Aus Liebe zur Gastronomie
Wolfgang Scheidtweiler betreibt im Raum Heilbronn mehrere Gaststätten, Brauereien und demnächst das Hotel am Stadtgarten in Heilbronn. Manche sehen in ihm den Retter der Gastronomie in der Region. Der Pforzheimer Brauereibesitzer hat sich zu einem begehrten Investor entwickelt.

Drei mal klopft Wolfgang Scheidtweiler auf den Tisch. Toitoitoi − noch keine seiner Investitionen hat sich als Fehlschlag erwiesen. Weder eine der inzwischen fünf Brauereien noch eines der acht Hotels noch eines der zahlreichen Restaurants zwischen Konstanz und Heidelberg. So sitzt er entspannt im Besprechungsraum von Palmbräu, in dunkelgrünem Jackett, blauweiß gestreiftem Hemd, blauem Pulli und blauer Jeans. Das Rotary-Abzeichen blinkt im Sonnenlicht, das durch das Fenster in den Raum in 70er-Jahre-Design fällt. Brauwesen ist Tradition und Gemütlichkeit, nichts für Schickeria und Anzugträger.
Dabei war es vor allem Vaters Wille, der Wolfgang Scheidtweiler zu dem machte, was er heute ist. "Er hat in der Nachkriegszeit in seinem Dorf in der Eifel bittere Not erlebt", erinnert sich der 71-Jährige. "Aber er hat beobachtet, dass es zwei Personen immer gut ging − dem Landwirt und dem Brauereibesitzer." Also beschloss Vater Scheidtweiler, dass seine Söhne genau diese Berufe ergreifen sollten − der eine Sohn wurde Bauer, der andere Brauer. Das Geld stellte der Jurist zur Verfügung, indem er sein Haus verkaufte und in eine Hofstelle in Wachendorf und 1961 in die kleine Brauerei in Schleiden-Gemünd investierte. "Obwohl er selbst nie Bier trank", wie sein Sohn sich erinnert.
Frau stammt aus Brauerfamilie
Wolfgang Scheidtweiler ist dann die Ochsentour gegangen, von der Brauerausbildung über das Studium in Weihenstephan. Dann starb nach dem zweiten Semester sein Vater, so dass der junge Student die Wochenenden immer in der Eifel verbrachte, um die kleine Brauerei zu leiten. Aber er hatte auch Glück: Seine spätere Frau Andrea, die er an der Hochschule kennenlernte, stammt aus der Konstanzer Brauerfamilie Ruppaner. Also bekam das junge Ehepaar 1974 das zweite Brauhaus der Familie − in Pforzheim.
Hört man dem Unternehmer heute zu, scheint es fast zwangsläufig, dass sich anschließend alles so entwickelte, wie es sich entwickelt hat: Da war zunächst 1978 der Pforzheimer Ratskeller, an dem innerhalb weniger Jahre zwei Gastronomen gescheitert waren. Die Stadtverwaltung fragte schließlich die Besitzer des Brauhauses, ob sie es nicht versuchen wollten − und die Scheidtweilers wagten es.
Vieles krempelten sie um, bauten sie um, versuchten sie anders als ihre Vorgänger. Und sie hatten Erfolg. Das sprach sich herum, und die Stadtverwaltung bekam es eh mit, befindet sich der Ratskeller doch im Rathaus. Kurzum: 1987 bekamen die Scheidtweilers auch die Bewirtschaftung der Stadthalle Pforzheim übertragen.
Zwei Jahre später bauten sie erstmals ein Hotel, zusammen mit Pforzheimer Unternehmern, die sie seitdem immer wieder − auch mit anderen Partnern − mit ins Boot holen: die Familie Weiser, Inhaber des Kosmetikkonzerns La Bioesthetique. Andreas Kohm, Mitbesitzer des Versandhauses Klingel. Und Familie Stark, Eigentümer einer Großdruckerei. Bis auf die Starks sind diese Geschäftsleute auch an einem der jüngsten Projekte, dem Hotel am Stadtgarten in Heilbronn, direkt an der Festhalle Harmonie, beteiligt.
Gefragter Gastronomie-Retter
Wolfgang Scheidtweiler lacht kurz auf, als er seine gesamten Engagements aufzählen soll. Ja, die Brauereien bekommt er natürlich noch zusammen: Neben Ruppaner und dem Brauhaus Pforzheim, neben dem väterlichen Betrieb in der Eifel und Palmbräu gehört auch Franz in Rastatt seit 2015 zur Gruppe. In der Rommelmühle bei Bietigheim-Bissingen wird bald wieder gebraut, und seine Tochter hält Anteile am Neckarsulmer Brauhaus. Die Hotels sind auf acht fertige und vier in Bau angeschwollen. Aber die Restaurants? Es sind viele: das Jägerhaus bei Heilbronn, Burg Ravensburg im Kraichgau, Standorte in Heidelberg, Pforzheim... "Es kamen eben immer wieder Anfragen an uns", erzählt er. Manche sahen in ihm schon den Retter der Gastronomie in der Region. Und ein bisschen ist es ja auch so.
"Es macht mir immer Spaß, Dinge zu übernehmen, die andere nicht wollen", sagt der Unternehmer. "Natürlich muss es sich auch rechnen. Aber warum macht man das? Nicht um Geld zu verdienen. Wir haben bis heute noch keinen Cent rausgezogen. Das wird alles investiert", bekräftigt er. "Die Idee ist, die Tradition aufrechtzuerhalten. Ich finde, eine Stadt ohne Brauerei ist eine einsame Stadt. Das ist ein großes Stück Kultur."
Das heißt aber nicht, dass in seiner Brauerei-Sammlung jeder Standort alles macht. Die Flaschenabfüllung ist längst in Eppingen konzentriert, wo auch Franz- und Brauhaus-Bier in Glasgebinde kommen. Das Bier wird dazu per Tanklaster vom Brauort angeliefert. "Bier braucht Heimat", betont der Brauingenieur. "Insgesamt tut es uns aber auch gut, dass die jungen Leute weggehen vom Massenprodukt. Es gibt jetzt Leute, die sehr an Neuem interessiert sind. So haben wir jetzt beim Bier wieder eine Riesenvielfalt. Und das ist schön."
Gasometer zum Kunstobjekt umgebaut
Dadurch ist auch mal Zeit für andere Projekte. Wie das Kloster Steinfeld in der Eifel, das Scheidtweiler 2014 übernahm, den Prämonstratensern weiter überließ, aber in einem Trakt auch zum Tagungsort umgestaltete. Wie den Gasometer in Pforzheim, den er zum Kunstobjekt umbaute − mit 170.000 Besuchern im vergangenen Jahr. Und sein Bruder in der Eifel tickt ähnlich − die weltbekannte Kapelle des Architekten Peter Zumthor steht auf einem seiner Äcker.
Zeit für Hobbys bleibt da nicht. "Ich mache ja so schon, was mir Spaß macht", meint Wolfgang Scheidtweiler. Allenfalls eines gibt es da noch: den Rotary-Club. "Ich bin Rotarier aus Leidenschaft", sagt der Unternehmer. Und so kam er auch erstmals in die Region Heilbronn, als 2006 der Rotary-Club Heilbronn sein 75-jähriges Bestehen im Audi-Forum in Neckarsulm feierte. Erst drei Jahre später folgte der Einstieg bei Palmbräu.
"Wir sind keine reichen Leute", meint der 71-Jährige. "Wir müssen immer wieder kämpfen, dass wir investieren können." Künftig ist dafür auch die nächste Generation zuständig: Tochter Dorothea, die Patensöhne Lionel Berger und Johannes Schweizer. Der Senior will sich freilich nicht sofort ganz zurückziehen. "Ich werde mit Sicherheit nicht kürzertreten, bis ich meine Bauten alle stehen habe.", sagt er. "Und dann werde ich beratend da sein." Nach einem kurzen Nachdenken meint er: "Was ich mache, reicht eigentlich gleich für mehrere Personen. Aber es bereitet mir einfach Freude."
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