Fall Stanelle: Insolvenzverwalter droht Ärger

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Güglingen/Heilbronn - Vor neun Jahren hat die Pleite des Güglinger Silobauers Stanelle HS Silo-Anlagentechnik GmbH für dicke Schlagzeilen gesorgt. Der Heilbronner Insolvenzverwalter Volkmar Büschel hatte den Betrieb damals unter fragwürdigen Umständen an einen Investor übergeben, der den Kaufpreis allerdings nie überwiesen hat - es handelte sich seinerzeit um immerhin 16,8 Millionen Mark. Für die Justiz ist der Fall offenbar noch nicht abgehakt.

Güglingen/Heilbronn - Vor neun Jahren hat die Pleite des Güglinger Silobauers Stanelle HS Silo-Anlagentechnik GmbH für dicke Schlagzeilen gesorgt. Der Heilbronner Insolvenzverwalter Volkmar Büschel hatte den Betrieb damals unter fragwürdigen Umständen an einen Investor übergeben, der den Kaufpreis allerdings nie überwiesen hat - es handelte sich seinerzeit um immerhin 16,8 Millionen Mark.

Nach monatelangem Abwarten hatte Büschel die Schlösser an dem Güglinger Firmengebäude austauschen lassen und dem neuen Mann Hausverbot erteilt. Damals war vom außergewöhnlichen Fall einer „Pleite in der Pleite“ die Rede. Am Ende stand eine Versteigerung des Inventars - 125 Arbeitsplätze waren weg.

Pflichtverletzung

Neun Jahre sind seither ins Land gezogen, für die Justiz ist der Fall aber offenbar noch nicht abgehakt: Vergangene Woche trafen sich die Gläubiger von Stanelle zu einer „besonderen Gläubigerversammlung“ mit einer außergewöhnlichen Tagesordnung. Der Nürnberger Anwalt Joachim Exner, der vom Heilbronner Gericht in dem Fall als Sonderinsolvenzverwalter eingesetzt ist, verhandelte um die Zustimmung der Gläubiger, dass er wegen „schuldhafter Pflichtverletzungen“ des Insolvenzverwalters Schadensersatzansprüche gegen den Heilbronner Rechtsbeistand auch per Gericht durchsetzen darf.

Worin die Pflichtverletzungen des alten Insolvenzverwalters im Detail bestanden haben sollen, geht aus den veröffentlichten Unterlagen allerdings nicht hervor. Sonderinsolvenzverwalter Joachim Exner ist zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Neue Firma

Abseits der juristischen Details, mit denen Gelder für die Gläubiger erstritten werden sollen, hat die Geschichte ohne den Investor eine positive Wendung genommen: Unter der Führung des alten Geschäftsführers Karl-Heinz Stanelle gibt es in der Güglinger Langwiesenstraße längst wieder einen gleichnamigen Silobauer, wenngleich die Zahl der Arbeitsplätze an früher nicht mehr herankommt. Zwöf Mitarbeiter beschäftigt Stanelle in seinem neuen Unternehmen, das er vor zwei Jahren übernommen und das außer den Namen mit der alten Firma nichts mehr gemein hat. Wirtschaftlich sind beide Unternehmen nicht miteinander verbunden.

Ein Sonderinsolvenzverwalter kommt übrigens nur sehr selten zum Einsatz. In der Regel greift ein Insolvenzgericht zu diesem Mittel, wenn es in einem Verfahren zu Interessenskonflikten kommen kann - oder um die Arbeit eines Verwalters zu überprüfen. mfd, wet

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