1:0 im Kampf um den Fernseher-Markt

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Seit 25 Jahren verkauft Media-Markt sich und Elektrogeräte mit unkonventionellen Werbeideen

Von Manfred Stockburger

Wenn Media-Markt den 25. Geburtstag feiert, dann ist das kein gewöhnliches Fest. Streng genommen ist die Firma ja gar nicht so jung - der Heilbronner Markt hat zum Beispiel als Flachsmann eine viel längere Geschichte. Und eine richtige Marktmacht ist die Ingolstädter Metro-Tochter erst im vergangenen Jahrzehnt geworden. Mit gigantischem Werbeaufwand feiert sich die Firma dennoch selbst - und die Idee, die den Elektrohandel revolutioniert hat.

Was macht Media-Markt anders? Schon den ersten Geburtstag haben die frechen Tabubrecher hochstilisiert: "In 99 Jahren feiern wir 100 Jahre Media-Markt" war damals die Werbebotschaft. Damals, 1980, wurde das von dem ehemaligen Fahrradhändler Leopold Stiefel gegründete Unternehmen - die "Welt" nannte den heutigen Chef der Media-Saturn-Gruppe unlängst "Vater aller Gewinne" - vom Wettbewerb noch belächelt. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass sich Elektrogeräte nicht wie Möbel verkaufen lassen.

Die Grundidee war, erzählt der Heilbronner Media-Markt-Mann Armin Hartmann, die Ware großflächig zu präsentieren - und zwar Fernseher mit Fernseher und Waschmaschine mit Waschmaschine. Außerdem durften die Kunden ihre Elektroeinkäufe erstmals gleich mit nach Hause nehmen, erklärt Hartmann, der seit Jahresbeginn den bundesweiten Vertrieb der Kette verantwortet.

Schon vor 25 Jahren, als in einem Münchener Industriegebiet der erste Media-Markt eröffnet worden ist, haben die Media-Macher die Kartons im Laden aufgestapelt. Vom Grund her habe sich das Gesicht der Märkte seither kaum verändert, sagt Hartmann. Bei Flachsmann sei eine Schachtel im Laden zu diesem Zeitpunkt aber noch "eine Schande" gewesen.

Mittlerweile lehren die Ingolstadter Werbeprofis der Konkurrenz immer wieder das Fürchten. Zuletzt mit der Fernseher-Wette, die nach der Einschätzung der "Lebensmittel-Zeitung" ein "Treffer ins Schwarze" war: Gewinnt Deutschland die Fußball-EM, bekommen rund 35 000 Kunden den Kaufpreis für ihren neuen Fernseher erstattet, den sie am 1. Juni erstanden haben. 18,5 Millionen Euro haben die Kunden laut LZ auf einen deutschen EM-Sieg gewettet. Zehnmal so viele Geräte wie an einem Durchschnittstag seien dabei über den Ladentisch gegangen - 200 Stück pro Filiale.

Für den Fall, dass Deutschland gewinnt, verliert Media-Markt dennoch nicht: Der Einsatz ist über eine Versicherung abgedeckt, was sonst hängen bleibt, "das verbuchen wir unter Marketing-Kosten", sagt Hartmann. Schließlich hat sich die Kette mit der Aktion mal wieder die Stammtischhoheit erkämpft.

Geboren wurde die Idee, verrät Hartmann, in einer Bierlaune im Gespräch mit dem niederländischen Media-Markt-Chef im vergangenen Herbst. Damals, als die Holländer gegen die Schotten verloren hatten und die EM-Teilnahme der Oranjes auf dem Spiel stand. Aus einer harmlosen Frotzelei im Kreis der Spitzenmanager ein Werbeknaller geworden, der die Konkurrenz kalt erwischt hat - und sogar vor den Kadi trieb. In einigen Hamburger Märkten der dezentral organisierten Kette ist die Aktion verboten worden - die übrigen 170 Märkte sind von dem Richterspruch jedoch nicht betroffen.

Spritzige Werbung, die nah dran ist an Volkes Seele. Das ist seit 25 Jahren der Kern des Erfolgsrezeptes der Kette. Mit "Geiz ist geil" hat die Media-Schwester Saturn die Stimmung des vergangenen Jahres besser getroffen als die meisten Auguren. Mittlerweile geht Media-Markt mit dem Nachfolger-Slogan "Kaufen! Marsch, Marsch" auf Kundenfang. Die Ingolstadter Seelen-Seismografen haben inzwischen nämlich eine Aufhellung der Stimmung ausgemacht. Und zwar ganz kaufmännisch, in Euro und Cent. Schon vor der Geburtstagskampagne seien die Umsätze wieder deutlich gestiegen, verrät Armin Hartmann zufrieden.


 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben