Bier wird teurer: Auch das der regionalen Brauereien?
Große Brauereien wie Bitburger oder Veltins haben Preiserhöhungen angekündigt. Auch die Brauereien in Heilbronn-Franken stehen unter Druck, denn die Branche plagen zahlreiche Preistreiber.
Bier enthält Hopfen, Malz, Wasser und Hefe. So weit, so einfach? Im Herstellungsprozess spielen noch ganz andere (Kosten-)Faktoren eine Rolle. Etiketten, Glas, Kronkorken, Reinigungsmittel, um ein paar zu nennen. "Von der Energie mal ganz zu schweigen", wie Thomas Wachno, Braumeister der Rappenauer Häffner Bräu, sagt. Mehrere der großen Brauereien Deutschlands haben kürzlich Preiserhöhungen verkündet. Mehr für die Halbe zahlen? Bleiben die Liebhaber der Biere der kleinen bis mittelständischen Brauereien aus Heilbronn-Franken davon verschont?
Thomas Wachno ist zwiegespalten. "Eigentlich sind wir einerseits gezwungen, schon wieder an der Preisschraube zu drehen." Im Mai sei das bei Häffner Bräu zuletzt der Fall gewesen, "nachdem wir es zuvor lange hinausgezögert hatten". Anderseits wolle man "den Konsum nicht abwürgen", auch wenn Wachno das Gefühl hat, dass "die Kundschaft es schon verstehen würde". Schließlich verteuern sich andere Lebensmittel gerade auch.
"Es ist die Summe an kleinen Dingen, die ausschlaggebend sind", sagt der Rappenauer Braumeister. "Bei Reinigungsmittel ist die nächste Preiserhöhung gekommen. Und bei Etiketten machen es zwei pro Flasche zwar nicht aus, aber auch die sind viel teurer geworden." Kronkorken habe er im Moment noch genug. Anders sieht es bei einem anderen zentralen Produkt aus. "Wir müssten dringend Bierkisten kaufen", sagt Wachno. Doch da seien kleinere Brauereien, die geringe Mengen ordern, für die Hersteller ohnehin ein Hindernis. "Bis die ihre Maschinen zum Bedrucken der Kästen für uns umbauen, da sind sie fast schon wieder fertig."
Betriebe, die Brauereien zuliefern, haben ihrerseits mit veränderten Märkten zu tun. Der nach eigenen Angaben kleinste der Handvoll Hersteller von Bierkästen in Deutschland sitzt in Erlangen. "Kistenpreise haben sich wesentlich verteuert, das hängt mit dem Ölpreis zusammen. Der verwendete Kunststoff ist ein Abfallprodukt der Benzinherstellung", erklärt Arno Stockinger, Vertriebsleiter von Frör Kunststofftechnik.
"Das Material hat sich in der Corona-Zeit extrem verteuert und unterlag extremen Schwankungen. So war das noch nie." Entsprechend schwierig seien Kalkulationen gewesen. "Wenn bei mir eine Bestellung eingeht, dann gibt es eine Lieferzeit von vielleicht zwei oder drei Monaten. In der Zeit hat sich der Materialpreis vielleicht schon wieder verteuert."
Höchststand beim Material liegt hinter den Produzenten
Vom Höchststand von etwas mehr als sieben Euro pro Kiste aus dem Frühjahr 2021 sei man laut Stockinger jetzt aber wieder ein Stück entfernt - bei etwas mehr als fünf Euro pro Kiste. "Unser Material beziehen wir vielfach aus Rotterdam, weil da die größten Raffinerien sind. Zuletzt haben wir Material aber auch aus Ungarn, Ägypten oder Südkorea bekommen." Neu ist noch eine andere Sache. "Wir hatten zuletzt einen extremen Recyclinganteil von mehr als 40 Prozent. So ist das noch nie gewesen." Dabei werden Altkästen geschreddert und aus dem Granulat neue Kisten gemacht.
Für eine Brauerei ist das preislich zwar vorteilhafter, funktioniert aber nur, wenn Granulat auf dem Markt oder reichlich Altkästen übrig sind, die etwa wegen einer Designänderung nicht mehr benötigt werden. "Wenn eine Brauerei früher hellgrüne Kisten hatte und nun dunkelgrüne möchte - das ist alles machbar", nennt Stockinger ein Beispiel.
In grüner Optik kommt in der Region die Distelhäuser Brauerei daher. Deren Geschäftsführer Christoph Ebers sagt zum Thema Preissteigerungen: "Wir beobachten momentan noch die Entwicklung der Kosten. Ich möchte Preiserhöhungen für das nächste Jahr nicht ausschließen, im Moment sind aber keine geplant." Ebers weist auf langjährige Partnerschaften beim Bezug von Malz und Hopfen hin. "Wir möchten keine Abstriche in der Qualität machen. Billigere Rohstoffe zu kaufen, ist keine Option." Die Kiste Distelhäuser gibt es laut Ebers im Einzelhandel für 16,99 Euro oder 17,49 Euro.
Wenig Spielraum für Brauereien
Der Getränkemarkt mit der wohl größten Auswahl weit und breit befindet sich in Kornwestheim im Landkreis Ludwigsburg. Dutzend Meter lang sind die Gänge, links und rechts stapeln sich Kisten und Flaschen, geordnet nach Biersorten oder Spezialitäten wie Craftbier oder fränkisches Bier - zwischen 2500 und 3000 unterschiedlicher Biere sind es. Im Grunde gebe es keine Brauerei, "die keine Preiserhöhung angekündigt oder schon umgesetzt hat", sagt Inhaber Wolfgang Heinrich. "Sämtliche Brauereien werden durch steigende Beschaffungskosten einfach dazu gezwungen, die Preise zu erhöhen."
Sonderangebote gibt es auch bei Heinrich, im Gespräch klingt aber durch, dass er die Kiste Bier für zehn Euro für falsch hält. "Das ist ein politischer Preis, der durch Mengendruck erzeugt wird." Läuft Heinrich durch die Gänge, kommt er alle paar Meter bei weniger bekannten Bieren ins Schwärmen. "Wir unterstützen viele kleine Brauereien, für die es immer schwieriger wird, ihr Bier zu vermarkten."
Einen Euro mehr für den Kasten
Dazu gehört in Heilbronn-Franken auch die Brauerei Häberlen aus Gaildorf. "Ich schaue bei den Preisen natürlich darauf, was die Großen in der Branche machen", sagt Braumeister Steffen Manske. Im Bereich zwischen 16 und 18 Euro gibt es seine Biere im Kasten, einen Euro aufwärts dürfte es auf jeden Fall gehen. "Preiserhöhungen werden kommen, in welcher genauen Höhe ist noch nicht ganz klar", sagt Manske, der den Zeitraum dafür auf Februar oder März 2023 schätzt.
Die Steigerungen beim Malz, bei Energie, Glas und Co. treffen auch die Gaildorfer Brauerei. Kronkorken sind bei Häberlen hingegen nicht das große Thema - vier von fünf Sorten fließen aus Flaschen mit Bügelverschluss in die Kehlen der Konsumenten.
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