Bauer Thermoforming investiert in der Krise
Der neue Eigentümer Moritz Specht plant Wachstum im kommenden Jahr und hat auch sonst viel vor beim Kunststoffspezialisten. Mit neuen Maschinen, Kunden und Mitarbeitern wollen die Talheimer die Corona-Krise schnell hinter sich lassen.

Mit einem neuen Eigentümer peilt das Talheimer Unternehmen Bauer Thermoforming wieder Wachstum an. Trotz der Corona-Pandemie ist es dem Kunststoffspezialisten gelungen, neue Kunden zu gewinnen. Dennoch hätte sich Moritz Specht sicherlich einen anderen Start bei Bauer gewünscht. Im Oktober 2019 hat der 24-jährige Betriebswirt aus Künzelsau das Unternehmen vom langjährigen Geschäftsführer Hans-Peter Braun übernommen.
"Ich wollte schon immer ein mittelständisches Unternehmen führen", sagt Specht, der zuvor bei Würth Industrie Service tätig war. Damals war die Autobranche, der wichtigste Kunde von Bauer Thermoforming, bereits "im Sinkflug", wie Specht es formuliert. Und kurze Zeit später kam das Coronavirus. "In den ersten 13 Monate habe ich nur Krisen erlebt", blickt der neue Geschäftsführer auf die herausfordernde Startphase in seinem neuen Unternehmen zurück.
Corona sorgt nur für leichte Kratzer
Doch Moritz Specht hat sich viel vorgenommen und traf in Talheim auf 50 Mitarbeiter, die der Krise mit hoher Motivation begegnen. "Die Belegschaft zieht voll mit", lobt er sein Team. So wird die Corona-Pandemie bei Bauer zwar "leichte Kratzer im Gesicht" hinterlassen. Mit einem Umsatzrückgang von zehn bis zwölf Prozent rechnet Specht im laufenden Jahr. Der Umsatz werde bei 5,5 bis sechs Millionen Euro liegen.
Aber diese im Vergleich zu Wettbewerbern geringen Einbußen könne man verkraften, da die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt seien, sagt Specht. Die Talheimer machen einen Großteil ihres Geschäfts mit Kunststoffteilen für den Sonderfahrzeugbau, die weniger konjunktursensibel sind. Dazu zählen Bagger oder kommunale Fahrzeuge genauso wie Krankenwagen.
Viel Potenzial bei Kranken- und Rettungswagen
Gerade bei der Innenverkleidung von Kranken- und Rettungswagen sieht Specht viel Potenzial. Im Januar hat er die Werkzeuge und die Kunden eines insolventen Wettbewerbers aus Norddeutschland übernommen. Ein Kraftakt für die Mitarbeiter, der sich bald auszahlen soll. "Ich schätze das Umsatzpotenzial in diesem Bereich für uns auf etwa eine Million Euro im Jahr", sagt der Geschäftsführer. Das Unternehmen ist außerdem noch in den Bereichen Transportbehälter und Medizintechnik tätig.
Um sein Ziel zu erreichen, bei Bauer langfristig etwas aufzubauen, investiert der neue Eigentümer in sein Unternehmen. Erst in der vergangenen Woche wurde eine neue Kunststofffräsmaschine angeliefert, die knapp 400 000 Euro gekostet hat. "Damit erweitern wir unsere Produktionskapazitäten in diesem Bereich um 30 Prozent", berichtet Jürgen Mooser, der die Arbeitsvorbereitung bei Bauer verantwortet. Auch in den restlichen Maschinenpark, der derzeit aus sechs Fräsmaschinen und sieben Thermoformmaschinen besteht, will Specht investieren.
Seit zwei Monaten wächst Bauer zweistelig
Parallel dazu hat er junge Mitstreiter nach Talheim geholt und motivierte Geflüchtete eingestellt. Specht hofft darauf, mehr junge Menschen für eine Ausbildung oder ein duales Studium bei Bauer begeistern zu können. Der Ausblick ist positiv. "Wir werden im nächsten Jahr wachsen", kündigt Specht an. Schon seit zwei Monaten lege man beim Umsatz zweistellig zu.
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