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Ingolstadt/Neckarsulm

Der A9 kommt doch - als reines Elektroauto

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Der Audi A9 e-tron soll eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern haben. Das Auto wird voraussichtlich in Brüssel ab Ende 2019 gefertigt.

Von unserem Redakteur Alexander Schnell
Mit der Studie Prologue hat Audi im November 2014 einen ersten Ausblick auf die künftige Formensprache der Marke gegeben − und ganz konkret auf die Baureihe A9, die nun als Elektroauto starten soll.
Foto: Audi
Mit der Studie Prologue hat Audi im November 2014 einen ersten Ausblick auf die künftige Formensprache der Marke gegeben − und ganz konkret auf die Baureihe A9, die nun als Elektroauto starten soll. Foto: Audi  Foto: Audi

 

"Der A9 ist für uns im Moment kein Thema." Diese Aussage ist fast genau ein Jahr alt und stammt von Ulrich Hackenberg, der im Zuge des Dieselskandals den Posten als Entwicklungsvorstand bei Audi zwischenzeitlich geräumt hat. Nun wird das neue Topmodell oberhalb des A8 aus Neckarsulm doch gebaut − als reines Elektroauto. Wie die Heilbronner Stimme erfahren hat, wurde den Führungskräften das Fahrzeug bereits bei der Managementkonferenz am 20. Juli in München präsentiert. Bei Audi hält man sich bedeckt. "Spekulationen zu künftigen Modellen kommentieren wir nicht", sagte ein Audi-Sprecher auf Anfrage.

Ursprünglich sollte der A9 als Coupé über dem Nachfolger des A8 (ab 2017) angesiedelt werden, ähnlich wie der A7 beim letzten Modellwechsel 2010 die A6-Familie erweiterte. Für das Neckarsulmer Produktionsprogramm wäre das eine wichtige Abrundung nach oben gewesen. Allerdings wurde das Projekt gestoppt, da man im Vorstand nicht die nötigen Stückzahlen sah, um das Modell wirklich kostendeckend zu produzieren.

Der neue A9 e-tron, wie das Modell heißen wird, soll mehr als 500 Kilometer rein elektrische Reichweite besitzen. Technisch wird sich das Fahrzeug Plattform und Antriebsstrang mit dem ebenfalls neuen Q6 e-tron teilen. Der Geländewagen startet 2018 als erstes rein elektrisches Serienfahrzeug von Audi. Gefertigt wird der A9 e-tron voraussichtlich ab Ende 2019, im Jahr darauf kommt er in den Handel und soll vor allem dem Model S des US-Unternehmens Tesla Konkurrenz machen.

Produziert werden beide Modelle in Brüssel, den Standort baut Audi zum Kompetenzzentrum für E-Mobilität aus. Mehr noch. Das frühere VW-Werk wird zum Schlüsselwerk für Elektromobilität im gesamten VW-Konzern aufgewertet. Dafür wird am Standort in der belgischen Hauptstadt auch eine eigene Batteriefertigung aufgebaut.

Der bisher in Brüssel gebaute Kleinwagen A1 läuft künftig bei Seat im spanischen Martorell unweit von Barcelona vom Band. Der bislang dort gefertigte Q3 wird dann künftig im ungarischen Györ produziert.

Q6 und A9 sind zwei wichtige Bausteine für Audi auf dem Weg in die Zukunft. Unlängst hatte Audi-Chef Rupert Stadler im Rahmen der Strategie 2025 angekündigt, den Anteil der Elektromobilität am Gesamtabsatz deutlich zu erhöhen. "In den nächsten drei bis vier Jahren werden wir diverse Plug-In-Hybride anbieten. Bis 2020 drei reine E-Autos und bis 2025 einen Anteil von 25 bis 30 Prozent."

Nach Informationen der Heilbronner Stimme sollen es bis 2020 nun sogar vier Elektroautos sein: Neben Q6 und A9 sind zwei weitere Fahrzeuge in Planung. "Wahrscheinlich zunächst ein Modell im A-Segment", so Stadler. "Später dann im B- und C-Segment." Vor allem für China ist die Elektrifizierung wichtig, daher spricht vieles für eine E-Version des A4 und A6 aus dem Werk Neckarsulm.

Ruhig geworden ist es inzwischen allerdings um den R8 e-tron. Die Elektroversion des Supersportwagens aus Heilbronn wird nach Angaben von Audi gegen Ende dieses Jahres auslaufen.

Das Wasserstoffauto hingegen, das Spezialisten am Standort Neckarsulm zur Serienreife entwickeln, ist für den 53-jährigen Audi-Chef ein Muss für die Zukunft. "Es ist die konsequenteste Form des elektrischen Fahrens. Ich kann heute noch nicht sagen, welche Volumina dann nachgefragt werden", sagt Rupert Stadler. "Das ist meines Erachtens weniger eine Frage der Technologie − diese beherrschen wir ganz ordentlich. Es wird eine Frage der Infrastruktur sein. Auch hier bin ich zuversichtlich."

 

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