Der Einkaufskorb, der auch eine Kühlbox ist
Ein Gründerpaar aus Flein hat einen neuartigen Einkaufskorb aus recyclebarem Kunststoff entwickelt. Neben Verbrauchern sollen auch Unternehmen und die Werbemittelbranche angesprochen werden.

Viele Produktideen entstehen aus Alltagsproblemen. So auch beim "Lieblingskorb", den das Fleiner Unternehmen EPP Design entwickelt hat und nun vermarkten möchte. "Ich habe mich immer geärgert, wenn nach dem Einkauf Sachen aus dem Korb gefallen sind, weil er zu voll war", sagt Sabine Kretschmar, die das Unternehmen Ende 2019 mit ihrem Mann Martin gegründet hat. Und war der Korb erst einmal im Auto, fiel er spätestens in der dritten Kurve um und die Einkäufe purzelten durch den Kofferraum.
Mehr als drei Jahre Entwicklungszeit
Ein Einkaufskorb, der schick ausschaut, oben dicht ist und im Auto nicht umfällt, das müsste sich doch machen lassen, dachte sich Sabine Kretschmar - und fing an, über Design und Funktion zu tüfteln. Das war 2017. Nun, mehr als drei Jahre später, ist das Unternehmerpaar überzeugt davon, dass sein Lieblingskorb marktreif ist. Er besteht aus EPP (Expandiertes Polypropylen), einem recyclebaren Kunststoff, wiegt weniger als ein Kilogramm und hat ein Fassungsvermögen von 23 Litern. Dazu kommt bei Bedarf ein Deckel und ein Transportring als Kippschutz.
Dass die Unternehmer EPP als Material für ihr Produkt ausgewählt haben, lag nahe. Schließlich führt Martin Kretschmar seit zwölf Jahren den Fleiner Formen- und Werkzeugbauer Kretschmar, den sein Vater Georg 1975 gegründet hatte. Die dort versammelte Kompetenz ist bei der Entwicklung und Produktion des Lieblingskorbes goldwert. Drei Werkzeuge, etwa für die Produktion der Scharniere, hat Martin Kretschmar selbst entwickelt.
Ein Korb made in Germany
Die EPP-Rohlinge bezieht das Unternehmen von einer Partnerfirma, ebenso die Aluminiumbügel und das Emblem mit dem Logo. "Wichtig ist uns, dass der komplette Korb in Deutschland produziert wird", sagt Martin Kretschmar. Das von seiner Frau Sabine entworfene Logo aus Metall ist per Magnet angebracht und kann individualisiert werden. So soll der Korb auch für Unternehmen und die Werbemittelindustrie interessant werden. "Ein Küchenstudio hat bereits 100 Körbe bei uns bestellt", freut sich Sabine Kretschmar.
Neben dem Einkauf soll der Lieblingskorb aus Flein, den es derzeit in neun Farben gibt, auch bei Festen zum Einsatz kommen. "Er ist auch als Kühlbox geeignet", sagt die Unternehmerin. Die Bügel lassen sich leicht abnehmen, eingefülltes Eis oder Coolpads sorgen dafür, dass die Temperatur mehrere Stunden in dem lebensmittelechten Gefäß gehalten wird. "Bei der Feier zur diesjährigen Weindorf-Auslese kamen unsere Körbe schon zum Einsatz", berichtet Sabine Kretschmar.
2000 Rohlinge im Lager
Sie ist zuversichtlich, dass die 2000 Rohlinge in ihrem Lager bald einen Abnehmer finden. Schließlich hat sie die Gründungsberatung der IHK Heilbronn-Franken durchlaufen, einen Business-Plan aufgestellt und mit den Experten das Potenzial für ihr Produkt analysiert. Ergebnis: "Der Markt ist da", sagt Kretschmar. Einen solchen Korb aus EPP gebe es bisher nicht, "das ist unser Alleinstellungsmerkmal", betont ihr Mann Martin. Interessenten müssen je nach Zubehör zwischen 40 und 60 Euro für den Korb berappen. "Wir wollen das Produkt nicht verramschen", sagt der Unternehmer. Schließlich stecke viel Arbeit, Zeit und Geld im Lieblingskorb.
Verkaufen wollen die beiden ihr Produkt zunächst über ihren Online-Shop. Sie können sich aber auch Partner im Einzelhandel vorstellen. Bei der Montage der Körbe, die zu einem Großteil aus Handarbeit besteht, könnte eine Kooperation mit regionalen Behindertenwerkstätten sinnvoll sein, blickt Martin Kretschmar voraus.
Schwierige Vermarktung
Die Vermarktung eines neuen Produktes sei in Corona-Zeiten nicht einfach, sagt Sabine Kretschmar. Sie hofft auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Beim Elevator Pitch der IHK Heilbronn-Franken schafften es die Fleiner auf den zweiten Platz. Außerdem arbeiten Studierende der Hochschule Heilbronn in Künzelsau im Rahmen einer Projektarbeit an einem Marketingkonzept. Und am zurückliegenden Wochenende haben Sabine und Martin Kretschmar ihren Lieblingskorb auf der Messe Blickfang in Stuttgart präsentiert.
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