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Heilbronn

Karl Schäuble, ein Kämpfer für die Bildung

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Der Heilbronner Unternehmer Karl Schäuble hat sich an vielen Stellen um die Aus- und Weiterbildung in der Region verdient gemacht. Zum Jahresende gibt er die meisten Ehrenämter ab, der Bürgerstiftung Heilbronn bleibt Schäuble aber erhalten.

 Foto: privat

Karl Schäuble ist keiner, der mit seinen Erfolgen hausieren geht. Wo andere lautstark und selbstgefällig hinausposaunen, was sie so alles bewegt haben, bevorzugt Schäuble die leisen Töne. Er spricht dann davon, dass "man sich einbringen konnte", dass etwas erreicht werden konnte. Das Personalpronomen "Ich" fällt im Gespräch selten. Dabei hätte der Unternehmer, das Wort Manager würde ihm kaum gefallen, genügend Gründe, sich selbst zu loben. Denn Schäuble hat in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht nur den Heilbronner Maschinenbauer Illig zu einer international renommierten Adresse gemacht.

Der gebürtige Rottenburger hat sich daneben in zahlreichen Ehrenämtern unermüdlich für ein Thema engagiert, das für ihn eine Herzenssache ist: Bildung. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch seine Karriere. Und wird es auch noch tun, wenn sich der 69-Jährige zum Jahresende von den meisten seiner Ehrenämter zurückzieht.

Erste Erfahrungen in der Gremienarbeit

Abzusehen ist das nicht, als der junge Wirtschaftsingenieur in den 1970er Jahren beim Offenbacher Autozulieferer Ymos seine berufliche Karriere startet. Schäuble beschäftigt sich mit der Planung und Realisierung von Fertigungsprozessen und Werken für die Kunststoffverarbeitung. Sein Arbeitgeber entsendet ihn in einen Fachausschuss des Verbandes Refa, wo Schäuble an den Richtlinien zur Festlegung von Akkordlöhnen mitarbeitet. "Das war mein erster Kontakt mit paritätisch besetzten Gremien", sagt er.

Es soll nicht der letzte bleiben. Als Schäuble der Liebe wegen nach Heilbronn zieht und 1987 als Geschäftsführer bei Illig, dem Unternehmen der Familie seiner Gattin, einsteigt, steht ehrenamtliche Tätigkeit zunächst nicht im Vordergrund. Es ist die Zeit, in der aus dem Berufsbild des Mechanikers der Mechatroniker wird und die Ausbildung modernisiert wird. Schäuble begleitet diesen Prozess im eigenen Unternehmen. "Bis dahin durfte der Mechaniker elektrische Anlagen nicht anschließen. Dazu brauchte es den Elektriker", erinnert er sich.

Wirtschaftskrise 1992/93 als Einschnitt

Einen echten Einschnitt erlebt Schäuble in der Wirtschaftskrise 1992/93. "Die Unternehmen haben massenhaft Ingenieure entlassen, es gab quasi keine Neueinstellungen mehr", sagt der Wirtschaftsingenieur. In dieser Situation startet die IHK Heilbronn-Franken eine Initiative zur Stärkung der Ingenieursberufe. In vielen regionalen Unternehmen wurden Praktikantenstellen für die Hochschulabsolventen geschaffen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden. "Es kamen Ingenieure aus ganz Deutschland in die Region", erinnert sich Schäuble.

Das Thema lässt ihn fortan nicht mehr los. Es geht Schäuble nicht nur um die Ingenieure, sondern um die sogenannten Mint-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Ende der 1990er Jahre stehen derlei Studiengänge bei jungen Menschen nicht hoch im Kurs, die Studienangebote werden drastisch reduziert. "Der Ingenieursberuf war out", erinnert sich Schäuble. Gemeinsam mit Vertretern der Hochschule Heilbronn, die direkt neben Illig in Sontheim liegt, überlegt er, wie man als Vorsitzender des Fachbeirats Elektronik und Mechatronik die technischen Fächer stärken kann. In der Folge entstehen in Heilbronn Angebote wie der Girls" Day oder die Think-Ing-Tage, die das Interesse junger Leute an Mint-Fächern wecken sollen.

Stärkung der dualen Ausbildung

Schäuble wird später Mitglied im Hochschulrat der Hochschule. Hier kann er seinen wirtschaftlichen Sachverstand einbringen, engagiert sich Ende der 1990er Jahre für die Umsetzung des Bologna-Prozesses und die Stärkung der Dualen Ausbildung. Davon profitiert auch das eigene Unternehmen, wo die Transformation des Elektrikers zum Elektroniker praktisch umgesetzt werden muss. Schäuble setzt bei Illig auf Weiterbildungsprogramme für die Mitarbeiter, ganz nach seinem persönlichen Motto "Lebenslanges Lernen". Da ist es fast folgerichtig, dass er bei der Gründung des Heilbronner Instituts für lebenslanges Lernen (HILL) an der Hochschule beteiligt ist. "Das ist eine erfolgreiche Einrichtung", sagt Schäuble heute.

Regionales Gesicht von Südwestmetall

Der regionalen Öffentlichkeit ist der Wirtschaftsingenieur freilich vor allem als Arbeitgebervertreter bekannt. 2002 wird Schäuble Vorsitzender der Bezirksgruppe Heilbronn-Franken des Verbandes Südwestmetall und in Personalunion Vorstand des Arbeitgeberverbandes Heilbronn-Franken. In diesen Jahren bewegt sich viel in der heterogenen Region, die enger zusammenrückt. Schäuble nennt den Pakt Zukunft der IHK und die Gründung der Bürgerinitiative Pro Region auf Betreiben von Reinhold Würth. Und in Heilbronn beginnt dank der Zuwendungen von Dieter Schwarz die Entwicklung des Bildungscampus. Schäuble unterstützt diese Initiativen. "Es geht nur gemeinsam, lokal und alleine kann man nicht viel bewegen", sagt er. Dass sich Heilbronn heute Universitätsstadt nennen darf, freut ihn besonders.

Veränderungen in der Arbeitswelt umsetzen

Zwar kümmert sich Schäuble in den folgenden Jahren auch stark um die Tarifpolitik. Als Mitglied im engeren Vorstand von Südwestmetall in Stuttgart sitzt er in der Tarifkommission. Das Thema Bildung und Qualifizierung lässt ihn aber nicht los. 2010 wird er Vorsitzender des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft. Hier beschäftigen Schäuble vor allem "Transformationsthemen", wie er es nennt: Also die permanenten Veränderungen in der Berufswelt, die sich in der Aus- und Weiterbildung niederschlagen. Er will Brücken bauen zwischen Schulen, Hochschulen und der Wirtschaft, initiiert Arbeitskreise und Dialoge, um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Präventives Vorgehen ist ihm dabei ganz wichtig. Schon in der Kita soll der Nachwuchs spielerisch mit den Mint-Fächern in Berührung kommen. Der 2004 an der Hochschule gegründete Verein Faszination Technik ist ein sichtbarer Ausdruck dieses Bemühens.

Hat bei diesem gewaltigen ehrenamtlichen Engagement, zu dem auch die Mitgliedschaft in der IHK-Vollversammlung und die Tätigkeit im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Heilbronn gehören, nicht das Kerngeschäft gelitten, also die Führung eines bedeutenden mittelständischen Maschinenbauers? Nein, sagt Schäuble. "Diese Themen liegen ja eh jeden Tag auf dem Tisch, von daher passt das." Ob Tarifpolitik, sich verändernde Berufsbilder oder Weiterbildung - mit all dem beschäftigt sich auch der Illig-Geschäftsführer Karl Schäuble täglich. Wichtig ist ihm, die Mitarbeiter mitzunehmen und zugleich ihr Engagement einzufordern. "Der Mitarbeiter muss die Bereitschaft zur Weiterbildung mitbringen, sonst funktioniert das nicht." Doch darum macht sich Schäuble wenig Sorgen. "Diese Bereitschaft ist heute viel größer als früher", sagt er. Durch seinen jahrzehntelangen Einsatz hat er dazu beigetragen, den Stellenwert von Aus- und Weiterbildung in der Region zu steigern.

Bildung für Kinder

Zum Jahresende scheidet Schäuble aus den Ehrenämtern aus, die der Beruf mit sich brachte. Verabschieden wird er sich von seinem Lieblingsthema aber nicht. Denn er bleibt Vorsitzender der Bürgerstiftung Heilbronn - und auch dort geht es um Bildung. "Kinder sind unsere Zukunft". So heißt nicht nur ein Programm der Bürgerstiftung. So lautet auch eine Grundüberzeugung von Karl Schäuble.

 
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