Es kann nur teurer werden

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Geldinstitute versuchen derzeit, über höhere Gebühren für Dienstleistungen die Niedrigzinsphase auszugleichen.

Von dpa und Bianca Zäuner
Preiserhöhung im Kleinen: Manche Geldinstitute haben auch die Gebühren für Bankschließfächer deutlich angehoben.
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Preiserhöhung im Kleinen: Manche Geldinstitute haben auch die Gebühren für Bankschließfächer deutlich angehoben. Foto: dpa  Foto: Jens Wolf

Die Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) belasten deutsche Banken schwer. Sie müssen sogar Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Dass einzelne Institute die Negativzinsen direkt an Privatkunden weitergeben, hält der Bankenverband zwar für unwahrscheinlich. Ganz auf eigene Rechnung nehmen können sie die Entwicklung aber nicht, manche erhöhen die Gebühren. Kommt nun eine Kostenwelle auf die Verbraucher zu?

 

Firmenkunden zahlen oft schon Strafzinsen für Bankeinlagen. Droht das auch Privatkunden?

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, glaubt nicht, dass Privatleute beim Sparen bald draufzahlen müssen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir im Privatkundengeschäft Negativzinsen sehen werden", sagte er jüngst. "Dafür ist der Wettbewerb zu hart." Höhere Gebühren für Sparer schloss Kemmer aber nicht aus. Tatsächlich erhöhen manche Banken schon Gebühren.

Wie stark steigen die Kontoführungsgebühren?

Bis Ende Juli haben sechs von 61 größeren Banken die Kontoführungsgebühren erhöht. So verlangen etwa die Hypovereinsbank sowie die Sparkassen Leipzig und Wuppertal mehr. Auf breiter Front steigen die Entgelte aber nicht. "Wir sehen einige markante Änderungen", sagt Frank-Christian Pauli, Finanzexperte des Verbraucherzentralen-Bundesverbands.

Wie sieht es bei Gebühren für einzelne Bankdienste aus?

Hier steigen die Entgelte häufiger. So haben mindestens 19 Banken die Jahresgebühren für Kreditkarten erhöht. Fällig werden nun bis zu 40 Euro. Sieben Institute verlangen mehr Geld für Überweisungen per Papier-Formular, ebenso viele haben Gebühren für EC-Karten eingeführt, etwa die Sparda-Bank Hamburg. Und bei fünf Instituten kosteten Überweisungen am Automaten in der eigenen Filiale zwischen 0,50 und 1,90 Euro. Pauli kritisiert komplexe Entgeltmodelle: Manche Banken vermarkteten Konten mit niedrigen Dispo-Gebühren, dafür sei dann aber die Kontoführung teurer. "Für Verbraucher wird es zunehmend schwierig, die Gebühren zu durchschauen."

Und wie sieht es in Heilbronn-Franken aus?

Für die Sparkasse Hohenlohekreis sagt Vorstandschef Werner Gassert: "In den letzten Jahren haben wir keine Gebührenveränderungen durchgeführt und im Moment gibt es auch keine konkrete Planungen." Bei der Kreissparkasse Heilbronn heißt es, sie nehme das Niedrigzinsniveau "nicht zum Anlass, um auf breiter Front an der Preisschraube zu drehen. Preiserhöhungen für Privatgirokonten sind aus heutiger Sicht nicht geplant." Auch bei der Volksbank Heilbronn gebe es diesbezüglich "keinerlei Überlegungen", sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Hinderberger.

Warum erhöhen Banken die Gebühren überhaupt?

Sie stehen wegen der Niedrigzins-Politik der EZB unter Druck. Banken können Kundeneinlagen kaum noch rentabel anlegen und für vergebene Kredite immer weniger Zinsen verlangen. Horten sie überschüssiges Geld bei der EZB über Nacht, zahlen sie 0,4 Prozent Strafzinsen. "Banken sind derzeit froh, wenn sie keine neuen Einlagen bekommen", erklärt Peter Barkow, Gründer der Finanzberatung Barkow Consulting. Doch an Privatkunden könnten sie die Negativzinsen schwer weitergeben. "Daher weichen sie auf höhere Gebühren aus."

Sind nun massenhafte Preis- erhöhungen zu befürchten?

Die Mehrzahl der Banken hat die Gebühren in den vergangenen zwölf Monaten nicht erhöht. Auch bei den Großinstituten Deutsche Bank und Commerzbank sind die Kontoführungsgebühren noch unverändert. Direktbanken bieten weiter kostenlose Girokonten an − ohne Filialen haben sie geringere Kosten. Banken scheuten zu große Gebührensteigerungen, sagt Barkow. Zwar sei angesichts von rund 100 Millionen Girokonten in Deutschland der Hebel auf der Einnahmeseite gigantisch. "Doch mit zu großen Erhöhungen riskieren sie ihre Kundenbeziehung."

Wie sollten sich Verbraucher verhalten?

Pauli empfiehlt Kunden, im Zweifel die Bank zu wechseln. Auch könnten sie Auffälligkeiten den Verbraucherzentralen oder deren Portal "Marktwächter Finanzen" melden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen prüft laut Pauli derweil die Gebührenerhöhungen. Nicht alle Entgelte seien zulässig, sagt er und verweist auf ein Urteil des BGH gegen Kreditbearbeitungsgebühren vom Februar. "Wenn die Untersuchung abgeschlossen ist, werden wir sehen, ob wir klagen."

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