Deuerer: Der unbekannte Tierfutter-Riese

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Mit dem Einstieg bei Vitakraft ist Deuerer bundesweit erstmals aufgefallen.

Von unserem Redakteur Heiko Fritze

Hans-Jürgen Deuerer ist ein Schaffer. Ein Handwerker, gelernter Fleischer, der mit jeder Faser ein zupackendes Wesen verkörpert. Statt Anzug und Krawatte reicht ihm ein kariertes Hemd - und doch ist er Herr über den inzwischen vermutlich zweitgrößten Tiernahrungshersteller in Deutschland. Seit er sich im Sommer mit 15 Prozent am Konkurrenten Vitakraft beteiligt hat, ist erstmals auch die breite Öffentlichkeit auf den Betrieb aufmerksam geworden, der längst einer der größten Arbeitgeber in Bretten ist. An diesem Nachmittag wirkt Hans-Jürgen Deuerer viel beschäftigt, aber dennoch entspannt. Gleich mehrere Coups sind ihm jüngst geglückt - nach dem Vitakraft-Deal hat er im September auch 51 Prozent am britischen Hersteller Pets Choice erworben. Das Unternehmen mit knapp 150 Beschäftigten kam zuletzt auf 45 Millionen Pfund Umsatz, umgerechnet etwa 55 Millionen Euro. Deuerer Tiernahrung selbst erzielte 2012 mit knapp 2000 Beschäftigten, davon aber nur 400 Festangestellten, etwa 255 Millionen Euro. Dieses Jahr liege man auch ohne den Zukauf "deutlich im Plus", sagt der Geschäftsführer.

Innovatives Tierfutter

Dabei ist das Unternehmen ursprünglich als Seitenprojekt des väterlichen Metzgereibetriebs gestartet. 1988 gab es zunächst ein Fleischwerk mit 90 Beschäftigten, erzählt Hans-Jürgen Deuerer. Als der Sohn auf Anraten eines Bekannten es auch mal mit der Produktion von Hundefutter probierte und der Erfolg beeindruckend war, entschied sein Vater: "Wir beobachten, wie sich beide Unternehmen entwickeln, und nach einem Jahr entscheiden wir uns für das Erfolgreichere." Und so kam es - weil die Margen im Bereich Tiernahrung deutlich besser waren, stellten Vater und Sohn den Betrieb konsequent darauf um. Eine eigene Marke haben sie aber nicht etabliert. "Dafür fehlte uns am Anfang schlicht das Geld", sagt Hans-Jürgen Deuerer. "Außerdem waren wir keine Marketingexperten, sondern Fleischer." Stattdessen wollten sie Tiernahrung herstellen, die nicht wie diese aussah oder roch. Und sie experimentierten mit neuartigen Verpackungen - Standbeuteln, Schalen, Snacks. "Wir haben uns aus der Massenproduktion herausgehalten, was Kilos angeht. Wir produzieren stattdessen sehr viele kleien Portionspackungen." Jedes Jahr werden weitere Ideen verwirklicht, Neuigkeiten herausgebracht. "Und alle Rezepte gehören uns."

Logistikzentrum  entsteht

Bislang hat sich Deuerer auf Handelsmarken für Nassfutter konzentriert. Erst mit der Übernahme von Pets Choice sind auch Eigenmarken und Trockenfutter-Produkte hinzugekommen. Der Einstieg bei Vitakraft habe hingegen vor allem logistische Gründe, sagt der Geschäftsführer: Die Bremer betreiben zum Beispiel eigene Umschlag-Standorte in Frankreich. "Dann müssen wir jetzt dort keine Hallen mehr anmieten." Außerdem besitzen sie Werke in den USA - und auf jenes Land hat der Brettener schon lange ein Auge geworfen. Was wegen strenger Importvorschriften bislang nicht möglich war, könnte durch Produktion vor Ort jetzt klappen. "Das ist ein Riesenmarkt", sagt Deuerer. "Wir sondieren gerade." Dass nach wie vor die Waren in Bretten hergestellt werden, hat vor allem Qualitätsgründe, erklärt der Geschäftsführer. "Viele Wettbewerber haben es im Ausland versucht. Das ging in der Regel schief." Darum laufen gerade auch Bauarbeiten im Wald neben dem Industriegebiet von Gölshausen, wo bereits die Firmenzentrale sitzt. Im ersten Bauabschnitt entsteht ein Logistikzentrum mit Kommissionierplätzen. Später soll dort auch eine neue Produktion hochgezogen werden. Insgesamt 22 Hektar Fläche stehen dafür zur Verfügung. Hans-Jürgen Deuerer erhofft sich Synergien, legt bisherige Logistikstandorte zusammen - und schafft Fläche für weiteres Wachstum. Bretten will er weiter verbunden bleiben.

Änderungen bei Vitakraft

Für einen Paukenschlag sorgte Hans-Jürgen Deuerer im August: Gemeinsam mit dem Investor Bernd Gilles aus Röthenbach in Franken stieg er bei dem Familienunternehmen Vitakraft ein. Deuerer übernahm 15 Prozent, Gilles 36 Prozent; der Rest blieb in Besitz der bisherigen Vitakraft-Eigner, der Familie Wöhrmann. Während Gilles sein Engagement als Finanzinvestment betrachte, soll Deuerer auch operativ tätig werden und Vitakraft zurück auf die Erfolgsspur führen. "Wir haben den Auftrag, strategisch etwas zu bewirken", erklärt er. frz

Frischfleischprodukte in Aluschälchen sind eines der Standbeine von Deuerer. Das Unternehmen stellt selbst keine Markenprodukte her, sondern produziert für große Handelsketten deren Eigenmarken.
Fotos: Deuerer
Frischfleischprodukte in Aluschälchen sind eines der Standbeine von Deuerer. Das Unternehmen stellt selbst keine Markenprodukte her, sondern produziert für große Handelsketten deren Eigenmarken. Fotos: Deuerer
 
 
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