Stimme+
Heilbronn

Der Traum vom eigenen Musikgeschäft

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Jürgen Kimmel hat mit Guitart in Heilbronn sein eigenes Konzept von einem Musikgeschäft verwirklicht. Außerdem hat er seine eigene Gitarre entworfen und vermarktet sie nun.

Von Anna-Lena Sieber
Ein besonderes Schmuckstück: Eine E-Gitarre von Teye.
Mario Berger
Ein besonderes Schmuckstück: Eine E-Gitarre von Teye. Mario Berger  Foto: Berger, Mario

E-Gitarren in allen Farben und Formen schmücken die Wände in Jürgen Kimmels Musikgeschäft in der Heilbronner Turmstraße. Zwischen den Boxen steht ein brauner Vintage-Sessel, ein Sofa gibt weiteren Raum, sich in gemütlicher Atmosphäre an den Instrumenten auszuprobieren. Mit Guitart hat Kimmel seinen Kindheitstraum verwirklicht. "Ich hab schon während meiner Schulzeit immer davon geträumt, ein Musikgeschäft zu haben. Das hat sich jetzt erfüllt", erinnert sich der 50-Jährige.

Viele Gitarren sind Einzelstücke

Seit gut vier Jahren öffnet Jürgen Kimmel nun seine Türen - nicht nur für Gitarrenbegeisterte. Der zentrale Plan des Ladens ist es, mit hochwertigen Instrumenten aus Deutschland einen Schwerpunkt zu setzen. Sehr viele der dort ausgestellten Gitarren sind Einzelstücke. "Zum Teil auf meine Bestellung und nach meinen Wünschen, aber unter dem Label der Hersteller", erzählt Kimmel.

Entwurf der KML Capreolus

Aber Jürgen Kimmel hat inzwischen auch ein eigenes Label. Zusammen mit Siggi Braun, laut Kimmel "einer der besten Gitarrenbauer Deutschlands", hat er eine E-Gitarre entwickelt, die unter seinem eigenen Label läuft. KML Guitars. "Ich wollte schon immer eine eigene Gitarrenmarke haben", sagt Kimmel begeistert. Noch ein Traum, der mit der KML Capreolus in Erfüllung gegangen ist.

Blockflöten, Drums, Keyboards sowie Notenbücher und vielerlei Zubehör rund ums Musizieren ergänzen Kimmels Sortiment. Aber auch Bilder von Künstlern stellt er in seinem Laden aus. "Zum einen um den Künstlern zu helfen, zum anderen aber, auch um ein neues Publikum in den Laden zu ziehen", wie der ehemalige Umweltingenieur erzählt.

 

Neue Wirtschaftsstimme: Erfolgreiche Firmen aus der Region

Dieser Text stammt aus der Wirtschaftsstimme, die am 26. Februar erschienen ist. In der Ausgabe, die der Heilbronner Stimme, Hohenloher Zeitung, Kraichgau Stimme beilag, geht es unter anderem um Erfolgsgeschichten aus der Region – vom findigen Maschinenbauer bis zum Konditormeister, der mit einem neuen Produkt sein Unternehmen zukunftsfähig machte. Ein zweiter Schwerpunkt ist das Engagement der regionalen Wirtschaft auf der Bundesgartenschau in Heilbronn.

 

Kleinere Reparaturen werden selbst erledigt

Zwar ist Kimmel kein gelernter Gitarrenbauer, kleinere Reparaturen nimmt er aber trotzdem selbst vor. "Wenn man sich seit 30 Jahren mit Gitarren und Musik beschäftigt, kann man Vieles auch reparieren, ohne vorher eine Lehre gemacht zu haben." Für die schwierigeren Fälle hat er aber einige Gitarrenbauer an der Hand. Und natürlich kann er die Gitarren zurück zu dem jeweiligen Hersteller schicken, wenn es Probleme gibt. "Manchen Kunden ist das lieber", sagt Kimmel.

Das Konzept von Guitart ist deutschlandweit relativ exotisch, es gibt nur ein paar Musikgeschäfte, die so exklusive Gitarren anbieten. "Oder eben die ganz Großen, die dann eine Ecke haben, in der sie auch solche Gitarren ausstellen", erklärt Kimmel. Die meisten anderen verkauften so etwas hauptsächlich "aus dem Keller heraus. Man muss einen Termin vereinbaren, wenn man da was kaufen möchte", erklärt Kimmel. Termine könne man bei ihm zwar ebenfalls vereinbaren, da der Laden aber feste Öffnungszeiten hat, ist das nicht unbedingt nötig.

Adresse muss sich noch herumsprechen

Allerdings lässt zumindest der Andrang an Laufkundschaft noch etwas zu wünschen übrig. "Es dauert eben immer, bis sich so ein neuer Laden herumspricht", meint Kimmel. Hinzu kommt, dass der Einzelhandel allgemein mehr und mehr Probleme bekommt, sich gegen die Onlinewelt durchzusetzen. "Und es gibt auch immer weniger, die sich mal von ihrem Smartphone oder Computer abwenden, um überhaupt Musik zu machen", erzählt Kimmel. "Die Rahmenbedingungen sind nicht mehr ganz so, wie ich es mir mal erträumt habe, aber ich hoffe noch immer auf einen Umschwung in diesem Bereich", sagt Kimmel. Denn: Wenn es so weitergehe, gebe es bald nur noch ein paar große Versender. "Es gibt ja jetzt schon genug Innenstädte, die quasi ausgestorben sind", meint der gebürtige Marbacher.

Aber es gebe auch noch immer einige Leute, die den Einzelhandel gerne unterstützen und auch bereit sind, dafür etwas mehr Geld zu investieren. Dem Risiko, sein Laden könnte auch einer von diesen sein, die irgendwann schließen müssen, setzt er sich jedoch bewusst aus. Nennt es eine "Überzeugungstat". Er ist einer, "der sich dem "Billig-Wahn" und der "Geiz ist geil"-Mentalität mit Qualität, Service und individueller Beratung in einer Wohlfühlatmosphäre entgegenstellt", wie auf seiner Homepage zu lesen ist.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben