Anlagenbauer Max Dörr wächst mit Besteck-Einwickeln
Die Gemminger Firma erlebt in der Corona-Krise eine Sonderkonjunktur. Die geplante Erweiterung wird auch mit Fördermitteln des Landes ermöglicht.

Rückblickend hat Thomas Dörr seinerzeit aufs richtige Pferd gesetzt. Als er 2001 im väterlichen Betrieb die erste Besteck-Einwickelmaschine auf den Markt brachte, war sie noch ein Nischenprodukt. Nun, seit Beginn der Corona-Krise, sind sie heißbegehrt: Krankenhäuser und Betriebskantinen wollen diese Apparate, weil sie verhindern, dass die Gäste mit den Händen in die Besteckkästen greifen müssen. Statt dessen gibt es das Besteckset fertig eingewickelt - und zwar in die Serviette.
Nur kleiner Umsatzrückgang
Kein Wunder, dass der Umsatz des Unternehmens, das eigentlich Förderanlagen produziert und bei Küchentechnik vor allem Besteckpoliermaschinen vertreibt, im Corona-Jahr nur einen leichten Umsatzrückgang von fünf Prozent verkraften musste. "Wir hatten in unserem Kerngeschäft eine Nachfragedelle zu Beginn der Pandemie", erzählt Geschäftsführer Thomas Dörr, der das Unternehmen zusammen mit seinem Sohn Patrik Dörr leitet. In der ersten Unsicherheit hätten viele Kunden ihre Projekte gestoppt. "Aber die kommen jetzt wieder. Stand heute geht es uns gut", sagt Patrik Dörr.
Nachfrage zieht an
Zugute kommt dem kleinen Familienunternehmen, dass es sich vom einstigen Schwerpunkt Automotive abgewandt hat. Kunden kommen heute aus der Lebensmittel-, Pharma- und Verpackungsbranche, die Küchentechnik beliefert neben Hotels und Restaurants auch Krankenhäuser, Kantinen und Mensen. "Wir spüren auch dort ein bisschen mehr Nachfrage", berichtet Thomas Dörr. "Die Gastronomie rüstet sich für die Wiedereröffnung."
Ganz neu entwickelt ist eine Besteck-Sortiermaschine. Den Prototypen zeigte die Firma noch auf einer Messe Ende 2019, ehe vergangenes Jahr alle Veranstaltungen ausfielen. Dafür war diese Innovation jetzt ausschlaggebend für das Land Baden-Württemberg: Max Dörr erhält neben acht weiteren Firmen in diesem Jahr Fördermittel aus dem Programm "Spitze aufs Land!". Insgesamt werden 3,6 Millionen Euro ausgeschüttet.
Vergrößerung wird kommen
Das Geld wollen Vater und Sohn in den Umbau des Betriebs stecken: Der heutige Verwaltungstrakt, bestehend aus dem ehemaligen Wohnhaus des Firmengründer-Paares und zwei Anbauten, soll komplett erneuert und vergrößert werden. Das einstige Wohnhaus werde entkernt und modernisiert, die Anbauten werden durch ein neues, größeres Gebäude ersetzt.
Dabei werde nach dem höchsten KfW-Standard Energieeffizienzhaus 40 gebaut, und zwar in Holzbauweise, erklärt Thomas Dörr. Dann sind auch die provisorischen Arbeitsplätze für die Bürobeschäftigten unter den mehr als 60 Mitarbeitern Vergangenheit. Die Bauarbeiten sollen nächstes Jahr beginnen, veranschlagt sind 2,1 bis 2,3 Millionen Euro Baukosten. Der Landeszuschuss beläuft sich laut Bescheid auf 20 Prozent, aber maximal 400 000 Euro.
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