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Die sieben Berufe des Reinhold Würth

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Heute vor 70 Jahren, am 1. Oktober 1949, stieg Reinhold Würth als Lehrling in die Firma des Vaters ein: Der Beginn eines vielseitigen Arbeitslebens.

von Manfred Stockburger

Für die Schule ist keine Zeit mehr, als Vater Adolf Würth seinen Sohn im Herbst 1949 in der Firma braucht. Mit 14 holt er den Junior in die Firma, damit er das Unternehmer- und Verkäuferhandwerk von der Pike auf lernt. Heute feiert der 84-Jährige, dass er sein 70. Berufsjahr vollendet hat. Und er ist – manchmal zum Schrecken seiner Angestellten – aktiv wie eh und je.

Die Karriere an der Künzelsauer Oberschule war mit dem Beginn seiner Ausbildung beendet – nicht aber das lebenslange Lernen, das ihn für eine Vielzahl immer neuer Aufgaben rüstete. Ob Vater Würth wohl ahnte, dass er fünf Jahre später sterben würde? Ohne seine Lehrzeit hätte Reinhold Würth das Unternehmen wohl kaum weiterführen können – als 19-Jähriger. Dann gäbe es auch keine Würth-Gruppe mit weltweit mehr als 400 Unternehmen, über 80 000 Mitarbeitern und einem Umsatz, der zum Ende des Jahres mehr als 14 Milliarden Euro betragen dürfte.

Auch ohne Abitur hat es der Stift von damals zum ordentlichen Professor für Entrepreneurship der Universität Karlsruhe gebracht – im Nebenberuf. Und zu einer ganzen Reihe von Ehrendoktorwürden.

 

 

Verkäufer

Nicht Schrauben, sondern das Verkaufen ist die eigentliche Kompetenz der Würth-Gruppe: Menschen zu überzeugen, ist das Kerngeschäft. Bis heute ist Reinhold Würth der erste Verkäufer, obwohl er selbst keine Aufträge mehr schreibt. Das war damals, im Jahr 1960 noch anders, als der adrett gekleidete junge Reinhold Würth beim Kundenbesuch in Hamburg die Kamera dabei hatte (Foto: Würth). Fernweh gehört auch dazu.

 

 

Chef

Das rote Telefon! Im Weißen Haus ist Reinhold Würths edel ausgestattetes Büro in Künzelsau-Gaisbach nicht – es ist auch nicht oval, sondern kreisrund. Und es bietet einen herrlichen Blick über das Hohenloher Land. Den Überblick zu bewahren ist die wichtigste Aufgabe des Chefs – die tägliche Zeitungslektüre gehört natürlich auch dazu. Auf dem Bildschirm laufen aber nicht Aktienkurse, sondern aktuelle Umsatzzahlen.

 

 

Forscher

„Hinter den Berg und ums Eck schauen.“ Das ist einer der Leitsätze der Gruppe, deren erster Forscher Reinhold Würth ist. Anfangs war das räumlich zu verstehen: raus aus dem Kochertal und dem Hohenlohischen. Längst gehört Würth auch im erweiterten Sinn zu denen, die auf der Suche nach Neuem ums Eck schauen. Oder eben ins Mikroskop (Foto: Stockburger). Es ist kein Zufall, dass er sein Boot „Beschwingte Neugierde“ getauft hat.

 

 

Mäzen

Dass ihm die Arbeit Freude macht, liegt auch an der Kunst. Wer sonst kann sich auf diese Weise an die eigene Nase (Foto: Veigel) fassen? Spätestens seit dem Kauf der Holbein-Madonna, die mit der Inventarnummer 14910 in Schwäbisch Hall ausgestellt ist, hat sich Würth auch in den Kulturmetropolen einen Namen gemacht. Gleichwohl hat er nie einen Hehl daraus gemacht, dass er mit dem Mäzenatentum auch wirtschaftliche Ziele verfolgt.

 

 

Pilot

Hoch hinaus – diese Richtung war für Würth immer klar. Dank der eigenen Flugzeuge kommt er der Sonne näher als die meisten Normalsterblichen. Bis zum 80. Geburtstag nahm er regelmäßig selbst im Cockpit Platz (Foto: Kümmerle). Welche Rolle die Fliegerei spielt, lässt sich an den Nummernschildern ablesen: Auf D-AWKG (so wird die Muttergesellschaft intern abgekürzt) folgte D-ASSY – dahinter verbirgt sich eine Würth-Schraube.

 

 

Redner

Egal ob Mitarbeiter, Mittelständler (Foto: Stockburger) oder Politiker im Publikum sitzen: Reinhold Würth weiß, wie er mit den richtigen Worten, Kurzweil und einer ordentlichen Portion Hohenloher Eigensinn seine Zuhörer unterhalten und begeistern kann. Kein Parkett ist ihm zu glatt. Er spricht aus dem Stegreif – und auf den Punkt. So, dass den Zuhörern manchmal der Atem stockt. So sorgt er dafür, dass in der Firma niemand einschläft.

 

 

Bauherr

Ausgefallene Architektur gehört zu den Lieblingshobbys von Reinhold Würth, dessen Privathaus ein Schloss ist. Auch bei seinen Industriebauten legt er Wert auf die Ästhetik – wobei sich darüber bekanntlich immer streiten lässt. Nicht nur sich selbst setzte er in den vergangenen Jahren das eine oder andere Denkmal. Das Carmen-Würth-Forum (Foto: Zimmermann) in Künzelsau, das zurzeit erweitert wird, schenkte er seiner Gattin zum 80.

 

 

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