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Karlsruhe/Region

EnBW macht mehr Gewinn dank Kohlestrom

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Der Energiekonzern EnBW hat bei etwas weniger Umsatz den Überschuss deutlich gesteigert. Mehrere Effekte wirkten im ersten Halbjahr gegeneinander.

Das Kohlekraftwerk Heilbronn soll 2026 vom Netz gehen. Block 7 ist ohnehin momentan wegen eines Schadens noch monatelang außer Betrieb.
Das Kohlekraftwerk Heilbronn soll 2026 vom Netz gehen. Block 7 ist ohnehin momentan wegen eines Schadens noch monatelang außer Betrieb.  Foto: Fritze, Heiko

Beim Energiekonzern EnBW füllen derzeit vor allem der Netzbetrieb und die konventionellen Kraftwerke die Kassen. Das geht aus den Halbjahreszahlen hervor, die der Konzern am Freitag vorlegte. Demnach stieg das operative Ergebnis im Geschäftsfeld Netze um 70 Prozent auf rund 1,02 Milliarden Euro. Im Segment Stromerzeugung und Handel betrug das Plus 68 Prozent und erreichte 2,6 Milliarden Euro.

Mehrere Faktoren machte Finanzvorstand Thomas Kusterer für diese Entwicklung aus. Dass das Ergebnis in der Sparte Netze so stark stieg, liege vor allem an höheren Entgelteinnahmen - das Unternehmen legte hier die Kosten für die Netzreserve und Redispatch-Maßnahmen, also die Zuschaltung fremder Stromversorger, auf die Kunden um.

Mehr Windkraft und Photovoltaik, aber sinkende Preise

Bei Stromerzeugung und Handel legte das Ergebnis aus erneuerbaren Energiequellen nur um 3,2 Prozent auf 565 Millionen Euro zu. Einerseits seien zwar 200 Megawatt neue Windräder an Land und Photovoltaikanlagen hinzugekommen. Auch die Laufwasserkraftwerke lieferten viel Strom. Andererseits seien die Preise für Strom in der Direktvermarktung gefallen und haben diese Effekte nahezu ausgeglichen, erläuterte der Vorstand.

Dafür steuerten konventionelle Kraftwerke gleich zwei Milliarden Euro zum operativen Ergebnis bei. Hier hätten sich höhere Großhandelspreise ausgewirkt, außerdem habe es im Vorjahreszeitraum Verluste bei der Gastochter VNG durch den Ukraine-Krieg gegeben, die nun entfallen sind. Da aber nun auch der letzte Meiler im Kernkraftwerk Neckarwestheim abgeschaltet ist, gehe der Vorstand davon aus, dass das zweite Halbjahr beim Ergebnis unter dem des ersten Halbjahres liegen wird.

Pleite des Biogas-Händlers BMP

Insgesamt lag der Umsatz nach sechs Monaten mit 26,7 Milliarden Euro um 1,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Überschuss verfünffachte sich dafür nahezu - von 563,9 auf 2,5 Milliarden Euro. Dabei hat die Insolvenz des Biogas-Händler BMP Greengas 251 Millionen Euro an Abschreibungen und Wertberichtigungen verursacht, räumte Kusterer ein. Es habe aber keinen anderen Weg gegeben, als die Gesellschaft in Sanierung in Eigenverwaltung zu schicken. "Hauptziel ist, die BMP zu stabilisieren", sagte er.

Einen Rückschlag musste die EnBW auch bei den jüngsten Auktionen für Windkraftprojekte auf See verkraften: Die vier Felder in Nord- und Ostsee gingen an zwei Mineralölkonzerne. Eine EnBW-Sprecherin teilte seinerzeit mit: "So, wie sich der Wettbewerb und die Zuschlagshöhen entwickelt haben, sind wir mit unserer Entscheidung, uns in dieser zweiten Runde zurückzuziehen, zufrieden. Der Offshore-Markt ist aktuell sehr angespannt." Kusterer fügte hinzu: "Wir sind nicht nervös. Es gibt noch genügend Möglichkeiten." Die EnBW hat nun mit dem Bau des Windparks He Dreiht begonnen, ihrem bislang größten derartigen Offshore-Projekt. Lieferschwierigkeiten seien nicht zu erwarten, erklärte der Vorstand. "Für dieses Projekt ist alles gesichert." Anders in Marbach - wegen Problemen mit einem Zulieferer werde das neue Ersatz-Gaskraftwerk dort erst in einem Jahr in Betrieb gehen, sagte er.

Der Konzern selbst will eigentlich 2028 seine Kohlekraftwerke abschalten. "Das Erreichen unserer Ziele setzt eine beschleunigte Energiewende voraus", mahnte Kusterer allerdings.

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