Auch in der Region heißt es: Alles auf Alkohol
Von Brüggemann bis Heimat-Gin: Mehrere Unternehmen aus Heilbronn-Franken produzieren jetzt den begehrten Rohstoff für Desinfektionsmittel. Einige haben dafür nur ihre Kapazitäten erhöht, andere sogar teilweise umgestellt.
Plötzlich wollen alle Alkohol. Nicht für Getränke, sondern für Desinfektionsmittel. Manche Hersteller aus der Region produzieren den Rohstoff ohnehin, andere nutzen die Gelegenheit, die weggebrochene Nachfrage im Stammgeschäft zu kompensieren.
Brüggemann
Für das traditionsreiche Heilbronner Chemieunternehmen Brüggemann herrscht schon seit Wochen Hochkonjunktur in seiner Sparte Alkohol. Als größter Ethanol-Anbieter im deutschen Pharma-Markt ist das Unternehmen in der Covid-19-Pandemie besonders gefordert. "Alle Produktionsanlagen laufen auf Hochtouren rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, an den beiden Standorten Heilbronn und Lutherstadt Wittenberg", berichtet Geschäftsführer Timo Friedrich. "Bereits seit Anfang März ist in der Abfüllung Schichtbetrieb angesagt, auch an den Wochenenden, mit allen verfügbaren Mitarbeitern, um den enormen Bedarf soweit irgend möglich schnell zu decken."
„Alle Produktionsanlagen laufen auf Hochtouren rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.“
von Timo Friedrich
Fast alle großen Desinfektionsmittel-Hersteller zählen zum Brüggemann-Kundenkreis. Doch auch kleinere und mittlere Produzenten werden versorgt - darunter Krankenhäuser und rund 150 Apotheken. Dabei stünden die Brüggemann-Mitarbeiter in engem Kontakt mit Behörden, Apothekerverbänden und Hilfsorganisationen, oft direkt mit den dortigen Krisenstäben.
Problematisch sei, dass europaweit gestörte Lieferketten bei Verpackungsmaterialien die Versorgung erschweren. Doch Friedrich betont, dass sämtliche Lieferverträge erfüllt werden und seine Teams alles daran setzen, auch darüberhinausgehende Nachfrage zu bedienen. Allerdings sei das derzeitige Anfragevolumen außerordentlich und man konzentriere seit Wochen die größten Mengen auf die Desinfektionsmittel-Partner, deren Versorgung während der Pandemie klar an erster Stelle stehen muss.

Cropenergies
Die Südzucker-Tochter Cropenergies stellt eigentlich den Kraftstoff Bioethanol her und nur in einer belgischen Anlage auch Neutralalkohol. Nun wurden die Erzeugungsmengen erweitert. Die Behörden in Deutschland, Frankreich und Österreich haben zudem unter der Voraussetzung bestimmter Qualitätsanforderungen auch technischen Alkohol für die Nutzung in Desinfektionsmitteln freigegeben.
"Damit stehen ab sofort ausreichende Mengen an technischem Alkohol als Grundstoff zur Herstellung von Desinfektionsmitteln zur Verfügung", sagt Cropenergies-Vorstandschef Joachim Lutz. Allein am Standort Zeitz stellt das Unternehmen derzeit täglich rund eine Million Liter Alkohol her - genügend, um jede Versorgungslücke zu schließen.
Mann & Schröder
Der Siegelsbacher Kosmetik-Hersteller Mann & Schröder hat die Produktion von Hand-Desinfektionsmittel in größeren Gebinden gestartet. Die 25-Liter-Kanister seien ausschließlich für den gewerblichen Bereich vorgesehen und würden vor allem medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie öffentlichen Einrichtungen, wie Polizei und Feuerwehr, in der Region zur Verfügung gestellt. "In der aktuellen Situation ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und die medizinische Versorgung sicherstellen", sagt Geschäftsführerin Christine Steger.
Heimat-Gin

Auch der Schwaigerner Spirituosen-Spezialist Heimat-Gin hat umgestellt - und produziert für den guten Zweck. "Wir wollen unseren Teil im Kampf gegen das Coronavirus beitragen", heißt es dort. Deshalb werde zusammen mit der Schloß-Apotheke in Schwaigern ein hochwirksames Händedesinfektionsmittel hergestellt - versetzt mit ätherischen Ölen aus der Gin-Produktion. Auch die Nachhaltigkeit wird beachtet: Abgefüllt wird in Glasflaschen.

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