Gründung der Firma Förch vor 60 Jahren: Alles begann in einem Kuhstall
Vor 60 Jahren gründete Theo Förch sein Handelsunternehmen in Neuenstadt, seine Selbstständigkeit begann in einer Scheune. Heute blickt er zufrieden zurück und zuversichtlich in die Zukunft.

Vom Besprechungszimmer im Stockwerk der Geschäftsleitung kann man es im Winter sogar sehen: Wenn kein Laub an den Bäumen hängt, ist der Blick frei zum elterlichen Anwesen, wo 1963 alles anfing. In Neuenstadt-Kochertürn, in der Scheune des landwirtschaftlichen Hofs seiner Familie, machte sich Theo Förch damals selbstständig. 5000 Verbrauchsartikel für Kfz-Händler und -Werkstätten hatte er anfangs im Sortiment. Die ersten Pakete brachte der 27-Jährige noch persönlich zur Post.
Gründung der Firma Förch vor 60 Jahren: Die Kühe mussten dem Warenlager weichen
An seine erste Auslieferungsfahrt am 22. November jenes Jahres kann sich Theo Förch noch heute gut erinnern. "Es war 16.35 Uhr, als im Radio die Nachricht vom Attentat auf Kennedy kam", erzählt er. Plötzlich war wieder alles ungewiss, die weltpolitische Lage, die Zukunft des jungen Unternehmens . Doch Theo Förch machte weiter, wollte nicht wieder zurück zu NSU, wo er im Entwicklerteam des Wankelmotors für die Bremsenstände und Fahrversuche zuständig war. Der Kuhstall das Bauernhofs wurde zum ersten Warenlager.
"Auf der einen Seite standen die Kühe, auf der anderen Seite die Regale", erinnert sich sein Sohn Wolfgang Förch. 1965 geboren, streifte er als kleiner Junge gerne durch das Anwesen. "Der Bauernhof interessierte mich damals natürlich mehr als die Firma meines Vaters." Wer erfolgreicher war, konnte er aber im Kuhstall beobachten: Die Zahl der Regale nahm stetig zu, und irgendwann mussten die Rinder raus.
Theo Förch: "Bei den großen finanziellen Fragen werde ich noch eingebunden"
Heute ist Wolfgang Förch Beiratsvorsitzender der Unternehmensgruppe Theo Förch. "Der Beirat arbeitet eng mit der Geschäftsleitung zusammen", erzählt er. "Das funktioniert gut so. Ich bin fast im Tagesgeschäft drin." Auch sein Vater ist nahezu täglich im Betrieb. "Bei den großen finanziellen Fragen werde ich noch eingebunden", sagt er. Zum Beispiel, wenn es darum geht, ob und wie das Logistikzentrum gebaut werden soll, dass schon einmal angekündigt war. Das Grundstück in Boxberg-Windischbuch gibt es, die Baugenehmigung ist da, aber es könnte nun alles etwas anders ausfallen. "Wir haben uns in den Niederlanden vor einigen Tagen ein neuartiges Fördersystem angeschaut", erzählt Wolfgang Förch. Nicht mehr mit Transportbändern, sondern mit automatisierten Förderfahrzeugen. "Davon sind wir sehr überzeugt", ergänzt Theo Förch. "Wir planen daher gerade um."
Eigene Lager- und Logistikhallen in vielen Ländern
Platz wird jedenfalls benötigt, denn das Wachstum geht weiter. Vor wenigen Wochen wurde der langjährige Vertriebspartner Van-Line Norge in Norwegen übernommen. In Spanien läuft der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes mit Lager und Logistikhalle. In Rumänien wurde ein solcher Neubau in diesem Jahr eingeweiht, in Bozen (Südtirol) und Zagreb (Kroatien) sollen die nächsten derartigen Bauprojekte folgen. "Wir haben vor einigen Jahren beschlossen, uns nicht mehr einzumieten, sondern eigene Objekte zu errichten", erläutert Theo Förch die Entwicklung.
Anders hält es das Unternehmen hingegen mit seinen inzwischen 33 Verkaufsniederlassungen: Fast alle sind angemietete Ladenflächen, nur eine Handvoll wurde selbst gebaut. "Man bindet sich sonst langfristig", erklärt Geschäftsführer Andreas Pescht, der das Unternehmen seit vergangenem Jahr alleine leitet. "Der Shop alleine bringt uns keine Marktbearbeitung. Dafür sorgen unsere Berater." Die Shops würden aber die Kundenbindung stärken. Förch wird da neben Würth vom Studiengang BWL-Handel der Heilbronner DHBW als einer der wenigen Nonfood-Anbieter mit Smart-Store-Konzept gelistet.
Herausfordernde Zeiten für die Unternehmensführung: Die Baubranche in der Krise, die Kfz-Sparte läuft gut
Geschäftsführer Pescht (58) kennt sich in dem Unternehmen bestens aus: Vor 28 Jahren begann der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann bei Förch, arbeitete eine Zeitlang im Vertrieb, konzentrierte sich dann auf das Finanzwesen. Heute ist er in der Gruppe als kaufmännischer Geschäftsführer für die Finanzen und die Supply Chain zuständig. Ihm zur Seite steht der langjährige Geschäftsführer Reinhold Kuhn, der nun als Generalbevollmächtigter fungiert. Er war von 2013 bis 2017 Konzerngeschäftsführer und wechselte anschließend in den Beirat. Dieses Mandat ruht jetzt.
Die Zeiten sind für die Unternehmenslenker herausfordernd. Während die Umsätze in der Kfz-Sparte zulegen, spürt das Unternehmen die Probleme der Baubranche. "Sanierungen laufen noch, aber Neubauten sind total eingebrochen", berichtet Wolfgang Förch. "Der Bedarf bei Infrastruktur und Wohnungen ist zwar da, aber die Unsicherheit ist groß. Mein Befürchtung ist, dass jetzt bei den Baufirmen Arbeitsplätze verloren gehen wie in der Gastronomie während Corona - und dass sie dann später ebenfalls fehlen." Förch steuere dank seines hohen Anteils der Kfz-Branche dieses Jahr dennoch auf ein Umsatzplus von sieben bis acht Prozent zu, ergänzt Pescht. "In der Kfz-Branche läuft der Markt normal, in einigen Ländern sogar sehr gut."
Firmengründer blickt positiv in die Zukunft der Branche
Grund zum Feiern besteht also allemal. Eine große Veranstaltung für alle gut 3500 Mitarbeiter ist zwar nicht geplant, aber es gibt Aktionswochen, einen Kunden- und einen Lieferantentag. Für Theo Förch, den sein Sohn "den dienstältesten Mitarbeiter" nennt, ist dies auch Anlass zum Rückblick: "Es waren erfolgreiche Wege bis heute. Die nächsten 60 Jahre werden nicht annähernd ähnlich verlaufen, aber unsere Branche hat eine große Zukunft – weil wir alles das liefern, was man überall braucht."
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare