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Bietigheim-Bissingen

Armstrong DLW ist insolvent

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Gekriselt hat es beim Bodenbelagshersteller schon länger, jetzt stellt der US-Mutterkonzern seine Zahlungen ein. 460 Beschäftigte am Stammsitz bangen um ihre Arbeitsplätze.

Von unserem Redakteur Heiko Fritze
Bodenbeläge aus PVC und Linoleum sind der Schwerpunkt des Bietigheimer Unternehmens Armstrong DLW. Nach Jahren voller Verluste hat der US-Mutterkonzern die Zahlungen eingestellt.
Foto: privat
Bodenbeläge aus PVC und Linoleum sind der Schwerpunkt des Bietigheimer Unternehmens Armstrong DLW. Nach Jahren voller Verluste hat der US-Mutterkonzern die Zahlungen eingestellt. Foto: privat

Gekriselt hat es beim Bodenbelagshersteller Armstrong DLW schon länger: In den vergangenen Jahren fielen zuletzt immer rote Zahlen an. Daher gab es 2011 einen größeren Personalabbau - das Werk in Schweden wurde geschlossen, in Bietigheim-Bissingen und Delmenhorst fielen 116 Stellen weg.

Das alles hat aber nicht gereicht: Nachdem der US-Mutterkonzern Armstrong World Industries beschlossen hat, sein Europageschäft aufzugeben und alle Zahlungen sofort einzustellen, hat die deutsche Geschäftsführung am Donnerstag beim Heilbronner Amtsgericht Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

Suche

Vorläufiger Insolvenzverwalter ist nun der Stuttgarter Martin Mucha aus der Kanzlei Grub, Brugger und Partner. Er kündigte an, dass der Geschäftsbetrieb zunächst normal weitergeführt werden solle. Das Insolvenzgeld sei bereits gesichert. "Ohne einen Investor wird man aber wohl nicht auskommen", sagte er. Die entsprechende Suche werde daher in die Wege geleitet.

Überrascht reagierte Wendelin Schmidt, zuständiger Sekretär der Gewerkschaft IG BCE, auf die Nachricht. "Damit hat keiner gerechnet, Alle sind geschockt", berichtete er. Schließlich seien genug Kunden da und die Produktion nahezu ausgelastet. Allerdings habe der US-Mutterkonzern in den vergangenen Jahren auch Produkte an andere Standorte verlagert, zum Beispiel Sportfußböden. Auch die Kooperation bei Vliesstoffen mit dem einstigen Näher-Werk in Markgröningen sei beendet worden.

Fest steht, dass zuletzt rote Zahlen geschrieben wurden. Rechtsanwalt Mucha berichtet, dass 2012 bei einem Umsatz von 170 Millionen Euro 13 Millionen Euro Verlust gemacht wurden. 2013 waren es bei 165 Millionen Euro Umsatz sogar 20 Millionen Euro Verlust. In der Mitteilung der Armstrong World Industries heißt es, dass in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei einem Umsatz von 144,7 Millionen Dollar etwa 23,2 Millionen Dollar Verlust angefallen seien.

 Foto: Udo Schoenewald

Geschichte

Gegenwärtig sind bei Armstrong DLW noch 830 Mitarbeiter beschäftigt, davon 460 in Bietigheim-Bissingen und 370 in Delmenhorst, dem letzten deutschen Linoleum-Werk. Am norddeutschen Standort waren erst im Frühjahr nochmals 58 Stellen abgebaut worden. Konzernchef Matthew Espe beklagte nochmals Jahre enttäuschender Ergebnisse, vielfacher Restrukturierungen und bedeutender Finanzspritzen.

Armstrong übernahm 1998 die Deutschen Linoleumwerke, kurz DLW. Das Unternehmen selbst wurde 1926 in Berlin durch den Zusammenschluss von fünf Linoleumfabriken gegründet. 1938 wurde der Sitz nach Bietigheim-Bissingen verlegt.

Zumindest an einem Ort wurde die Insolvenz mit Freude aufgenommen: Der Börsenkurs der Armstrong-Aktie in New York stieg am Donnerstag um sechs Prozent.

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