon mehrere Firmen aufgebaut hat. Sein jüngstes Baby ist die Online-Plattform Pinpools, auf der er Mittelständler aus der Chemie- und Kunststoffbranche mit Lieferanten zusammenbringt. Pinpool verdient nur, wenn die registrierten Unternehmen tatsächlich Geschäfte machen. "Es läuft ganz zufriedenstellend", berichtet der Gründer lächelnd.
Dem konservativen deutschen Geschäftsmodell − Businessplan, Kredit von der Hausbank, sparsames Wirtschaften, Risikovermeidung − kann Lakemeyer nicht viel abgewinnen. "Wenn Sie zur Volksbank nebenan gehen, brauchen Sie zehn Jahre", preist er die Vorteile von Risikokapital. Eine Internetplattform sei schnell und günstig aufgebaut. Doch "man braucht viel Geld, um schnell zu wachsen".
Skalierbarkeit lautet das Zauberwort der Internet-Branche. Nur wenn das Geschäftsmodell in möglichst kurzer Zeit viele Märkte und Menschen erreiche, habe es Aussicht auf Erfolg. Die Konzentration auf den Gewinn, wie sie Mietwagenunternehmer Erich Sixt am Vortag gepredigt hatte, interessieren Gründer wie Lakemeyer erst einmal nicht. Hier geht es um aggressives Wachstum, um Marktanteile, um schiere Größe. Kasse wird später gemacht, wenn "Monopolgewinne abgeschöpft" werden können.
Bundesdruckerei Neben Start-ups, die mitunter per Skype aus dem Silicon Valley zugeschaltet werden, zeigen auf dem Kongress auch vermeintlich langweilige Unternehmen wie der Haller Saunabauer Klafs oder die Bundesdruckerei, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt haben. Die Bundesdruckerei etwa macht nur noch zehn Prozent ihres Umsatzes von 478 Millionen Euro mit dem Drucken von Banknoten. Das Unternehmen hat sich laut Ulrich Hamann, Vorsitzender der Geschäftsführung, zum Komplettanbieter für sichere Identitäten entwickelt. Schließlich steckt in den Pässen und Ausweisen, die die Bundesdruckerei herstellt, jede Menge Hightech in Form von Chips. Hamann: "Wir sind heute schon Industrie 4.0".

Stimme.de
Kommentare