Autozulieferer Söhner baut 100 Stellen am Stammsitz in Schwaigern ab
Der Autozulieferer aus Schwaigern reagiert mit Sparmaßnahmen auf die Corona-Krise und den technologischen Wandel. Die geplante Restrukturierung kostet Jobs. Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.

Der Schwaigerner Autozulieferer Walter Söhner reagiert auf die Folgen der Corona-Pandemie und auf die laufende Transformation der Autobranche. Das Unternehmen hat einen Restrukturierungsprozess angekündigt, um die Zukunft des Traditionsunternehmens zu sichern. In diesem Zusammenhang sollen am Stammsitz bis zum Jahresende 100 der aktuell 720 Arbeitsplätze abgebaut werden, wie Geschäftsführer Albrecht Heege der Heilbronner Stimme mitteilt.
Corona als Brandbeschleuniger
Man verfolge schon seit einiger Zeit Konzepte, um die Strukturen im Unternehmen an die Marktentwicklung anzupassen, sagt Heege. "Corona hat mit den damit einhergehenden massiven Umsatzrückgängen wie ein Brandbeschleuniger gewirkt, der diese Prozesse noch einmal befeuert hat."
So seien die Umsätze im zentralen Automotive-Bereich im April und Mai vergangenen Jahres um jeweils 60 Prozent eingebrochen, berichtet der Geschäftsführer. Kurzarbeit in einigen Bereichen war die Folge. Zwar habe es ein starkes viertes Quartal gegeben, doch unter dem Strich schrieb Walter Söhner am Stammsitz Schwaigern im Jahr 2020 Verluste. In der Soehnergroup hingegen, zu der auch noch Standorte in den USA, China und Rumänien gehören, sei das Ergebnis noch positiv gewesen, betont Heege. Die Gruppe erwirtschaftete 2020 mit rund 1100 Beschäftigten einen Umsatz von etwa 200 Millionen Euro.
Elektromobilität bietet Potenzial
Aufgrund der schwierigen Situation habe man in sämtlichen Unternehmensbereichen Abläufe, Technik, Entwicklung und Strukturen auf den Prüfstand gestellt, berichtet Heeges Geschäftsführerkollege Bernd Schöffler. Er ist überzeugt davon, dass der Technologiewandel die Mobilität in den nächsten Jahren stark verändern wird. "Hier haben wir riesige Potenziale, um rückläufige Stückzahlen abzufangen und zusätzliches Wachstum zu generieren - speziell in den Bereichen Elektromobilität, E-Bike und autonomes Fahren", sagt Schöffler. Derzeit seien hier aber gerade weniger Projekte in der Pipeline, weshalb man die Situation nutze, um die Kosten zu optimieren und die Technologieführerschaft auszubauen.
Künftig will Walter Söhner sich mehr auf Kunststoff-Metall-Verbundteile konzentrieren und in diesem Bereich Komplettlösungen anbieten. "Wir wollen, dass unsere Kunden uns wieder als bevorzugten Entwicklungspartner sehen", sagt Schöffler. Reine Kunststoffteile werden demnach künftig nur noch eine geringere Rolle im Unternehmen spielen.
Außerdem sollen die hochautomatisierten Fertigungsprozesse weiter optimiert werden. "Schneller und kostengünstiger lautet die Vorgabe - bei immer kürzeren Produktzyklen und hoher Komplexität", heißt es bei Söhner.
Restrukturierungsexperte in der Geschäftsführung
Um die Restrukturierung zu begleiten, hat das Unternehmen Christof Droste in die Geschäftsführung geholt. Er soll dafür sorgen, dass der geplante Abbau von 100 Stellen am Stammsitz "so sozialverträglich wie möglich" erfolgt. "Wir sind mit den Arbeitnehmervertretern und der IG Metall in konstruktiven, von Respekt geprägten Gesprächen", sagt Droste. Das Unternehmen setzt vor allem auf ein Freiwilligen-Programm sowie Vorruhestandsregelungen. "Betriebsbedingte Kündigungen können wir aber nicht ausschließen", betont der Restrukturierungsprofi.
Gesellschafter Walter Söhner, der das Unternehmen 1966 gründete, ist zuversichtlich, dass die Maßnahmen Früchte tragen werden. "Wenn wir jetzt die Restrukturierung in die richtigen Bahnen lenken - ausgerichtet an Potenzialen, der Marktlage, den technologischen Anforderungen und den Bedürfnissen der Kunden - legen wir die Basis, um nachhaltig stark zu sein. Für unsere aktuelle Belegschaft wie auch für künftige Generationen."
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