Alte und neue Welt laufen bei Audi parallel weiter
Der Autobauer mit den vier Ringen setzt am Standort Neckarsulm künftig auf Batterie-Entwicklung. Ab 2027 sollen alle Kernbaureihen elektrifiziert sein. Verbrennungsmotoren bleiben weiterhin wichtig und werden fit gemacht für die kommende Abgasnorm Euro 7.

Neben dem Elektromotor ist der Akku das zentrale Bauteil im E-Auto - er ist Energiespeicher und Kraftzentrum zugleich. Mit wachsendem Anteil der Elektromobilität rückt die Kapazität der Hochvolt-Batterien in den Blickpunkt: Sie entspricht quasi dem Tankinhalt beim Verbrenner-Pkw. Die Kapazität bestimmt zusammen mit dem Stromverbrauch des E-Antriebs die Reichweite des Elektroautos. Je größer sie ausfällt, desto größer ist die Alltagstauglichkeit.
Standort ist gut vorbereitet für neue Aufgaben
"Hochvolt-Batterien und Elektromotoren machen einen wichtigen strategischen Anteil an der künftigen Wertschöpfung in einer transformierten Autoindustrie aus. Deshalb bauen wir unsere Kompetenz bei der Entwicklung dieser Komponenten systematisch aus", sagt Oliver Hoffmann, Vorstand für Technische Entwicklung bei Audi. Der Standort Neckarsulm sei bereits bestens darauf vorbereitet, in Zukunft die Entwicklung von Hochvolt-Batterien federführend zu übernehmen. Vor rund einem Jahr wurde im Werk in der Region bereits mit der Entwicklung an Akkus für Plug-in-Hybride begonnen.
Batterie-Prüfstand ist rund um die Uhr im Einsatz
Unter anderem betreibt der Hersteller im Werk Prüfstände, um die Langlebigkeit der Akkus zu testen. Ein bisschen sieht die Anlage aus wie ein überdimensionaler Kühlschrank mit riesigen Türen. Im Inneren wird die komplette Batterie angeschlossen und unter teils extremen Bedingungen getestet.

Die Temperatur im Prüfstand lässt sich von minus 40 Grad bis plus 120 Grad verändern, die Luftfeuchtigkeit von zehn bis 98 Prozent regeln. Im Zwei-Schicht-Betrieb wird der rund eine halbe Million Euro teure Prüfstand betrieben, er ist rund um die Uhr im Einsatz. Dabei werden verschiedene Programme durchgeführt: Mal ist die Batterie nur wenige Tage, mal bis zu einem Jahr im Dauerlauf.
Audi hat Verantwortung für Elektro-Plattform PPE
"Dabei lässt sich die Alterung der Batterie beobachten", sagt Stephan Reil, Leiter der Technischen Entwicklung am Standort Neckarsulm. "Wir können die Werte aus der Batterie auslesen und erhalten so Aufschluss über ihre Leistungsfähigkeit." Die Kapazität der Zellen, aus denen die Batterie besteht, nehme derzeit kontinuierlich zu, immer wieder gebe es Entwicklungssprünge. Apropos Zelle: Die Zellentwicklung verbleibt nach Angaben von Vorstand Oliver Hoffmann weiterhin bei VW in Salzgitter. Die Entwicklung der gesamten Batterie hingegen sei bei den Konzernmarken mit Plattformverantwortung verankert. Audi verantwortet die neue PPE (Premium Platform Electric), die gemeinsam mit Porsche entwickelt wird.
2022: Q6 E-Tron, 2023: A6 E-Tron
Erstes Modell von Audi wird Ende 2022 das Elektro-SUV Q6 E-Tron, 2023 folgt der A6 E-Tron. "Mit der PPE machen wir einen riesigen Schritt nach vorne. Q6 E-Tron und die weiteren Modelle werden fantastische Fahrzeuge mit attraktivem Design, State-of-the-Art Technologie und einer hohen Reichweite", sagt Vorstand Hoffmann. Zahlreiche weitere Modelle in verschiedenen Klassen sollen folgen. Hoffmann: "Ab 2027 werden wir alle Kernsegmente elektrifiziert haben."
Ab 2026 nur noch neue Modelle mit Elektroantrieb

Der Fahrplan für die Zukunft bei Audi ist klar skizziert: In vier Jahren startet die Produktion des letzten komplett neu entwickelten Verbrenner-Modells. Ab 2026 bringt die Marke mit den vier Ringen nur noch neue Modelle auf den Weltmarkt, die rein elektrisch angetrieben sind. Endgültig auslaufen lassen will das Unternehmen die Produktion der letzten Verbrenner schrittweise bis 2033. Für China aber rechnet man allerdings mit einem anhaltenden Bedarf über 2033 hinaus, weshalb es dort ein Angebot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren aus lokaler Produktion geben könnte.
Modellwechsel bei wichtigen Baureihen
Derzeit arbeiten die Entwickler in Neckarsulm mit Hochdruck an der Weiterentwicklung von Diesel- und Benzinmotoren. Sie sollen bis Ende 2023 fertig sein. Danach laufen am Standort die nächsten Generationen der Modellfamilien A4/A5 und A6/A7 an. Nun steht in Neckarsulm aber erst einmal die Aufwertung für das Flaggschiff A8 inklusive einer eigenen Version für China mit dem traditionsreichen Namen Horch an. Mehr dazu steht am Dienstag, 2. November, auf der Autostimme-Seite.


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